Die Eintracht hatte zwei Jahre lang keine Fußballmannschaft und steht nun auf Platz eins, wie ist das möglich?

Das Singliser Fußballwunder

Sturmtank gegen Mittelfeldstrategen: Patrick Wetzel (links, 23 Saisontore) gegen Denny Ziegner (hinten, 13 Tore) und Marc Schmauch (5 Tore). 3 Fotos: Kasiewicz

Singlis. An der Decke vom Singliser Vereinsheim hängt noch ein leicht vergilbtes Plakat, das auf die bereits zehn Jahre zurückliegende 60-Jahr-Feier und den „Tanz mit Coliboys“ verweist. Ein Hauch von Nostalgie. Doch der Eindruck täuscht. Bei Eintracht Singlis entsteht wieder was.

Rückblende: Vor zweieinhalb Jahren musste der Verein seine Fußballmannschaft vom Spielbetrieb zurückziehen. Kein Spieler war mehr da. Ein harter Schlag für das Dorf mit seinen etwa 800 Einwohnern. Bis Christian Voigt (31) aus Obermelsungen zurückkehrte. „Ein absoluter Glücksgriff“, sagt Singlis-Vorsitzender Rudi Hennek über den Trainer der ersten Mannschaft. Mit dem Übungsleiter kamen zahlreiche Singliser Eigengewächse wieder zurück zu ihrem Heimatverein. Seit dieser Saison spielt der Verein wieder im normalen Spielbetrieb mit. Und wie! Eintracht Singlis siegt sich nach oben. Nach 13 Spielen steht der Klub mit 61 geschossenen Toren auf Platz eins in der Kreisliga B und nimmt unaufhaltsam Kurs in Richtung Kreisliga A. „Den Aufstieg wollen wir schaffen, das ist ganz klar“, sagt Hennek. Wichtiger sei es aber noch, für die nächste Saison eine zweite Mannschaft zu melden. Denn derzeit umfasst der Kader 32 Spieler.

Patrick Wetzel (23) war beim Zusammenbruch vor zwei Jahren noch dabei: „Das gab damals einen Schneeballeffekt. Einer verließ den Verein und andere sind gefolgt. Am Ende gab es keine Mannschaft mehr.“ Jetzt spielt Wetzel wieder in Singlis. 13 Spiele, 23 Tore lautet seine persönliche Bilanz. Nur sein Saisonziel hat er damit verfehlt. „Ich wollte 20 Tore schießen“, sagt er und grinst. Sein Trainer ergänzt schnell mit einem noch breiteren Grinsen auf dem Gesicht: „Er ist unser dickster und erfolgreichster Spieler.“

Überhaupt hat Voigt eine erfolgreiche und ehrgeizige Mannschaft zur Verfügung. In der Vorbereitung bat Voigt viermal in der Woche zum Training, in der Kreisliga B, der untersten Fußballliga. „Das ist natürlich schon ungewöhnlich für diese Klasse“, sagt Voigt. Doch seine Mannschaft zieht mit, hat das große Ziel, den Aufstieg vor Augen. Mittelfeldmann Marc Schmauch (27) wechselte aus der Kreisoberliga nach Singlis. Er kam erst auf den letzten Drücker, am letzten Tag der Transferfrist von der SG Ohetal/Frielendorf: „Ich war ziemlich skeptisch, ob der Neuaufbau hier funktioniert.“ Er will schnell wieder nach oben. „Die B-Liga ist jetzt nicht so anspruchsvoll. Beispielsweise habe ich, wenn ich den Ball habe, unendlich viel Zeit etwas zu machen.“

Mittelfeldmotor Denny Ziegner (22) lobt den großen Zusammenhalt im Team: „Hier kennt jeder jeden.“ Für die Spieler gibt es in Singlis kein Geld, was auch so bleiben soll, wenn es nach Voigt geht: „In einem gut geführten Verein braucht man im Amateurbereich den Spielern kein Geld zu zahlen. Davon bin ich überzeugt.“ Im Team steht mit Sebastian Koch (36) auch ein Ex-Regionalligaspieler. Er kickte früher für den SC Neukirchen.

Die Eintracht aus Singlis hat aktuell 191 Mitglieder, verteilt auf die Fußballabteilung, die Zumba- und Damengymnastikgruppe. Das ganze Dorf steht hinter der Fußballmannschaft. Der Zuschauerschnitt ist der höchste in der Liga. Außerdem werden Auswärtsspiele automatisch zu Heimspiele. „Wir treiben den Zuschauerschnitt auf den anderen Plätzen in die Höhe“, sagt Hennek.

Wenn es mit dieser Erfolgsgeschichte weitergeht, könnte am Ende der Entwicklung vielleicht sogar einmal die Kreisoberliga stehen, in der Singlis zuletzt 1972 für eine Saison lang spielte. Dann ist es auch an der Zeit für neue Plakate und Mannschaftsbilder im Vereinsheim zu sorgen. • Unsere Redaktion wird den Aufstiegskampf in die Kreisliga A von Eintracht Singlis über die Saison mit einer wöchentlichen Rubrik begleiten.

Von Daniel Schneider

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