Zuständig für vier Kreise

HNA-Interview: Club-Berater können Fußball-Vereinen „nützliche Tipps“ geben

Zwei, denen der heimische Amateurfußball am Herzen liegt: Anika Höhn (l.) und Fabian Seck, die als Club-Berater insgesamt vier Fußballkreise betreuen.
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Zwei, denen der heimische Amateurfußball am Herzen liegt: Anika Höhn (l.) und Fabian Seck, die als Club-Berater insgesamt vier Fußballkreise betreuen.

Sie lebt in Kassel und ist Club-Beraterin der Fußballkreise Schwalm-Eder und Waldeck. Er kommt aus dem Schwalm-Eder-Kreis und steht als Ansprechpartner für die Vereine der Fußballkreise Frankenberg und Hersfeld-Rotenburg zur Verfügung. Beiden hat die Pandemie bei ihrer Arbeit doch arg zu schaffen gemacht.

Schwalm-Eder - Das berichten Anika Höhn und Fabian Seck im HNA-Interview, die nun im kommenden Jahr zum Wohl des Amateurfußballs so richtig durchstarten wollen.

Was macht ein Club-Berater in der Winterpause? Ferien?

Anika Höhn: Eigentlich wäre es eine gute Zeit, mit den Vereinen in Ruhe Gespräche zu führen. Beispielsweise darüber, ob die Satzungen noch auf dem neuesten Stand sind. Das verhindert aber die Pandemie.

Fabian Seck: Ferien sind das in normalen Zeiten für uns überhaupt nicht. Da ist mehr los, als wenn der Ball rollt.

Was hat Sie als ehemalige bzw. noch aktive Fußballer(in) an diesem Job gereizt?

Höhn: Ich bin über befreundete Jugendtrainer darauf gestoßen, was der Verband an Fortbildungsangeboten und Unterstützung für die Vereine zu bieten hat. Mit meinem Engagement möchte ich dazu beitragen, dass dieses Angebot noch viel mehr in Anspruch genommen wird.

Seck: Bei mir spielt noch mein abgeschlossenes Sportmanagement-Studium eine Rolle. Ich wollte die erworbenen Kenntnisse nun auch in die Praxis einbringen. Außerdem liegt mir der Amateurfußball sehr am Herzen.

Ist Ihr Elan nach knapp 24 bzw. sieben Monaten noch genauso groß wie am Anfang?

Höhn: Wir wurden schon durch die Pandemie ausgebremst. So fielen alle Präsenz-Termine insbesondere die Vorstellung bei den Vereinen weg. Trotzdem bin ich hoch motiviert und weiterhin voll überzeugt von dem Projekt.

Warum?

Höhn: Weil es ein kostenloses Angebot, welches einen Mehrwert für die Vereine darstellt. Der liegt darin, dass wir nützliche Tipps für eine einfachere Vereinsverwaltung geben können.

Seck: Bei mir ist es ähnlich. Ich konnte immer noch nicht so richtig durchstarten und hoffe, dass das im kommenden Jahr möglich ist.

Das bedeutet?

Seck: Dass ich bei den Vereinen präsenter bin.

Wie haben die Vereine Sie als Club-Berater aufgenommen? Mit offenen Armen oder eher zögerlich?

Höhn: Eher zögerlich, weil es noch nicht so viele Termine gab. Wenn ich vor Ort war, wurde ich aber immer mit offenen Armen empfangen.

Seck: Bei mir herrschte auch noch Zurückhaltung, das neue Angebot anzunehmen. Möglicherweise auch eine gewisse Scheu, eine externe Beratung in die Vereine zu lassen. Noch ist die traditionell gewachsene Einstellung, sein eigenes Ding zu machen, weit verbreitet.

Sind Vereinsführung und Vorstandsarbeit denn so kompliziert geworden, dass die verantwortlichen Personen überhaupt einen Club-Berater an ihrer Seite brauchen?

Höhn: Es hat gerade in der letzten Zeit beispielsweise im Bereich Datenschutz oder ganz aktuell wegen der Pandemie einige neue Regelungen gegeben. Die umzusetzen stellt die Ehrenamtlichen durchaus vor Probleme. Wir können sie entlasten.

Seck: Es gibt einen Mangel an Ehrenamtlichen, einen langfristigen Mitgliederschwund, Nachwuchsmangel, finanzielle Probleme und einen demografischen Wandel. Diese Herausforderungen als einzelner Vorstand zu bewältigen ist eine Mammutaufgabe, bei der Hilfe von außen hilfreich und nötig sein kann.

Wann sollte sich ein Club bei Ihnen melden? Und wie geht das?

Höhn: Für die Anmeldung direkt bei uns oder über den Hessischen Fußballverband unter www.hfv-online.de gibt es keinerlei Beschränkungen. Wir freuen uns über jede Anfrage, sei es wegen eines konkreten Problems bezüglich aller Themen außerhalb des Spielbetriebs oder auch, um uns bzw. das Angebot einfach nur bekannt zu machen.

