Ab Samstag wieder Freundschaftsspiele

Kreisschiedsrichterobmann Dieter Matheiowetz im Interview: Kommunikation ist das A und O.

Sie dürfen wieder: Kreisschiedsrichterobmann Dieter Matheiowetz (hier links mit seinen Söhnen Michael und Florian) kann wie 152 heimische Unparteiische ab heute wieder ins Trikot schlüpfen und Spiele leiten.
+
Sie dürfen wieder: Kreisschiedsrichterobmann Dieter Matheiowetz (hier links mit seinen Söhnen Michael und Florian) kann wie 152 heimische Unparteiische ab heute wieder ins Trikot schlüpfen und Spiele leiten.

Es herrscht wieder Leben auf den hessischen Fußballplätzen. Freundschaftsspiele sind erlaubt und somit auch Schiedsrichter im Einsatz. Dazu ein Interview mit Dieter Matheiowetz, dem neuen Kreisschiedsrichterobmann (KSO) des Schwalm-Eder-Kreises.

Neuenbrunslar - Endlich. In Hessen darf wieder Fußball gespielt werden, die Schiedsrichter können ebenfalls wieder ihrem Hobby nachgehen. Folglich steht Dieter Matheiowetz vermehrt in der Pflicht, der am 14. Februar in einer Stichwahl, der ersten im Schwalm-Eder-Kreis, als Kreisschiedsrichterobmann (KSO) und Nachfolger Volker Römers gewählt wurde.

Dieter Matheiowetz , wie groß ist die Freude, dass die Fußballer ab heute wieder nach Ihrer Pfeife tanzen?

Die Freude ist natürlich riesig. Die meisten Kameraden sind schon richtig heiß, endlich wieder unserem geliebten Hobby nachgehen zu können. Jeder braucht Einsätze zur Routine, ehe die Serie losgeht. Ich selbst halte mich aber erst mal zurück und werde als Schiedsrichter wohl erst bei der Jugend einsteigen.

Was haben Sie als KSO ohne Fußball gemacht?

Ich war viel im Garten und bin Fahrrad gefahren. Im Haus ist zudem immer etwas zu tun. Natürlich hat der Fußball gefehlt, aber die Bundesliga-Spiele im Fernsehen taten schonmal gut, sodass wir ja nicht komplett verzichten mussten.

Wie haben Sie die heimischen Unparteiischen bei Laune gehalten?

Wir haben alle so oft es ging mit Mails versorgt, damit alle auf dem jeweils aktuellen Stand sind. Dazu viele Telefonate. Auch eine Sitzung haben wir abgehalten. Natürlich online. 45 Unparteiische nahmen daran von Zuhause durch ihre Webcams teil. So konnten wir die Regeländerungen mitteilen. Das war besser als nichts und hat zu guten Rückmeldungen geführt.

Sind denn alle Schiedsrichter an Bord geblieben?

Drei Abmeldungen hatten wir, aber das ist eine ganz normale Fluktuation und losgelöst von Corona zu sehen. Da wir Stand jetzt noch 13 neue Schiedsrichter in diesem Jahr ausbilden können, sollte unsere Jahresbilanz sogar positiv ausfallen.

Einige Kreisliga-Spiele mussten bereits ohne Schiedsrichter gepfiffen werden. Wie ist diese Entwicklung zu stoppen?

Mit Blick auf die Jahresbilanz bin ich nicht pessimistisch. Wir stehen sicher besser da als vor drei, vier Jahren, als es größere Probleme gab, Spiele ordentlich zu besetzen. Gerade, weil die B-Ligen immer kleiner werden, ist das machbar. Auch wenn wir sonntags flexibel sein müssen. Bezahlt macht sich die moderne Kommunikation wie WhatsApp. Wir verlieren keine Zeit mit Telefonaten, sondern können spontan mehrere Kameraden anfragen.

Abstand ist weiterhin das Gebot der Stunde. Wie groß ist die Hoffnung, dass Spieler künftig mehr Abstand wahren und Entscheidungen besser akzeptieren?

Da ist die Hoffnung nicht all zu groß. Wir können nicht wissen, ob die Spieler entspannter reagieren oder nach der Pause noch verbissener werden.

