Kreisläufer über seine Lehr- und Kapitänsjahre

Interview mit Gensungen/Felsbergs Kapitän Christoph Koch: „Aufstieg zum richtigen Zeitpunkt“

Geballte Kraft und Dynamik: Gensungens Christoph Koch (vorn) hat sich mal wieder vehement am Kreis durchgesetzt.
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Geballte Kraft und Dynamik: Gensungens Christoph Koch (vorn) hat sich mal wieder vehement am Kreis durchgesetzt.

Es gibt sie noch, die echten Typen im Sport. Spieler mit Ecken und Kanten, Akteure mit Führungsqualitäten.

Gensungen – Die ESG Gensungen/Felsberg hat so einen Typen. Christoph Koch nämlich, der die Mannschaft wie bei seinem Wechsel versprochen zurück in die 3. Handball-Liga führte. Auch im HNA-Interview blieb sich der Kreisläufer treu und ließ seine beeindruckende Karriere nebst Perspektiven Revue passieren.

Christoph Koch, Sie sind 2015 mit dem Versprechen, die Gensunger wieder in die 3. Liga zu führen, ins Edertal gewechselt. Diese Mission haben Sie in der letzten Saison erfüllt, könnten also nun mit knapp 30 Jahren als Leistungshandballer eigentlich kürzer treten. Warum wollen sie das nicht?

Mein Ziel war es nicht nur aufzusteigen, sondern auch mit Gensungen in der 3. Liga zu spielen. Ans Aufhören habe ich bisher noch nicht gedacht.

Warum hat es denn so lange, also fünf Jahre, gedauert, bis die ESG endlich reif für die 3. Liga war?

Natürlich war die Erwartungshaltung von Umfeld und den Konkurrenten, dass wir als ehemaliger Zweitligist in die 3. Liga gehören und dementsprechend der Favorit sind. Wir mussten uns aber erst mal stabilisieren, eine funktionierende Mannschaft aufbauen. Außerdem war die Oberliga schwer zu spielen. Mit der Zeit war eine Entwicklung spürbar, wir wurden als Team immer homogener und so kam der Aufstieg zum richtigen Zeitpunkt.

Was zeichnet diese Mannschaft gegenüber die der Jahre davor aus?

Besonders in den letzten beiden Jahren hat sie einen großen Entwicklungsschritt gemacht. Sie war nicht mehr ganz so jung und Oberliga erfahrener, die Abläufe im Zusammenspiel waren automatisiert. Das zum Siegen nötige Selbstverständnis besonders auswärts war da, was dann auch zu einer größeren Konstanz führte. Weiterhin ist jeder einzelne Spieler besser geworden, was auch für das Spielverständnis zwischen Trainerteam und Team gilt.

Was ist Ihre Rolle in der Mannschaft? Wie hat sie sich in den letzten fünf Jahren verändert?

Die Entwicklung ging ziemlich schnell. Bereits nach einem halben Jahr bin ich Kapitän für Jens Wiegräfe geworden. Das war eine große Ehre, aber auch eine ebenso große Verpflichtung. Ich versuche voran zu gehen, die Spieler zu motivieren, die Abwehr zusammen zu halten. Aufgaben, die man als Kapitän so hat. In ersten Jahren hatte ich mir zuviel vorgenommen, auch schon mal das eigene Spiel aus den Augen verloren. Das ist besser geworden, weil ich mich auf die Mitspieler verlassen kann.

Es ist bekannt, dass Sie auch im Training eine gewisse Aggressivität auszeichnet. Ihr Mitspieler Heinrich Wachs sagt daher, dass er lieber mit Ihnen als gegen Sie spielt. Nehmen Sie das als Kompliment?

Das geht schon in Ordnung, auch im Training muss eine gewisse Härte sein, um im Wettkampf bestehen zu können. Ich will natürlich nicht nur als Holzhacker dastehen und habe auch meine spielerischen Qualitäten, doch eine gesunde Härte gehört für mich einfach dazu.

Gesunde Härte?

Gesunde Härte heißt, dem Gegner die Lust am Angriffsspiel zu nehmen.

Sie müssen sowohl als Kreisläufer wie auch als Abwehrchef ziemlich viel einstecken. Nervt das manchmal oder verleitet das zum Austeilen?

