A-Jugend-Bundesliga:

Lion Semic aus Edermünde reift beim BVB wie Youssoufa Moukoko und Ansgar Knauff

Ausgelassene Torfreude: Lion Semic (Mitte) jubelt beim Testspiel mit der U 19 Borussia Dortmunds über einen Treffer des Bundesliga-Nachwuchses gegen Kickers Offenbach.
+
Ausgelassene Torfreude: Lion Semic (Mitte) jubelt beim Testspiel mit der U 19 Borussia Dortmunds über einen Treffer des Bundesliga-Nachwuchses gegen Kickers Offenbach.

Die so furchtbar lange fußballlose Zeit schadet – so eine weit verbreitete Annahme – vor allem den 17- und 18-jährigen, die auf dem Sprung in das Profilager sind. Manche Beobachter gehen davon aus, dass die lange Pause den in diesem Alter so dringend benötigten Leistungsschub bremst.

Dortmund/Darmstadt – Umso bemerkenswerter ist die Gelassenheit von Lion Semic und Johann Klein. Die beiden 17-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis haben noch ein bisschen Zeit, denn der Übergang in den Profibereich soll nicht vor dem 1. Juli 2022 erfolgen. „Die Spieler des Jahrgangs 2002 haben die größeren Probleme, denn sie können sich derzeit kaum präsentieren“, sagt Semic, der in Gudensberg aufgewachsen ist und seit fast vier Jahren für Borussia Dortmund spielt. Der Rechtsverteidiger hofft, dass die kommende Saison – seine letzte im Jugendbereich – wieder ganz normal verläuft.

Johann Klein spielt bei Darmstadt 98

So sieht es auch Johann Klein. Der Schwälmer, der im Neukirchener Stadtteil Riebelsdorf aufgewachsen ist, spielt in der U 19 des Südwest-Bundesligisten Darmstadt 98 auf der rechten Außenbahn. „Zwar entwickelt man sich in Pflichtspielen schneller, aber es ist ja nicht so, dass die aktuelle Phase für uns eine verlorene Zeit ist“, sagt Klein. Das Training läuft wie in Prä-Corona-Zeiten ab, und auch Testspiele stehen auf dem Programm.

Darüber hinaus ähnelt das Drumherum dem „normalen“ Alltag. Auf der Tribüne sitzen die Scouts und Johann Klein hätte nichts dagegen, wenn er eines Tages von einem Spielerbeobachter des SC Freiburg entdeckt würde. „Der SC ist mein Lieblingsverein, aber es wäre natürlich auch schön, wenn ein noch größerer Klub an mir interessiert wäre. Allerdings ist es durchaus möglich, dass ich über den 30. Juni 2022 hinaus bei Darmstadt 98 bleiben werde“, sagt Klein.

Lion Semic plagt eine Muskelverletzung

Lion Semic hat unterdessen mehr mit einer Muskelverletzung an der Hüfte zu kämpfen als mit dem Virus. „Derzeit muss ich mich in der Reha quälen“, erzählt der 19-fache Junioren-Nationalspieler, der am liebsten Profi bei der Borussia werden möchte. Das Ziel ist eher ein Plan als ein Traum, denn der Rechtsverteidiger darf beim Top-Talente-Training des Dortmunder Co-Trainers der Profis, Otto Addo, mitmachen.

Und die Situation bei den Borussen hilft womöglich Spielern wie ihm. Die Pandemie und der Tabellenstand, der eine erneute Qualifikation für die Champions League unwahrscheinlich macht, könnten die Dortmunder zwingen, verstärkt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Mit Torjäger Youssoufa Moukoko und dem jüngsten Senkrechtstarter Ansgar Knauff spielte Semic noch Ende Oktober 2020 beim 6:0 gegen RW Essen zusammen für die A-Jugend. Zudem werden Verpflichtungen von Supertalenten wie Jude Bellingham (Birmingham City) erschwert. Noch ein Grund für Lion Semic, seinen Lieblingssatz zu sagen: „Ich werde weiterhin Gas geben.“

Abitur wollen beide machen

Was Semic unterdessen am meisten vermisst, sind die Spektakel vor großer Kulisse. Umso mehr gefällt ihm der Rückblick auf den 28. Mai 2019. „Damals haben wir vor 21 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion mit der U 16 gegen Frankreich 3:0 gewonnen“, erzählt der Wahl-Dortmunder, der im vergangenen Jahr für die U 17-EM in Estland nominiert war. Dann aber ließ das Virus die Austragung des Turniers nicht zu.

Nun setzt der überwiegend beim KSV Baunatal ausgebildete Spieler darauf, dass im kommenden Jahr die U 19-EM stattfindet. Anschließend möchte er Profi werden, obwohl die Saison 2022/23 zu einem echten Härtetest würde. „Das Abitur will ich dann trotzdem machen“, sagt der Edermünder.

Auch Johann Klein will nicht ausschließlich auf Fußball setzen. „Nach dem Fachabitur werde ich sicherlich zweigleisig fahren“, sagt der Schwälmer, der das Kicken beim SC Neukirchen gelernt hat. (Gerd Brehm)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.