Vor Derby in Handball-Oberliga

Vom Derbyvirus bereits infiziert: Jona Gruber und Heinrich Wachs im Doppelinterview

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Hat bei der ESG hervorragend eingeschlagen: Neuzugang Heinrich Wachs (l.). In doppelten Einsatz: Jona Gruber, Regisseur der A-Jugend der mJSG und Hoffnungsträger bei der MT II (r.).

Für beide ist es das mit Spannung erwartete erste Mal. Denn: Beide sind Derbydebütanten. Und Hoffnungsträger für ihre Teams. Heinrich Wachs und Jona Gruber im Doppelinterview:

Für beide ist es das mit Spannung erwartete erste Mal. Denn: Beide sind Derbydebütanten. Und Hoffnungsträger für ihre Teams. Heinrich Wachs (ESG Gensungen/Felsberg) und Jona Gruber (MT Melsungen II) nämlich, die am Samstag im Nordhessen-Duell der Handball-Oberliga (19.30 Uhr Kreissporthalle Gensungen) aufeinander treffen. Und im HNA-Interview natürlich beide einen Sieg ihrer Mannschaft prophezeien.

Spürt ihr schon etwas davon, welchen Stellenwert dieses Nachbarduell in der Region hat?

Heinrich Wachs: Durchaus. Die Fans fiebern schon länger daraufhin. Man wird von ihnen angesprochen und die Mitspieler haben mir von der tollen Stimmung bei diesem Duell erzählt. Wir sind alle heiß auf dieses Spiel und auch ich habe mich von der Vorfreude anstecken lassen.

Jona Gruber: Mit ist die Bedeutung natürlich bewusst. Ich habe schon einige Derbys als Zuschauer gesehen und fand die Zuschauerkulisse und die Stimmung sensationell. Umso mehr freue ich mich darauf, jetzt zum ersten Mal selbst mitzuspielen. Die Anspannung im Training ist schon höher als sonst.

Nun ist das Derby tabellarisch leider alles andere als ein Spitzenspiel. Wie erklärt ihr euch den äußerst mäßigen Start in die Saison?

Wachs: Wir haben in allen Spielen richtig gute Phasen gehabt, aber letztlich nicht konstant genug gespielt. Wenn wir diese Schwächephasen abstellen oder abkürzen können, werden wir auch wieder erfolgreich sein. Die Abläufe müssen einfach noch in alle Köpfe rein, das Selbstvertrauen muss wachsen, um torgefährlich auf die gegnerische Abwehr gehen zu können. Bei unserem ersten Saisonsieg in Büttelborn konnten wir erstmals unseren Stiefel durchspielen. Da ist viel Druck abgefallen, so dass wir nun befreiter auftreten können.

Gruber: Wir haben zwar das erste Spiel gegen Hütenberg gewonnen, doch danach die nötige Konstanz vermissen lassen. Immer wieder haben wir zwischenzeitlich den Faden verloren, was sich dann in Zeitstafen oder technischen Fehlern im Angriff äußerte. In diese Klasse sind die Gegner zu abgebrüht, da wird so etwas prompt bestraft. Diese Aussetzer müssen wir so schnell wie möglich abstellen. Erschwerend kommt natürlich hinzu, dass die Mannschaft ziemlich neu zusammen gesetzt ist und deshalb noch etwas Zeit braucht, um sich einzuspielen.

Vom Wankelmut eurer Mannschaften unberührt, habt ihr beide durch gute Leistungen auf euch aufmerksam gemacht. Jona, Du stehst mit der A-Jugend der mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen auch noch an der Spitze der Bundesliga Mitte. Macht Dir die Doppelbelastung nichts aus?

Gruber: Klar ist die Belastung bei häufig zwei Spielen am Wochenende nicht zu unterschätzen und ich muss deshal darauf achen, dass sie im Rahmen bleibt. Doch die Spiele im Männerbereich machen Spaß und bringen mich persönlich weiter. Der Männerhandball in der Oberliga ist wirklich robuster und körpertoner. Dabei hilft mir, dass ich schon relativ viel Verantwortung übernehmen darf.

Heinrich, Du galtest unter den Gensunger Neuzugängen eher als Mann für die Zukunft, hast Dich aber gleich in die Stammsieben gespielt und in der durchaus auch Verantwortung übernommen. Wie erklärst du dir diesen reibungslosen Aufstieg aus der Landes- in die Oberliga?

Wachs: Ich habe in den letzten zwei Jahren unter Dirk Wetekam viel dazu gelernt und auch beim TSV Twistetal als recht junger Spieler bereits Verantwortung übernommen. Von daher ist mir das in Gensungen nicht so schwer gefallen. Das intensive Krafttraining in der Vorbereitung hat mir den Einstieg ebenfalls erleichtert. Außerdem hat mich die Mannschaft sowie das Gensunger Umfeld sehr gut aufgenommen.

Überhaupt scheint für euch beide der Übergang von der Jugend- in den Männerbereich kein Problem zu sein. Wo müsst ihr denn evtl. noch zulegen?

Wachs: Ich hatte auch in der Jugend hervorragende Trainer wie etwa Jochen Isenberg, die uns gut auf diesen Sprung vorbereitet haben. Außerdem haben wir früh im Seniorenbereich mittrainiert. Körperlich muss ich noch zulegen, ein paar Kilo mehr Muskelmasse könnten da nicht schaden. Außerdem könnte mein Wurf noch einen Tick härter sein.