Wer nicht einstecken kann, kann auch das Spiel nichts gewinnen. Und dementsprechend wird auch ausgeteilt. Ich habe noch nie jemanden absichtlich verletzt, aber gewisse Fouls im Spiel vergisst man halt nicht. Der ständige Körperkontakt gehört zum Kreisspiel einfach dazu, so dass ich das gar nicht mehr so bewusst wahrnehme.

Ihr Trainer Arnd Kauffeld hält sie für den „größten Gewinn des Vereins“ in den letzten Jahren. Charakterisiert Sie als „kritisch und loyal“. Können Sie sich vorstellen warum?

Erstmal freue ich mich natürlich über diese Wertschätzung. Es ist schon so, dass ich viel hinterfrage, dass der Trainer und ich auch schon mal unterschiedliche Einschätzungen haben. Doch er weiß, dass er sich voll auf mich verlassen kann d.h. dass ich das gemeinsam mit ihm erarbeitete Konzept immer durchziehen will. Andererseits hat er mich ja auch erst zu dem Spieler gemacht, der ich bin.

Welche Rolle hat Arnd Kauffeld denn bei Ihrem Wechsel 2015 gespielt? Immerhin ging‘s dabei für Sie eine Klasse runter.

Das war schon ein Abstieg, keine Frage. Der Abschied aus Baunatal ist mir auch sehr schwer gefallen, denn das war ein prägender Lebensabschnitt für mich. Arnd konnte mich für das Gensunger Projekt begeistern. Mittlerweile sind wir ja sogar echte Freunde geworden.

Arnd Kauffeld hat Sie schon einmal geholt: 2008 von Körle nach Baunatal, was manche, wie Ihr Körler Jugendtrainer Uwe Waldschmidt, für zu früh hielten. Wie ist es Ihnen gelungen, sich als damals 17-Jähriger bei einem späteren Dritt- und Zweitligisten durchzusetzen?

Ich wurde von der Mannschaft super aufgenommen, die aus vielen Spielerpersönlichkeiten bestand wie etwa Kapitän Florian Ochmann. Hatte mit ihm einen Riesenmentor, bin aber auch durch eine harte Schule gegangen, worauf wohl auch mein hartes Abwehrspiel zurück zu führen ist. Bei mir lief ganz viel über gute Trainingsleistungen. Es gibt filigrane Handballer und Handballer, die viel arbeiten müssen, um zu bestehen. Dazu würde ich mich zählen. Der Lohn war, dass ich von Anfang an in der Abwehr gesetzt war.

Stimmt, da haben sie schnell Ihre Rolle gefunden. Am Kreis hatten sie Renke Behrends vor sich und deshalb weniger Spielanteile im Angriff. Hat Sie das gefuchst? War das möglicherweise auch ein Grund, um nach Gensungen zu wechseln?

Nein. Zu Beginn habe ich Renke Behrends nur entlastet, doch nach und nach sind meine Spielanteile im Angriff immer größer geworden. In der Aufstiegssaison 2013/2014 war ich gar die Nummer eins am Kreis.

Der Aufstieg in die 3. Liga ist eine Rückkehr für Sie und auch für den Verein, nicht aber für einige noch Drittliga unerfahrene Mitspieler. Was geben Sie denen mit auf dem Weg?

Dass das Spiel deutlich schneller und härter wird. Wir werden mit wesentlich abgezockteren Spielern das Vergnügen haben, von denen einige schon erste und zweite Liga gespielt haben. Wir müssen uns besonders in der Abwehr verbessern, sollten aber auch nicht zu demütig an die Sache heran gehen.

Was trauen Sie Ihrer Mannschaft in der 3. Liga zu? Was könnte das Saisonziel sein?

Saisonziel ist klar der Klassenerhalt. Wir müssen sicherlich in jedem Spiel an unsere Grenzen gehen, um einige davon zu gewinnen.

Kribbelt‘s schon in Erwartung der Derbys gegen Ihren alten Klub Eintracht Baunatal?

Ja, ich freue mich schon drauf. Dass wir uns nach Jahren wieder auf Augenhöhe begegnen, ist auch eine gewisse Bestätigung für mich.

Von Ralf Ohm

Lehrjahre: In Baunatal stand Christoph Koch (l.) zumindest im Angriff noch etwas im Schatten von Kreisläufer Renke Behrends (r.).

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