Spangenberger Torwarttalent wechselt auf das Fußballinternat von Energie Cottbus

Tauscht seinen Lieblingsplatz gegen das Cottbuser Tor ein: Der 15-jährige Luca Graf wechselt zum früheren Verein von Kult-Torwart Tomislav Piplica. Foto: Kasiewicz

Spangenberg. Müller, Möhrle, Mattuschka und Kleindienst. Das sind nicht etwa Namen aus dem Lehrerkollegium der Burgsitzschule in Spangenberg, sondern Spieler von Energie Cottbus.

Wer diese Aufstellung der Drittliga-Mannschaft runterbeten kann? Der Spangenberger Luca Graf. Er wird in der nächsten Saison auch für die Lausitzer spielen. In der B-Jugendmannschaft des Fußballinternats.

Fußball hat etwas mit Können und Talent zu tun – doch Glück gehört auch dazu. Eigentlich hatten die Cottbuser Scouts beim C-Jugend-Hessenligaspiel zwischen Offenbach und dem KSV Baunatal ganz andere Spieler auf ihrem Zettel. Doch es war der 15-jährige Torhüter Graf, der ihre Aufmerksamkeit erregte. „Wir bekamen einen Anruf aus Cottbus mit dem Angebot, ein Probetraining zu absolvieren“, erinnert sich Vater Mirko Graf (43).

Sein Filius war dort erst aufgeregt, dann konzentriert und hatte am Ende einen der begehrten Internatsplätze in der Tasche. In zwei Wochen zieht er nach Cottbus, teilt dort mit Piet Lubitz (kommt aus Brandenburg) ein Internatszimmer. Sein Vorbild ist Manuel Neuer. Was der für die Bayern darstellt, war Tomislav Piplica jahrelang für Cottbus. Der Bosnier stand bei 248 Spielen im Tor, darunter 117 Mal in der Bundesliga. Nun hat Luca Graf die Möglichkeit, in dessen Fußstapfen zu treten.

Eigentlich wäre der gebürtige Kasseler bei Bundesligist Mainz gelandet, dort gab es aber keinen freien Internatsplatz mehr. „Da hätte ich mehrmals pro Woche bis nach Mainz zum Training fahren müssen“, sagt der 1,81 Meter große Torwart. Bislang fuhr ihn sein Vater immer zum Training nach Baunatal und zum Stützpunkt nach Borken. Das fällt jetzt alles weg. „In Cottbus bin ich innerhalb von einer Minute beim Trainingsgelände“, frohlockt Graf.

Der Faktor Glück spielte auch zu Beginn seiner Karriere eine große Rolle: In der F-Jugend war Graf noch Torschützenkönig bei seinem Verein, stellte sich dann aber bei einem Spiel ins Tor und zeigte dort sein noch größeres Talent.

Graf weiß sehr wohl um die große Chance in Cottbus, geht diese aber mit viel Demut an. Sicherlich wird es schwer, sich in Cottbus durchzusetzen. Er trifft auf starke Torhüter, die um einen Platz in der B-Jugend-Regionalliga-Mannschaft kämpfen. Aber Graf verfügt mit seinen 15 Jahren bereits über einen erstaunlichen sportlichen Ehrgeiz. „Ich will immer spielen“, sagt er. Ein gutes Verhältnis zu seinen Kontrahenten sei ihm aber trotzdem wichtig, fügt er noch an. Seine Ambitionen, immer so hochklassig wie es geht zu spielen, trieb ihn auch nach Baunatal. Dabei wechselte der Schalke-Fan vom TSV Spangenberg 2013 zur JSG Melsungen, nur um sich im Winter dem Hessenligisten aus Baunatal anzuschließen. Dafür nahm er eine halbjährige Sperre in Kauf.

Der Umzug nach Cottbus bedeutet eine gravierende Veränderung. Sicher: Die Bedingungen beim früheren Erstligisten sind top, die Schule hat einen exzellenten Ruf, es gibt Nachhilfe bei Bedarf und solche großartigen Trainingsmöglichkeiten gibt es in Nordhessen einfach nicht. Trotzdem muss er dafür seine Freunde, seine Familie, sein altes Leben zurücklassen – alles für den Traum, es eventuell in den Profibereich zu schaffen.

Einen Vertrag hat er zwar nicht, allerdings planen die Cottbuser Verantwortlichen langfristig mit dem 15-Jährigen. Denn auch in Cottbus wird mittlerweile viel Wert auf den eigenen Nachwuchs gelegt. An die Akademie kommt aber nur, wer gute Schulnoten vorweisen kann. Bei schlechten Schulleistungen heißt es dort: Trainingsverbot. Und das wäre für den ehrgeizigen Luca Graf die Höchststrafe.

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