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Kreisoberliga statt Olympia: Schwimm-Talent Till-Willi Steyer spielt Fußball beim FC Körle

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Von: Gerd Brehm

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Mit links die neue Sportart gemeistert: Till-Willi Steyer ist ein Fußballer, der ein Schwimmer war.
Mit links die neue Sportart gemeistert: Till-Willi Steyer ist ein Fußballer, der ein Schwimmer war. © Richard Kasiewicz

Vor drei Jahren machte er sich noch berechtigte Hoffnungen, 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris über 1500 Meter Freistil und 200 Meter Rücken an den Start zu gehen. Nun spielt Till-Willi Steyer beim FC Körle Fußball in der Kreisoberliga.

Edermünde – Als der jetzt 21-Jährige ein elfjähriges Kind war, hatte er einen Traum. Er wollte ein Schwimmer der Spitzenklasse werden. Dafür ertrug er jede Menge Entbehrungen und Strapazen. Seine Eltern sah er nur noch unregelmäßig an manchen Wochenenden, denn sein Wohnort war nicht länger der Edermünder Ortsteil Haldorf, sondern das mehr als 200 Kilometer entfernte Halle an der Saale. Im dortigen Sportinternat summierten sich die schulischen und sportlichen Herausforderungen auf knallharte 17-Stunden-Tage.

Die Quälerei blieb nicht ergebnislos. Denn bei den Deutschen Meisterschaften des Jahrgangs 2000 in Berlin holte sich Till-Willi Steyer 2018 die Titel über 1500 Meter Freistil und 200 Meter Rücken. 15:38,0 beziehungsweise 2:03,6 Minuten waren Zeiten, die offenbar das Fundament für eine rosige Zukunft im Wasser waren.

Stipendium in den USA

Danach sah es auch nach dem Abitur noch aus, denn ein Stipendium in den USA eröffnete Steyer die Chance, seine beruflichen Wünsche mit seinen sportlichen Zielen zu vereinbaren. An der Henderson State University in Arkadelphia (Arkansas) studierte der damals 19-Jährige Luft- und Raumfahrttechnik und verstärkte das Schwimmteam der Universität.

„Doch bald war ich mir nicht mehr sicher, ob ich auf dem für mich richtigen Weg war“, sagt Till-Willi Steyer, der sich eine berufliche Zukunft als Pilot nicht mehr vorstellen konnte. Zudem ließ auch der Spaß am Sport allmählich nach, und die folgenden Entscheidungen waren radikal: „Ich wollte nach Hause, Architektur studieren und Fußball spielen.“

Rückkehr im März 2020

Gesagt, getan. Im März 2020 kehrte „der verlorene Sohn“ in sein Elternhaus zurück, machte ein Praktikum als Maurer und heuerte beim FC Körle an. Das war praktisch Neuland, denn abgesehen von zwei Jahren Kinderfußball beim FC Edermünde, hatte er keine Erfahrungen in seiner neuen Lieblingssportart gesammelt. Doch sein Ehrgeiz war groß, er lernte schnell und schaffte sofort den Sprung in die zweite Mannschaft, die in der Kreisliga A antrat. Schon ein Jahr später war das Bewegungstalent linker Verteidiger der „Ersten“ in der Gruppenliga.

„Jetzt habe ich wieder Spaß am Sport“, freut sich Till-Willi Steyer, der trotz des Abstiegs in die Kreisoberliga einen optimistischen Ausblick wagt. „Beim FC Körle gibt es eine Aufbruchstimmung. Wir haben mit Günter Klose einen tollen Trainer und mit Lukas Greiner einen vorbildlichen Spieler“, sagt der Fußballer, der ein Schwimmer war.

Und die entbehrungsreichen Jahre in Halle nicht als verlorene Zeit ansieht. „Eigenschaften wie emphatisches Sozialverhalten und Zielstrebigkeit hätte ich vermutlich nicht in dem hohen Maße, wenn ich kein Leistungssportler gewesen wäre“, blickt Till-Willi Steyer nicht im Zorn zurück. (Gerd Brehm)

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