Gruber: Wir spielen in der A-Jugend-Bundesliga auch auf recht hohem Niveau, da ist der Übergang nicht ganz so groß. dazu bedarf es auch eines Trainers, der einem das Vertrauen schenkt und genau das gibt mir Georgi. Zulegen muss ich im athletischen wie auch im technischen Bereich. Wichtig ist es auch mein Zweikampfverhalten und meine Wurfpräzision zu verbessern.

Heinrich, dein Trainer Arnd Kauffeld beschreibt dich als „handballerisch unerschrocken“ und mit einer „Kopf-hoch-Mentalität“ ausgestattet. Bist du als letztjähriger Landesliga-Torschützenkönig sportlich wirklich durch nichts zu beeindrucken?

Wachs: Das kommt nach außen wohl so an, doch ich mache mir schon viele Gedanken. Im Spiel denke ich aber immer positiv. Und wenn‘s nicht so gut läuft, gilt es nie aufzugeben. Damit bin ich immer gut gefahren.

Jona, dein Männer-Coach Georgi Sviridenko sagt über dich, dass du ein ganz netter Junge bist und trotzdem sehr gut Handball spielst. Muss man denn als Handballer, zumal in zentraler Funktion sowohl im Angriff als torgefährlicher Spielmacher als im Mittelblock der 6:0-Deckung auf dem Feld auch mal unangenehm, vielleicht sogar fies werden?

Gruber: Unangenehm auf jeden Fall. Das bedeutet in der Abwehr konsequent und lästig für den Angriffsspieler sein, ihn so weit zu nerven, das er nicht mehr durchkommt. Im Angriff gilt es für mich sehr variabel zu spielen, so dass ich schwer zu verteidigen bin. Natürlich tut‘s auch mal weh auf die gegnerische Deckung zu gehen. Allerdings: Fies im Sinne von unfair war noch nie meine Art zu spielen.

Wie stellt ihr euch eure handballerische Zukunft vor? Träumt ihr schon mal von der Bundesliga?

Wachs: Erst mal gilt es, sich mit Gensungen zu stabilisieren, um bald wieder weiter nach oben schielen zu können. Wenn ich träume, dann davon, mit Gensungen in die 3. Liga aufzusteigen. Eine Profi-Laufbahn halte ich für unrealistisch, außerdem hat meine berufliche Ausbildung Priorität.

Gruber: Natürlich bin ich mir bewusst, dass der Sprung in die Bundesliga sehr groß ist. Trotzdem ist es mein Traum.

In welcher Rolle?

Gruber: Ich sehe mich schon auf Mitte und halblinks.

Heinrich, sag mir, warum ihr im Derby nach dem ersten Saisonsieg nachlegt. Dein Tipp?

Wachs: Wir haben mit dem 39:31 in Büttelborn das nötige Selbstvertrauen getankt und wissen um unsere Stärken. Ich tippe auf einen 31:26-Sieg für uns.

Jona, bisher gab‘s für die MT-Reserve in Gensungen nichts zu holen. Warum endet am Samstag diese Edertaler Serie? Dein Tipp?

Gruber: Weil wir als Mannschaft begriffen habe, dass es nur mit Siegeswillen und Kampf über die gesamten 60 Minuten geht und wir genau dies am Samstag auch zeigen werden. Wir gewinnen 30:28.

Zur Person: Heinrich Wachs, geboren am 10. Januar 1997 in Arolsen, begann seine Handballkarriere mit fünf Jahren beim TV Külte, wechselte als C-Jugendlicher zum TSV Twistetal, mit dem er in seinem ersten Seniorenjahr (2016/2017) den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Nach dem neunten Rang mit dem TSV in der letzten Spielzeit wechselte der Rückraumspieler zur ESG Gensungen/Felsberg. Der 21-Jährige macht eine Erzieherausbildung in Korbach und will Grundschullehrer werden.

Zur Person: Jona Gruber, geboren am 19. Mai 2000 in Kassel, begann seine Handballkarriere als Vierjähriger bei der HSG Baunatal. Als D-Jugendlicher wechselte der Aufbauspieler zu Eintracht Baunatal, mit deren C-Jugend er Vize-Hessenmeister wurde. Als A-Jugendlicher schloss er sich der Hessenauswahlspieler der mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen an, die derzeit die Tabelle der Bundesliga Mitte anführt. Nach seinem Abitur begann er ein Lehramtsstudium in Kassel (Fächer Chemie, Politik und Wirtschaftswissenschaften).

Hintergrund: Hauch eines Familientreffens

Das Nordhessen-Derby der Handball-Oberliga zwischen der ESG Gesnungen/Felsberg und der MT Melsungen II (Sa. 19.30 Uhr, Kreissporthalle Gensungen) hat abseits aller Rivalität auch den Hauch eines Familientreffens. Warum? Weil es für einige Spieler das Wiedersehen mit ihrem Ex-Club ist.

Auf Gensunger Seite haben fünf Spieler eine Melsunger Vergangenheit: Marc Lauterbach (zwei Jahre Zweitspielrecht), Benedikt Hütt, der dienstälteste Gensunger (kam 2005) , der das Handballspielen im Fuldatal lernte und auf insgesamt vier Bundesliga-Einsätze kam, Maik Gerhold, Cornelius Feuring und Jannis Kothe. Bei der Bundesliga-Reserve spielten Max Pregler und Eugen Gisbrecht (derzeit allerdings verletzt) einst im Edertal.

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