Haben Sie eine Erklärung, warum besonders auf Kreisebene Fußballer, die Fehler machen, maximal belächelt werden und Schiedsrichter, die nur eine geringe Aufwandsentschädigung bekommen, sich permanent beleidigen lassen müssen – selbst bei nachweislich richtigen Entscheidungen?

Das ist eine gute Frage. Mitunter liegt es an der Unkenntnis der Regeln unter den Zuschauern. Was sehr schade ist. Oftmals wird vor allem das Abseits grundlos kritisiert. Umgekehrt wird einem Kreisliga-Stürmer leichter von den eigenen Fans verziehen, wenn er das leere Tor nicht trifft.

Wie groß ist Angst um Ihre Person oder Ihre Söhne, die ebenfalls pfeifen, während der Spielleitungen in Anbetracht der bundesweit zunehmenden Angriffe?

Ich habe keine Angst und meine Jungs auch nicht. In Frankfurt oder in Kassel auf den Waldauer Wiesen zum Beispiel ist mehr los. Grundsätzlich sind wir hier im Kreis gut dabei.

Mit welcher Motivation sollte man Schiedsrichter werden?

Spaß am Fußball. Aber in dem Wissen, dass man als Schiri ein Einzellkämpfer ist. Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein stehen ganz oben auf der Liste, um sich behaupten zu können. Für junge Unparteiische kann es motivierend sein, sich ein kleines Taschengeld dazuzuverdienen.

Und was gibt es einem für den weiteren Lebensweg?

Da man Richter und Schlichter in einer Person ist, lernt man, sich in Konfliktsituationen zu behaupten und Menschen zu führen. Kommunikation ist das A und O. Ein guter Schiedsrichter macht mehr über Reden als mit Karten. Wer nicht mit den Spielern redet, hat ein Problem.

Sie sind durch eine Stichwahl knapp gegen Volker Römer zu Ihrem Posten gekommen. Was wollen Sie anders machen als er?

In erster Linie verstehe ich uns mit dem gesamten Ausschuss als ein Team. Ich wäre von mir aus auch nicht auf die Idee gekommen, zu kandidieren. Aber meine jetzigen Kollegen baten mich darum. Zudem liegt mir das Verhältnis zu den Vereinen am Herzen. Es gibt Vereinigungen, die sprechen im ganzen Jahr keinerlei Sanktionen aus. Wäre schön, wenn wir auch dahinkommen.

Und wie können Sie die Zusammenarbeit mit den Vereinen verbessern?

Wir sprechen sie direkt an. Wenn etwa ein Schiedsrichter unentschuldigt bei den Sitzungen fehlt oder vermehrt Spiele zurückgibt, fragen wir nach, was los ist. Geldstrafen sind vermeidbar. Zudem helfen wir aktuell bei den Hygienevorgaben. Nur wenn die erfüllt werden, setzen wir Unparteiische an.

Im Profibereich steht neben dem Videobeweis das Handspiel besonders im Fokus. Wie handhaben Sie es an der Basis?

Ich fand es immer schon furchtbar, wenn Spieler bestraft werden, die sich wegdrehen und aus kurzer Distanz angeschossen werden. Wie sollen die das verhindern? Ich sage den Spielern dann immer, dass wir hier nicht in der Bundesliga sind. Wir pfeifen das, was wir sehen und was die Leute verstehen. Hand ist übrigens auch nicht mehr an der Schulter, sondern bei kurzen Trikots da, wo die Ärmel enden. Ist im Vorfeld bei einem erzielten Tor die Hand im Spiel, müssen wir den Treffer indes aberkennen.

Gibt es eine Regel, die Sie mit Blick auf den Amateurbereich ändern würden?

Die Zeitstrafe würde ich definitiv wieder einführen. Das soll auch auf dem nächsten richtigen Verbandstag wieder thematisiert werden. Es ist eine tolle Sache, wenn es noch keine Rote Karte ist, aber zwei Spieler zum Beispiel mal eine Abkühlung brauchen. Die schickt man dann einfach raus und es ist Ruhe auf dem Platz. (Sebastian Schmidt)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.