Hessenliga:

In Hessens Spitze angekommen: So wurde aus TuS Viktoria Großenenglis ein Aufstiegskandidat

Abgeklatscht: (v.l.) Carina Jäger, Jana Schwaab und Lena Eckhardt bejubeln hier das 3:0 gegen Lollar und freuen sich mit dem TuS Viktoria Großenenglis auf die Aufstiegsrunde.
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Abgeklatscht: (v.l.) Carina Jäger, Jana Schwaab und Lena Eckhardt bejubeln hier das 3:0 gegen Lollar und freuen sich mit dem TuS Viktoria Großenenglis auf die Aufstiegsrunde.

Dieses Team hatte so keiner in der Frauenfußball-Hessenliga auf der Rechnung: Als Sieger der Gruppe 1 ist der TuS Viktoria Großenenglis überraschend der einzige Widersacher vom SC Opel Rüsselsheim (Meister der Gruppe 2) um den Aufstieg.

Großenenglis – Vier Gründe für die erfolgreiche Hinrunde.

Mentalitätswandel

Nachdem es in den letzten Jahren häufig knappe Niederlagen gab, ist in dieser Saison ein ausgeprägter Siegeswille festzustellen. Die Viktoria gewann spät gegen Hessen Kassel mit 1:0 (Carina Jäger, 86.) und präsentierte sich auswärts nervenstark. Beim TSV Pilgerzell (3:2, Siegtor von Anna Wagner in der Nachspielzeit), in Kassel (2:1, Doppelpack Jana Schwaab), bei der TSG Lütter (2:1, Doppelpack Johanna Straube) und bei BG Marburg (1:1, Ausgleich von Straube in der Nachspielzeit) punktete die Viktoria jeweils nach einem Rückstand. Die starke Moral führt Trainer Alessandro Wiegand auf das gelungene Trainingslager und Einzelgespräche zurück: „Jede Spielerin hatte das Ziel Aufstiegsrunde. Das hat entscheidende Kräfte freigesetzt.“

Achsenbildung

Der Staffelsieger baute auf eine Achse. Auf den zentralen Positionen standen Torhüterin Sabrina Wandrei, die Verteidigerinnen Alina Diehl und Lea Unzicker sowie die Mittelfeldspielerinnen Laura Festor und Jana Schwaab in neun von zehn Partien in der Startelf. Carina Jäger war als Sechser immer dabei. Und sorgte mit Festor für die passende Balance.

Spielsystem

Die Viktoria setzte auf ein 4-2-3-1. Auch nach längeren Ausfällen von Luisa Winter und Julia Faupel blieb die Grundformation bestehen. Statt eines Systemwechsels rückten etwa Unzicker und Lena Eckhardt auf ungewohnte Positionen in der Viererkette. Mit Erfolg: Die Stabilität war stets vorhanden.

Individualqualität

„Sie ist fußballerisch eine Bombe und gibt uns Sicherheit“, beschreibt Spielführerin Jäger die Wirkung von Torjägerin Straube. Obwohl die ehemalige Bundesliga-Spielerin mit Verletzungen zu kämpfen hatte, erzielte sie zehn Tore. Staffel-Bestwert. Von ihrer Erfahrung profitierte besonders Schwaab, die sieben Treffer beisteuerte – dreimal das wichtige 1:0.

Aufstiegsrunde

Die Viktoria startet am 26. März mit einem Auswärtsspiel in Rüsselsheim in die Aufstiegsrunde. Offen ist noch, wo die Heimspiele gegen den Titelfavoriten sowie Wiesbaden und Mittelbuchen stattfinden. Der Vorstand würde gerne weiter auf dem Dorfsportplatz in Großenenglis spielen, aber auch das Borkener Blumenhain-Stadion ist eine Option.

Entscheidung noch nicht gefallen

Noch können die Borkenerinnen keine Auskunft darüber geben, ob sie bei einer erfolgreichen Teilnahme an der Aufstiegsrunde den Schritt in die Regionalliga wagen würden. Bis zum Ende des Jahres herrscht Ruhe. „Das Thema Regionalliga gehen wir im Januar gemeinsam mit der Mannschaft an. Wir müssen uns alle Gedanken darüber machen, welche Herausforderungen auf uns zukommen würden“, erklärt die TuS-Vorsitzende Birgitt Faßhauer auf Anfrage. Ein möglicher Aufstieg hätte weite Reisen, Spiele am Sonntagmorgen und höhere finanzielle Kosten zur Folge. Deshalb bräuchte der TuS mehr Sponsoren.

Sportlich müsste sich die Anzahl der Trainingseinheiten von zwei auf mindestens drei pro Woche steigern. Der Trainerstab um Alessandro Wiegand, Co-Trainer Kevin Krahn, Torwarttrainer Rolf Köhler und Teammanager Daniel Wettlaufer würde die zweijährige Aufbauarbeit gerne in einer höheren Liga weiterführen, um der individuellen Entwicklung der Spielerinnen „den nächsten Kick“ (Wiegand) zu geben.

Bei den Spielerinnen, die maximal Fahrtgeld erhalten, herrschen indes unterschiedliche Meinungen vor. „Nur wenige fänden es gut, das Abenteuer Regionalliga zu wagen. Über die Hälfte der Mädels sind mit der Hessenliga zufrieden“, betont Carina Jäger. Ende Januar geht die Vorbereitung los. Auf der Zugangsseite soll nach Torwart-Talent Hannah Lachmann und der erfahrenen Eileen Young noch mindestens eine dritte Verstärkung folgen. (Fabian Seck)

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