Interview

Stadtallendorfs Trainer Sicaja glaubt fest an den Klassenerhalt

Nun ist`s amtlich: Die Saison der Fußball-Hessenliga wird noch im Dezember fortgesetzt. Schlusslicht Stadtallendorf hat am Samstag (14 Uhr) den SSV Ulm zu Gast und danach eine englische Woche vor sich. Über die aktuelle Lage und die Perspektiven des Aufsteigers äußert sich Trainer Draan Sicja im HNA-Interview.

Er hat‘s noch mal gemacht. Ist nach 2017 und dem Abstieg 2019 erneut mit Eintracht Stadtallendorf in die Fußball-Regionalliga Südwest aufgestiegen. Dort ziert die Mannschaft von Dragan Sicaja allerdings nach zwölf Spielen das Tabellenende. Natürlich ist das für den 53-jährigen A-Lizenz-Inhaber und ehemaligen Schwalmstädter Spieler und Trainer keine Vorentscheidung.

Dragan Sicaja, Sie und der Verein gehören zu der Fraktion in der Regionalliga Südwest, die nach der Corona bedingten Unterbrechung im Dezember eigentlich nicht mehr spielen wollte. Warum?

Wir sind ein reiner Amateurverein d.h. alle Beteiligten gehen arbeiten oder studieren. Daher ist die Gefahr der Übertragung des Virus auf andere Menschen im Fall einer Ansteckung groß. Wir müssen da angesichts der konstant hohen Infektionszahlen auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung tragen.

Nun entschied die Liga, trotz dem aktuellen Lockdown, den Spielbetrieb im Dezember doch noch mal aufzunehmen. Was halten Sie davon? Ist die Mannschaft darauf vorbereitet?

Diese Entscheidung müssen wir akzeptieren, auch wenn sie uns nicht gefällt. Klar, wenn Fußballer trainieren, wollen sie auch spielen. Es gab Vereine, die weiter trainieren konnten. Wir haben ausgesetzt und erst knapp vor der Entscheidung das Training wieder aufgenommen. Das ist in den kommenden Spielen sicherlich kein Vorteil für uns.

Die Mannschaft geht als Tabellenletzter in die drei letzten Spiele des Jahres. Wie erklären Sie sich diesen Fehlstart?

Bei unseren beschränkten Mitteln muss alles optimal passen, damit wir eine Chance auf den Klassenerhalt haben. Genau das ist nicht passiert. Eine Woche vor Spielserie verlieren wir mit Kevin Vidakovics unseren Anführer, unseren Kapitän, meine verlängerter Arm auf dem Platz. Und Matthias Pape, mit dem wir fest gerechnet hatten, musste erneut operiert werden. Damit war unsere komplette Innenverteidigung weg. Dazu kamen dann noch der Ausfall von Felix Nolte, den einzigen Stürmer, den wir zu dem Zeitpunkt hatten, und Mirza Aral. Ohne vier Stammkräfte führen wir dann im ersten Spiel bei Schott Mainz mit 2:0, um am Ende mit 2:4 zu unterliegen. Vier Gegentore in einer Halbzeit wären uns mit der Stammelf nie passiert.

Überhaupt hat die Mannschaft viele enge Spiele verloren ...

Das war kein Zufall, denn diese Spielerpersönlichkeiten haben uns sehr gefehlt. Dazu kam nach dem dritten Spieltag ja auch noch der Ausfall von Torwart Olujic.

Nach dem ersten Aufstieg 2017 ist es Ihnen gelungen, aus Talenten unterklassiger Vereine der Region wie beispielsweise den ehemaligen Ohetaler Muhamet Arifi Regionalliga-Spieler zu machen. Ist diese Talentförderung nach dem zweiten Aufstieg in drei Jahren schwieriger geworden?

Muhamet Arifi konnte sich zwei Jahre in der Hessenliga-Mannschaft hervorragend entwickeln. Genau diese Zeit fehlt aktuell den jungen Spielern, die wir geholt haben. Und auch positive Ergebnisse, um ihren Lernprozess zu beschleunigen. Dazu kam bei Neuzugang Malcom Phillips noch besonderes Pech. Der 23-jährige Neuzugang war Stammspieler, ehe er acht Spiele verpasste, weil er in einem Gebäude wohnte, wo jemand positiv auf Corona getestet wurde.

Aus dem Schwalm-Eder-Kreis haben Sie Johannes Müller aus Wiera und Leon Lindenthal aus Schwalmstadt geholt, die beide erst ein Spiel gemacht haben. Warum?

Weil sie noch nicht so weit sind. Beides talentierte Spieler, die aber den letzten Schritt noch machen müssen.

Was heißt das?

Sich im Training und Spiel dauerhaft durchsetzen.

Der erst 18-jährige Ben-Luca Fischer aus Gilsa hat mit sieben Einsätzen besser eingeschlagen.

Klar, Ben-Luca ist da schon etwas weiter. Er hat einiges mitgebracht, seine Ausstrahlung und Ruhe am Ball, seine fußballerische Intelligenz, seine enorme Fitness und seinen großen Willen. All‘ das bringt er durchaus schon auf die Platte, auch wenn sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz beträgt für Stadtallendorf derzeit sieben Punkte. Wie groß ist diese Hypothek angesichts von 30 noch ausstehenden Spielen?

Wenn in den engen Spielen das Glück mal auf unserer Seite ist, lässt sich das durchaus aufholen. Das kann ganz schnell gehen. Die jungen Spieler werden aus ihren Fehlern lernen und sie in Zukunft vermeiden. Wir werden jedenfalls alles unternehmen, um diese Klasse zu halten, auch wenn das eine Riesenherausforderung ist.

Dragan Sicaja, sie leben und arbeiten in Schwalmstadt, ihr Sohn spielt beim 1. FC Schwalmstadt, sie selbst sind mit dem Club als Spielertrainer 2004 in die Hessenliga aufgestiegen. Wie erklären Sie sich den Niedergang Ihres Ex-Vereins, der mittlerweile zwei Klassen tiefer in der Gruppenliga spielt?

Schwalmstadt werde ich immer in guter Erinnerung behalten, die Erfahrung von zwei Aufstiegen mit dem Club kann mir keiner nehmen. Es tut mir im Herzen weh, dass diese Mannschaft mit einem durchaus vorhandenen Potenzial, das mindestens für die Verbandsliga reichen sollte, in der Gruppenliga spielt. Daher sehe ich die Probleme eher im Umfeld. Zuviel Leute haben sich in der Vergangenheit in Entscheidungen eingemischt, es fehlt an klaren Strukturen mit entsprechender Aufgabenverteilung.

Wie kommt der 1. FC Schwalmstadt, die einstige Lokomotive des Fußballs zwischen Stadtallendorf und Kassel, denn wieder nach oben?

Eben mit klaren Strukturen. Und mit einem Trainer, der Vertrauen genießt, aber auch die nötige Macht, um unabhängig arbeiten zu können.

Ist eine Rückkehr von Dragan Sicaja auf die FCS-Bank möglich?

Das ist aktuell überhaupt kein Thema. Ich bin ein treuer Kerl und häufig der letzte, der ein Schiff verlässt. Daher ist es für mich schwer vorstellbar, Stadtallendorf zu erlassen. Aber im Fußball darf man nie nie sagen.

Dragan Sicaja, der Trainer: Engagiert wie immer stellt der frühere Schwalmstädter hier seinen Abwehrmann Matthias Pape taktisch ein.

Rubriklistenbild: © Christian Hedler

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