Interview zum Oberliga-Derby

Rechtsaußen Otto und Avram haben trotz unterschiedlicher Prognosen einiges gemeinsam

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Nimmt Maß: Jan-Hendrik Otto (ESG), der sich als Rechtsaußen zum Leistungsträger gemausert hat.

Natürlich fallen die Prognosen von Jan-Hendrik Otto (Gensungen/Felsberg) und Vlad-Alexandru Avram (MT II) vor dem Derby in der Handball-Oberliga (Sa. 19.30 Uhr, Gensungen)  unterschiedlich aus. 

Ansonsten aber haben die beiden Leistungsträger, wie das HNA-Interview offenbart, einiges gemeinsam.

Im Handball gelten der Torwart und die Linkshänder als besondere Spezi d.h. mit unverkennbaren Charaktereigenschaften ausgestattet. Was zeichnet Sie beide als Rechtsaußen aus?

Jan-Hendrik Otto: Ich glaube schon, dass Linkshänder ihre eigene Vita haben. Viele sind auch Siebenmeterschützen und vom Punkt eiskalt. Ansonsten sind das aber lockere, aufgeschlossene Typen, die für gute Stimmung sorgen. Ich hoffe, dass beides auch auf mich zutrifft.

Vlad-Alexandru Avram: Linkshänder sind Spielertypen, die schwer zu finden sind. Ein guter Linkshänder ist für jede Mannschaft ein Schatz. Charaktermäßig sind wir aber ganz normale Spieler.

Ich habe mich mal in Mannschaftskreisen schlau gemacht. Jan-Hendrik, sie gelten als total geerdet und mit einer stoischen Ruhe ausgestattet, einer, der auch schon mal die eigene Bank zur emotionalen Zurückhaltung ermahnt.

Otto: Das ist schön zu hören, dass meine Kameraden so über mich denken. Ich versuche im Spiel, den Fokus nicht zu verlieren und immer anspielbereit zu sein. Das ist einer der Erfolgsfaktoren der gesamten Mannschaft, dass sie nämlich stets konzentriert agiert. Natürlich gehören auch Emotionen dazu.

Vlad-Alexandru, auch Sie sind als ernster und zuverlässiger Spieler bekannt, lassen aber im Training auch schon mal den Clown raus. Und sich vor allem immer wieder etwas Neues einfallen, um ihren Trainer davon zu überzeugen, Fußball spielen zu lassen...

Entwischt: Vlad Alexandru Avram, der für Tore und gute Stimmung im MT-Team sorgt. 

Avram: Der Lieblingssport eines jeden Handballers ist der Fußball. Ich möchte gerne im Training immer Spaß haben und fühle mich für die gute Laune in der Mannschaft zuständig. Wichtig ist es auch, nach einer Niederlage die Moral der Mannschaft wieder aufzubauen.

Jan-Henrik, es ist ihre dritte Saison in der Oberliga und Sie haben in der laufenden einen großen Leistungssprung gemacht. Liegt das auch an der alleinigen Verantwortung auf dieser Position?

Otto: Eher weniger. Das Training und auch die zunehmende Erfahrung haben sicherlich dazu beigetragen, dass ich konstanter auf einem höheren Level als in den ersten Jahren spielen kann. Außerdem klappt das Zusammenspiel auch in unterschiedlicher Besetzung beispielsweise im rechten Rückraum immer besser.

Vlad-Alexandru, wie würden Sie Ihre Rolle im Team beschreiben? Sind Sie ein Führungsspieler? Ihre hohe Trefferquote und Ihre Variabilität spricht durchaus dafür.

Avram: Ich fühle mich nicht wie ein Führungsspieler. Klar versuche ich den jungen Spielern mit meiner Erfahrung zu helfen und zu einer guten Mentalität beizutragen. Talent und eine gute handballerische Ausbildung haben sie schon alle. Auf dem Feld ist es normal, dass ich in brenzligen Situationen Verantwortung übernehme und nicht die jungen Spieler.

Gensungen/Felsberg hat eine Halbzeit beim 33:25-Erfolg bei der HSG Kleenheim/ Langgebraucht, um die vorausgegangene Heimpleite gegen Pohlheim zu verarbeiten. Ist die nun Vergangenheit und die ESG auf Kurs Halbzeitmeisterschaft?

Otto: Von der Heimpleite gegen Pohlheim reden wir nicht mehr. Jetzt sollten wir uns erst mal nur auf das Derby konzentrieren. Das wird schwer genug. Ich selbst gucke gar nicht so häufig auf die Tabelle. Wichtig ist nur, wo wir am Ende stehen.

Und wo soll‘s hingehen?

Otto (lacht): Bis zum letzten Spieltag im Aufstiegsrennen bleiben.

Die MT hat mit drei Siegen aus den letzten vier Spielen rechtzeitig vor dem Derby die Kurve gekriegt. Trotzdem gleicht der bisherige Saisonverlauf einer Achterbahn. Warum?

Avram: Wir haben zuletzt besser gespielt als zu Beginn der Saison, weil einige verletzte Spieler wie Max Pregler zurück gekommen sind. Fabian Meyfarth im Tor hat uns sehr geholfen. Er ist schon ein Phänomen: Trainiert nicht, kommt und spielt überragend. Weiterhin haben wir uns nach der Heimniederlage gegen Pohlheim zusammengesetzt, um die Dinge anzusprechen, die wir besser machen müssen. Wir haben nach vorn geguckt und sind enger zusammen gerückt.

Wie sehen Sie die Ausgangsposition vor dem Derby. Rein tabellarisch ist wohl Gensungen Favorit, oder?

Otto: Tabellarisch mag das so sein, aber wir dürfen die Melsunger, die zuletzt sehr erfolgreich waren, auf keinem Fall unterschätzen. Dazu kommt der Derbyfaktor.

Avram: Die Chancen liegen bei 50:50. Keiner ist Favorit, das ist ein Derby und in dem ist alles drin.

Die Derby-Statistik spricht klar für Gensungen, doch das letzte Duell - das erste in der Oberliga überhaupt - hat Melsungen gewonnen.

Otto: Natürlich waren wir sehr enttäuscht und sind es unseren Fans schuldig, das wieder gut zu machen.

Avram: Dieser Sieg ist gut für uns. Wir haben damit gezeigt, dass alles möglich ist, egal auf welchem Platz die Rivalen vorher stehen.

Ihr Tipp?

Otto: Das wird ein heißer Tanz, aber hinten raus werden wir uns absetzen und 30:26 gewinnen.

Avram: Es wird auf jeden Fall viele Tore geben und wir gewinnen 33:31.

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