HNA-Interview

Güvens Rechnung zum Klassenerhalt: Sechs Siege aus zwölf Spielen

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Teilziel verfehlt, Klassenerhalt mit dem 1. FC Schwalmstadt aber noch im Blick: Trainer Atilla Güven. 

Schwalmstadt. Der 1. FC Schwalmstadt überwintert auf einem Abstiegsplatz in der Fußball-Verbandsliga. Klarer Fall von „Ziel verfehlt“, denn Atilla Güven wollte genau dieses Szenario vermeiden. Im HNA-Interview äußert sich der FCS-Trainer zur Hinrunde und zu den Chancen auf den Klassenerhalt. 

21 Punkte aus 20 Spielen - das liegt weit unter dem Fahrplan zum Klassenerhalt, oder ?

Atilla Güven: Weit unter dem Klassenerhalt liegen wir nicht, denn zum rettenden Ufer fehlt nur ein Punkt. Dennoch ist es richtig, dass wir unser ursprüngliches Ziel - 30 Punkte bis zur Winterpause - frühzeitig revidieren mussten. Danach ging es darum, nicht auf einem Abstiegsplatz zu überwintern. Beide Ziele haben wir leider verfehlt.

Die schmale Ausbeute hat auch mit dem schwachen Start zu tun, als die Mannschaft erst am siebten Spieltag ihren ersten Sieg feierte und vorher aus sechs Spielen nur einen Punkt geholt hatte. Woran lag‘s?

Wir haben in den ersten Spielen aufgrund individueller Fehler viel Lehrgeld bezahlt. Hinzu kam auch ein wenig Pech. Ich denke da vor allem an die Last-Minute-Niederlage gegen Eschwege, den verschossenen Elfmeter gegen Johannesberg und die unnötigste Niederlage meiner gesamten Trainerkarriere, dem 3:4 in Neuhof, als wir 2:0 führten und in Überzahl zwei Tore kassierten. Diese sechs Punkte fehlen uns jetzt.

Schwalmstadt hat nur zwei Tore weniger als Spitzenreiter Steinbach geschossen, dafür haben nur drei Teams der Liga mehr Treffer kassiert. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz?

Wenn wir noch kaltschnäuziger agieren würden, könnten aufgrund unserer Chancen sogar noch mehr Tore erzielen. Dem stehen vermeidbare Fehler im Defensivbereich gepaart mit vielen Gegentoren aus Standardsituationen gegenüber, allein fünf Elfmetertore und drei direkt verwandelte Freistöße. Da müssen wir einfach cleverer verteidigen. Weiterhin müssen wir unser Umschaltspiel nach hinten verbessern und Fehlpässe im Spielaufbau vermeiden, die uns weitere Gegentreffer gekostet haben.

Im Laufe der ersten 21 Spiele haben vier verschiedene Schlussmänner das FCS-Tor gehütet ...

Stimmt, aber unser Torwartproblem war kein Abstimmungsproblem. Joel Ritter hat das in seinem ersten Seniorenjahr richtig gut gemacht, musste aber aufgrund unseres Verletzungspechs an den Wochenenden oft doppelt in der ersten und zweiten Mannschaft ran. Das geht natürlich nicht und das werden wir in der Winterpause beheben.

Wie?

Mario Wörmann kommt zurück. Er wird im Januar in die Vorbereitung mit einsteigen. Weiterhin hoffe ich, dass Steffen Völker und Tobias Girschikofski mal längere Zeit verletzungsfrei bleiben, so dass wir auch in unserer Gruppenliga-Mannschaft rotieren können.

Ebenfalls ein Manko: die schwache Heimbilanz. Drei Siege stehen vor eigenem Publikum fünf Niederlagen gegenüber. Warum hat die Mannschaft ihren Schrecken am Fünftenweg verloren?

Ich weiß gar nicht, wann der 1. FC Schwalmstadt das letzte Mal einen Schrecken am Fünftenweg dargestellt hat.

Vielleicht in der Saison 2015/2016 als Vizemeister der Verbandsliga ?

Ja, kann sein. Fakt ist, dass wir in dieser Saison auch zu Hause in vielen Spielen ebenbürtig waren, aber durch dumme Fehler viele Punkte verschenkt haben.

Kein Heimkomplex?

Nein, sicher nicht.

Sie haben noch während der Hinrunde aus den schwachen Ergebnissen die Lehren vollzogen und das System von 4:2:3:1 auf 4:4:2 geändert. Danach lief‘s in der Tat besser. Warum?

Weil wir so die Schnelligkeit unserer beiden Sturmspitzen Lindenthal und Mitchell besser nutzen konnten. Unser Anlaufverhalten in der Defensive und das Umschalten in Kontersituation gelingen uns im 4:4:2 auch besser. Trotzdem. Wichtiger als irgendeine Formation ist, wie wir uns mannschaftstaktisch auf dem Platz verhalten. Zu wissen wann wir wo pressen, wen wir aggressiv anlaufen und wen wir eher walten lassen, wie wir uns defensiv zu einem Gesamtblock verschieben. Eine einzige Aktion löst eine Kettenreaktion aus, bei der jeder Spieler seine Aufgabe mit höchster Konzentration erfüllen muss.

Sie haben den Personalmangel, nicht nur im Tor, angesprochen. Wird der Verein deshalb in der Winterpause noch mal auf dem Spielermarkt aktiv?

Wir werden uns definitiv mit bis zu drei Qualitätsspielern verstärken. Namen kann ich aber noch nicht nennen.

Es gibt in der Region durchaus einige junge Spieler, die das Zeug für die Verbandsliga haben, die aber lieber unterklassig spielen. Hat der FCS seinen Reiz als Aushängeschild des heimischen Fußballs verloren?

Daran liegt es nicht. Vielmehr hat es damit zu tun, dass viele talentierte Spieler den Aufwand in der Verbandsliga scheuen. Dazu kommen übertriebene Gehaltsforderungen. Bei unseren Verhandlungen im Sommer haben mir einige Spieler gesagt, dass sie nur freitags trainieren, samstags ausgehen und sonntags bei ihrem Heimatverein spielen wollen. Leider gibt es nicht mehr diese Mentalitätsmonster wie beispielsweise Tobias Kreuter, der sich immer, sogar verletzt, zur Verfügung gestellt hat. Drei bis fünf Spieler mit seinem Ehrgeiz und Willen und der FCS würde wieder Hessenliga spielen.

Trotz aller Rückschläge: Wer war für Sie die „Entdeckung der Hinrunde“?

Peter Liebermann hat mir trotz seiner lang anhaltenden Rückenprobleme in den letzten Wochen sehr imponiert. Er war in jedem Spiel mit vollem Einsatz und Leidenschaft dabei.

Wie sieht der Fahrplan zum sicheren Klassenerhalt aus?

Ganz wichtig ist es gleich zum Auftakt gegen den direkten Konkurrenten Grebenstein drei Punkte zu holen. Ausgehend von fünf Absteigern sind wohl wieder 40 Punkte für den Klassenerhalt nötig. Also müssen wir mindestens die Hälfte der verbleibenden 12 Spiele gewinnen.

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