Wie können Sie einem Verein an der Basis konkret helfen? Welche Aufgaben decken sie ab?

Seck: Wir bieten Beratungsgespräche an, die häufig verbunden sind mit einem Vereinsbesuch vor Ort. Bei akuten Problemen können wir über die konkrete Hilfe des HFV informieren z. B. bei Erneuerung der Flutlichtanlagen mit LED-Beleuchtung, was in den letzten Jahren ein wichtiges Thema war. Wir können Qualifizierungsmöglichkeiten für Trainer und Manager aufzeigen, wir können Kurzschulungen zu bestimmten Themen wie das Wohl des Kindes, Digitalisierung im Verein, Medien, Kooperation Schule-Verein-Kita durchführen.

Höhn: Wir können auch bei der Organisation von Vereinsverstaltungen wie Ehrungen oder Turnieren helfen.

Gibt es kreisspezifische Kernthemen bzw. Themen, die sich durch alle Kreise ziehen?

Höhn: Es gibt ein Gefälle zwischen Nord- und Südhessen, wo die Infrastruktur beispielsweise in Bezug auf Kunstrasenplätze wesentlich besser ist, so dass dort weniger Spiele ausfallen.

Wie sieht Ihre Lösung aus?

Seck: Wir können den Dialog zwischen mehreren Vereinen organisieren, die sich gemeinsam auf die Errichtung eines Kunstrasenplatzes einigen. Hilfreich sind dabei auch unsere Verbindungen zu Kreis und Kommunen.

Höhn: Es gibt in verschiedenen Kreisen verschiedene Pilotprojekte. Einmalig ist im Fußballkreis Schwalm-Eder die Entwicklung einer App, die die Kommunikation zwischen Kreisfußball-Ausschuss, Trainer, Schiedsrichter und Spieler schneller und einfacher macht.

Wie haben Sie die Vereine während der Corona-Zeit unterstützt?

Höhn: Wir haben Online-Seminare zur Umsetzung des Hygiene-Konzepts durchgeführt und im Anschluss daran angeboten, das Hygiene-Konzept vor Ort auch ganz spezifisch zu besprechen.

Seck: Wir haben Moderationen übernommen bei Online-Präsentationen über die sichere Rückkehr auf den Sportplatz nach dem Lockdown.

Welche Herausforderungen sehen Sie nach Corona?

Höhn: Es gab große Bedenken hinsichtlich eines Mitgliederschwunds wegen Corona, der aber glücklicherweise ausgeblieben ist. Bleibt eine große finanzielle Herausforderung, weil die Vereine über einen längeren Zeitraum keine eigenen Einnahmequellen mehr hatten. Wichtig ist auch wieder mehr in die Schulen zu gehen, um die Kinder für den Vereinssport zu gewinnen.

Seck: Der DFB hat das Projekt „Masterplan Amateurfußball 2024“, angelehnt an die EM in Deutschland, aufgelegt. Dieser enthält viele Maßnahmen zur Lösung dieser Probleme. Als Club-Berater sind wir da als Bindeglied zwischen HFV und den Vereinen besonders gefordert.

Sechs Mitarbeiter stehen in 14 Fußballkreisen als Ansprechpartner bereit

Seit 1. Januar 2018 beschäftigt der Hessische Fußball-Verband (HFV) im Rahmen eines Pilotprojekts sechs Club-Berater, die zunächst Vereinsservice-Assistenten hießen. Diese HFV-Mitarbeiter auf Minijob-Basis stehen den Vereinen in 14 ausgewählten Fußballkreisen als zentrale Ansprechpartner für alle Fragen außerhalb des Spielbetriebs zur Verfügung.

Sie sollen als Soforthilfemaßnahme fungieren, um den Vereinen Informationen über Themen wie Ausbildung und Qualifizierung, Vereinsmanagement, Fairplay und Soziales, Ehrenamt, Veranstaltungen, DFB-Net und Schulfußball zu geben. Auch die Koordination kreisübergreifender Angebote und die Unterstützung bei Veranstaltungen der Kreisfußballausschüsse liegen in ihrem Aufgabengebiet.

Mario Bröder (Kreise Friedberg und Gießen), Günter Stiebig (Alsfeld und Marburg), Anika Höhn (Schwalm-Eder und Waldeck) und Fabian Seck (Frankenberg und Hersfeld-Rotenburg) sind für zwei Kreise zuständig. Ullrich Trumpfheller (Büdingen, Gelnhausen und Schlüchtern) und Jörg-Friedrich Schmidt (Hofgeismar-Wolfhagen, Kassel und Werra-Meißner) betreuen drei Kreise. Zur Vorbereitung auf ihren Job wurden die Club-Berater von verschiedenen Referenten in deren jeweiligen Spezialgebiet geschult. (Ralf Ohm)

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