So gehen Trainer mit der Ungewissheit um

Ungewissheit im Fußball wegen des Coronavirus: Das Warten auf den Tag X

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Schlägt mehr Doppelspieltage vor: Schwalmstadts Coach Atilla Güven.

Auch für die heimischen Fußballer sind es ungewisse Zeiten. Weil der Spiel- und Trainingsbetrieb in Hessen offiziell nur bis zum 10. April (Karfreitag) ruht. Und völlig offen ist, wann wieder gespielt werden kann und darf.

Wir haben uns bei vier erfahrenen Trainern im Schwalm-Eder-Kreis umgehört, wie sie mit dieser schwierigen Situation umgehen und welche Lösungsansätze sie haben.

Gibt seinen Spielern Hausaufgaben: Melsungens Trainer Peter Wefringhaus. Foto: Richard Kasiewicz

Peter Wefringhaus, der Trainer des Verbandsliga-Schlusslichts Melsunger FV, kann sich mit vielem anfreunden. „Aus meiner Sicht macht es durchaus Sinn, die Saison jetzt für beendet zu erklären und nicht nur auszusetzen. Dann sind wir eben Letzter und fangen in der Gruppenliga neu an.“

Das Schlüsselwort aktuell ist für ihn Selbstdisziplin. Die Aufgabe eines jeden Sportlers, sich allein fit zu halten. Seinen Spielern stellt er seit Sonntag dreimal pro Woche Aufgaben. Etwa Sprint- und Ausdauereinheiten. Die jeweiligen Zeiten und Resultate melden die Kicker an ihren Coach. „Das hat gleich super funktioniert, schließlich wollen und können wir ja nicht bei null anfangen, wenn es wieder losgeht.“

Liebt die Emotionen des Fußballs: Gudensbergs Trainer Andre Fröhlich. Foto: Pressebilder Hahn

André Fröhlich, der mit der FSG Gudensberg die Tabelle der Gruppenliga mit sechs Punkten Vorsprung anführt, fiebert nichts mehr als dem Tag X entgegen. „Ich hoffe nur, dass die Saison irgendwann fortgesetzt wird. Egal, ob im April, Mai oder September.“ Denn nach der Erfahrungen von zwei Aufstiegen in drei Jahren kann sich der FSG-Coach nicht mit einer möglichen Meisterschaft am grünen Tisch anfreunden: „Diese Momente, in denen du es beim Abpfiff gepackt hast. Die Vorfreude, die strahlenden Gesichter und die Glückseligkeit nach einem gemeinsamen Erfolg sind einfach unbezahlbar.“

Deswegen hofft Fröhlich entweder auf englische Wochen, um die Serie zu beenden, oder kann sich gut damit anfreunden, die Saison zu verlängern – ebenso wie anschließend die Wechselperiode. Seiner Mannschaft hat er noch keine individuellen Pläne an die Hand gegeben. „Die Jungs sollen die Situation erst mal verarbeiten und sich vielleicht ehrenamtlich in der Gesellschaft einbringen, ehe wir den Fokus wieder auf Fußball legen.“

Würde von April bis November spielen lassen: Hombergs Fußball-Lehrer Florian Seitz. Foto: Pressebilder Hahn

Ebenso bis auf Weiteres ruht der Trainingsbetrieb beim FC Homberg. Jeder Kicker der Kreisstädter ist angehalten, sich eigenständig in Form zu halten. „Für die Motivation ist das derzeit ein ganz großes Problem. Als Sportler sind wir es gewohnt, auf ein Ziel X hinzuarbeiten und das gibt es aktuell nicht“, sagt Coach Florian Seitz.

Der 29-jährige Lehrer stellt den Fußball vorerst hinten an und hätte kein Problem damit, nach nur einer gemeinsamen Einheit mit dem Spielbetrieb zu starten. „Der mögliche Engpass an Spielern bedingt durch Verletzungen oder Urlaube würde alle treffen. Außerdem können wir Amateure genauso gut im Juni spielen“. Seitz sieht zudem die Chance, die Rahmenvorgabe zu ändern. Und schlägt vor, dass eine Saison von April bis November dauert.

„Wir sollten alles so lange nach hinten schieben, wie es notwendig ist. Solange können wir die Tabellen einfrieren und dann die Saison sauber zu Ende bringen“, schlägt Atilla Güven von Gruppenligist 1. FC Schwalmstadt vor. In jedem Fall hofft er, dass die EM verschoben wird und wünscht sich für den Amateurbereich vermehrt Doppelspieltage in schönen Monaten wie August und September. Und zwar freitags und sonntags.

Güven folgt komplett den Vorgaben des HFV und lässt seine Spieler individuell trainieren. Torwart Tobias Bechtel macht etwa mehr Dauerläufe, Routinier Vedran Jerkovic mehr Sprints, andere dürfen sich mit Sit-ups austoben. „Ich kann und werde das nicht kontrollieren, sondern appelliere an die Ehre der Jungs“, betont der 36-Jährige. Und wartet ansonsten wie seine Kollegen auf eine Entscheidung – und den Tag X.

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