Schiessen

Einmalige Umlage für Mitglieder der heimischen Schützenvereine ist wohl nur verschoben

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Der Hessische Schützenverband möchte die heimischen Schützinnen und Schützen mit einer Umlage zur Kasse bitten, um die Modernisierung des Landesleistungszentrums zu finanzieren. Dieses Vorgehen ist an der Basis höchst umstritten.

Eigentlich wollte der Hessische Schützenverband (HSV) seine Satzung ändern. Damit sollte auf dem 69. Hessischen Schützentag in Bad Sooden-Allendorf der Weg für eine Umlage frei gemacht werden: Einmalig 4,50 Euro pro Mitglied der knapp 11000 Vereine im nächsten Jahr. Das Geld war für eine Modernisierung im Landesleistungszentrum (LLZ) in Frankfurt vorgesehen: die Ausstattung der großen Sporthalle mit 60 elektronischen Ständen für das Schießen mit Luftgewehr und Luftpistole.

Doch daraus wurde nichts. Der Verbandstag in Bad Sooden-Allendorf (Werra-Meißner-Kreis), bei dem die Entscheidung fallen sollte, musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt und verschoben werden. Die Begründung lieferte Präsidentin Frank (Baunatal): „Auch wir leisten unseren Beitrag, das Ausbreiten des Virus einzudämmen.“ Zeitgleich hatte der Werra-Meißner-Kreis die Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern gestoppt.

Damit bleiben die Schützenvereine in Hessen mit ihren 97000 Mitgliedern vorerst von der zusätzlichen Finanzlast verschont. Doch die Satzungsänderung und die Umlage sind damit nicht vom Tisch. „Der verschobenen Hessischen Schützentag soll auf jeden Fall noch in diesem Jahr nachgeholt werden“, kündigte Tanja Frank, die an der Umlage festhalten will.

Dem steht derzeit das Verbot von Großveranstaltungen gegenüber. Was damit konkret gemeint sei bzw. wie viele Personen auf welcher Raumgröße zugelassen würden, will die Präsidentin so schnell wie möglich heraus finden. Es gilt mindestens 291 Delegierte unterzubringen.

Haushaltsplan bereits beschlossen

Um den laufenden Geschäftsbetrieb des HSV zu gewährleisten, sei der Haushaltsplan für das aktuelle Jahr in Höhe von 2,6 Millionen Euro von den Delegierten in einem Umlaufverfahren beschlossen worden. Das berichtete Vizepräsident Thomas Scholl (Rhünda), Bezirksschützenmeister im heimischen Schützenbezirk Schwalm-Eder ist. Dieses Verfahren, bei dem jeder Delegierte einzeln abgefragt wurde, ist nach seinen Worten bei den übrigen Entscheidungen nicht anwendbar. Die Satzungsänderung und die Umlage müssten die Delegierten vor Ort beschließen.

Scholl ist zuversichtlich, dass dies mit großer Mehrheit geschieht. Schließlich würden auch viele heimischen Schützen bei den Landesmeisterschaften die Anlagen im LLZ nutzen. Umso sinnvoller sei es, wenn diese Sportstätten auf dem neuesten Stand der Technik seien. Zumal sich immer mehr Schützenvereine die elektronischen Anlagen anschaffen würden. „Vereine können mit Rückzahlungen rechnen, wenn die Umlage nicht ganz verbraucht wird“, versicherte Scholl. Der HSV hofft zudem auf Landeszuschüsse.

Gar nicht begeistert von solchen Plänen ist Holger Schwab. „Die Vereinen sind selbst auf Förderungen und Zuschüsse angewiesen“, begründete der Vorsitzende des SV Schrecksbach seine Skepsis. Für seinen Verein könne eine Umlage sehr schwer werden, weil eine Sanierung der eigenen Sportstätten durch behördliche Auflagen notwendig ist. Schon dafür fehle das Geld.

„Durchaus sinnvoll“ findet Günter Hempel, Vorsitzender des SV Gudensberg, den Einbau der elektronischen Anlagen im LLZ: „Da kann sich jeder Schütze bei den Landestitelkämpfen schon einmal mit den Bedingungen vertraut machen, die er später bei den Deutschen Meisterschaften vorfindet.“ Die Erfahrung habe er als Schnellfeuerschütze selbst gemacht.

Für die 25m--Pistolendisziplinen gibt es schon elektronische Stände in Frankfurt. Nur mit einer Umlage zur Finanzierung der 60 elektronischen Zehn-Meter-Stände kann sich er nicht anfreunden. Gerade vor dem Hintergrund der wegbrechenden Einnahmen durch die Corona-Pandemie und der Beitragssituation seien zusätzliche finanziellen Belastungen für seinen Verein sehr problematisch.

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