Zweite Karriere könnte zu Olympia führen

Spektakulärer Sportartwechsel: Hammerwerfen macht die Ex-Treysaerin Anna Arlt nicht mehr

Als Hammerwerferin: Anna Arlt 2013 im Treysaer Trikot.
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Als Hammerwerferin: Anna Arlt 2013 im Treysaer Trikot.

Sie war eine begnadete Hammerwerferin. Doch Anna Arlt hat die Sportart gewechselt. Jetzt ist die frühere Treysaerin als Anschieberin im Bob erfolgreich.

Treysa/München – Wer in einer Kasseler Klinik geboren wird und in dem Lohfeldener Ortsteil Vollmarshausen aufwächst, hat – statistisch gesehen – nur sehr geringe Chancen, bei Olympischen Winterspielen an den Start gehen zu dürfen. Die Ausnahme heißt Anna Arlt. Die war in ihrem früheren Leben eine erfolgreiche Hammerwerferin des ESV Jahn Treysa und zählt nun zu den schnellsten Anschieberinnen, die im Kader des BSD (Bob- und Schlittenverband für Deutschland) zu finden sind.

„Für die kommende Saison strebe ich einen Startplatz im Europacup an. Wenn ich es ein Jahr später in den Weltcup schaffe, dann sind die Spiele in Peking keine Utopie“, sagt Arlt. Die 27-Jährige, die in der Nähe von München lebt, war von 2010 bis 2013 als Hammerwerferin beim ESV Jahn Treysa aktiv und feierte in dessen Trikot zahlreiche Erfolge. Ganz oben steht der Titel Süddeutsche Meisterin 2011. Aber auch der fünfte Platz im gleichen Jahr bei der DM in Jena sowie etliche Hessenmeisterschaften können sich sehen lassen.

Bronze bei der EM 2011 im Rasenkraftsport

Und dann war da ja auch noch der Rasenkraftsport mit seinem Dreikampf (Hammerwerfen, Gewichtwerfen, Steinstoßen), der Arlt bei der EM 2011 eine Bronzemedaille einbrachte. Allesamt Glanzleistungen, die im Vollmarshäuser Turnverein ihren Ursprung hatten. „Für das Turnen wurde ich bald zu groß, und da passte es gut, dass ich Freundinnen hatte, die schon als Leichtathletinnen aktiv waren“, erklärt sie ihren frühen Wechsel zum FSK Lohfelden. Die nächste Station hieß LAV Kassel, für den die damals 15-Jährige im Siebenkampf an den Start ging, ehe das Hammerwerfen zu ihrer Spezialdisziplin wurde.

Hier geht die Post ab: Anschieberin Anna Arlt (hinten) im Bob mit Laura Nolte.

Im Leben neben dem Hammerwerfen startete Anna Arlt 2012 an der Technischen Universität München in das Studium der Sportwissenschaften und wechselte ein Jahr später auch den Verein. Im Trikot der LG Stadtwerke München schaffte die Nordhessin mit 58,48 m ihren persönlichen Rekord, wurde nochmal Süddeutsche Meisterin und holte sich mehrere Bayrische Meisterschaften.

Rückenprobleme beendete Karriere als Hammerwerferin

Trotzdem war 2018 Schluss mit dem Hammerwerfen. „Rückenprobleme und die fehlende internationale Perspektive haben zu dieser Entscheidung geführt“, sagt Arlt. Doch der Übergang von der Leichtathletik zum Bobsport war nahtlos. „Die Bobfahrer holen sich gern Leichtathleten als Anschieber. Ich habe mich gemeldet und hatte gleich viel Spaß an meinem neuen Sport“, erzählt die 27-Jährige, die noch nicht weiß, mit wem sie in der kommenden Saison im Bob sitzen wird. Es gibt Tests. Und dann dürfen sich die besten Pilotinnen die schnellsten Anschieberinnen aussuchen.

Auch abseits des Eiskanals gibt es genug zu tun. „Diagnostik und Prävention im Frauen-Skisprung“ heißt das Thema mit dem Anna Arlt promovieren möchte. Und einen Vorgeschmack auf die Atmosphäre bei Olympia bekommt sie womöglich von ihrem Lebensgefährten. Christian Zimmermann ist Deutschlands zweitbester Kugelstoßer und macht sich berechtigte Hoffnungen auf einen Start bei den Sommerspielen, die 2021 in Tokio stattfinden werden. (Gerd Brehm)

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