Dreijahreswertung fairste Lösung?

Nur SG 09 Kirchhof für Oberliga der weiblichen Jugend A qualifiziert

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Geht mit der mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen in der B-Jugend-Oberliga an den Start: Thorge Lutze (am Ball).

Es ist entschieden: Der Hessische Handball Verband (HHV) hat die Qualifikation der Jugendhandballer und -ballerinnen für die Ober- und Landesligen in der Saison 2020/21 abgesagt.

Stattdessen werden die Startplätze anhand von Dreijahres-Ranglisten des HHV an die sieben Bezirke und deren Vereine vergeben. Zudem wurden die jeweiligen Staffelstärken von acht oder zehn auf zwölf Mannschaften aufgestockt. Bei den C-Jugendlichen gibt es statt der bisherigen Achtergruppen nun zwei Zehnergruppen. Trotzdem gibt es bei dieser Lösung auch Verlierer. Allen voran die neugegründete weibliche A-Jugend des SV Germania Fritzlar, die in der Oberliga an den Start gehen sollte, aufgrund der Dreijahreswertung als neue Mannschaft aber keine Chance hat, sich dafür zu qualifizieren.

Die Situation

Durch die Absage der Qualifikationen aufgrund der Corona-Pandemie fehlen die sportlichen Entscheidungen über Meisterschaften sowie Ab- und Aufstiege. Trotzdem müssen die Spielpläne erstellt, Hallentermine festgelegt werden. Unter Berücksichtigung der Vereine aus den benachbarten Bundesländern Bayern und Rheinland-Pfalz, die in Hessen spielen und deren Sommerferien drei Wochen später enden.

Deswegen mussten die Bezirke bereits jetzt ihre Teams für die Landes- und Oberligen an den HHV melden. Auch weil der Verband hofft, dass der Spielbetrieb schon ab 12./13. September wieder aufgenommen werden kann. „Klappt das nicht, sieht unser Plan B eine normale Saison ab Ende Oktober nach den Herbstferien vor mit einer Verlängerung in den Frühsommer. Plan C greift bei einem Start erst im Januar. Dann würden alle Staffeln in zwei Gruppen aufgeteilt, um die Anzahl an Spieltagen zu reduzieren“, erläutert HHV-Vizepräsident Gerhardt.

Das Problem

Ohne Abschlusstabelle mussten die Mannschaften, die in den oberen Spielklassen an den Start gehen, folgerichtig nach anderen Kriterien benannt werden. Deshalb hat der HHV die zu vergebenden Zahl der Plätze anhand einer Dreijahreswertung festgelegt, die es durch die Bezirke zu besetzen galt. „Wir haben uns alle drei Spielzeiten der Mannschaften und Altersklassen angesehen und diese miteinander verglichen. Dabei wurden unter anderem auch die Klassenzugehörigkeit sowie das Abschneiden in den Jahren 2017/18 bis 2019/20 mit eingerechnet“, erklärte Uwe Dunkelmann Vorsitzender des Spielbezirks Melsungen-Hersfeld. Dennoch werden auch dabei Aspekte wie Spielerwechsel nicht berücksichtigt. „Es ist natürlich nicht mit der sportlichen Entscheidung aus dem Wettkampf zu vergleichen. Trotzdem ist es die fairste Methode, die zudem auch die gute Jugendarbeit der Vereine mit einbezieht“, erklärt Martin Denk.

Auf der Strecke bleiben Vereine wie Fritzlar, die erst vor der laufenden Saison ihre Jugendarbeit intensiviert haben, was Kai Gerhardt durchaus bewusst ist: „Jede andere Entscheidung als eine sportliche kann nicht zu 100 Prozent ausgewogen sein. Deshalb schmerzt uns die Enttäuschung jedes einzelnen Spielers und Vereins. Aber wir mussten so handeln.“

Die Teams

Zehn Mannschaften aus dem heimischen Bezirk haben sich für die Jugendober- bzw. Landesliga qualifiziert. Bei der weiblichen A-Jugend tritt die SG 09 Kirchhof an. In der weiblichen B-Jugend hat der Bezirk keinen Oberliga-Platz zugewiesen bekommen. In der Landesliga gehen der TV Hersfeld und der SV Reichensachsen an den Start. Bei der C-Jugend ist die SG 09 Kirchhof und der TV Hersfeld ausgewählt (Oberliga).

Bei der männlichen A-Jugend tritt die HSG Großenlüder/Hainzell in Hessens höchster Spielklasse an. In der B-Jugend bekommt die bereits qualifizierte mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen den Oberligaplatz. Die JSG Dreiburgenstadt Felsberg darf in der Landesliga antreten. Bei der C-Jugend ist erneut die mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen sowie die JSG Ost-/Mosheim/Malsfeld in der Oberliga dabei.

Der Spezialfall

Für die frisch zusammen gesetzte A-Jugend der SV Germania Fritzlar und ihren neuen Trainer Harald Birk ist die Dreijahres-Wertung des Hessischen Handball-Verbandes (HHV) als Qualifikationsinstrument die wohl schlechteste Variante, macht sie doch den anvisierten Start des Teams unmöglich. „Es ist super ärgerlich nach all den Anstrengungen, die wir unternommen haben, um endlich wieder hochklassigen Jugendhandball in Fritzlar zeigen zu können“, sagte SVG-Abteilungsleiter Steffen Schmude, dem die Mädchen, die für diese Chance auf höherklassigen Handball extra den Verein gewechselt haben, besonders leidtun.

Dennoch kann der Germania-Verantwortliche die Entscheidung des HHV verstehen: „Es so zu handhaben ist vollkommen alternativlos, denn eine Qualifikation ist zeitlich und unter den gegeben Umständen nicht durchzuführen.“ Trotzdem bedauern die Domstädterinnen die fehlende Möglichkeit, sich überhaupt qualifizieren zu können. Zwar wäre es nicht sicher gewesen, dass die Mannschaft die Quali geschafft hätte, „ dennoch tut es weh es nicht einmal versucht zu können.“

Um ihr einen etwas anspruchsvolleren Anreiz zu bieten, hat Schmude immerhin einen Alternativvorschlag parat: Zwei übergreifende Ligen zusammen mit dem Bezirk Kassel. Zum einen eine bezirksübergreifende Bezirksoberliga mit den jeweils stärksten Teams, zum andern eine bezirksübergreifende Bezirksliga für die restlichen Mannschaften. „So wäre immerhin eine höhere Leistungsdichte gegeben und es wäre eine Entscheidung im Sinne des Handballs“, erklärt Schmude.

Zur Realisierung dieser Option müssten sowohl die beiden Bezirke wie auch die beteiligten Teams diesem Mehraufwand zustimmen. Immerhin ein kleiner Trost dafür, dass die Oberliga für die A-Jugend des Drittliga-Meisters noch tabu ist.

Von Moritz Minhöfer

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