Handball-Landesliga

Wollrode gegen Körle: Ein Derby der ganz besonderen Art

Uwe Lohmann
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Uwe Lohmann, Ex-Abteilungsleiter RW Körle

Vorhang auf für die Handball-Landesliga: Und die startet gleich mit einem Knüller. Ein Derby der ganz besonderen Art nämlich, wenn am Samstag um 18 Uhr in der Kreissporthalle Guxhagen der TSV Wollrode auf die MSG Körle/Guxhagen trifft. Um ohne Zuschauerbegrenzung allen Fans die Möglichkeit zu geben, dem ersten Vergleich der Nachbarn in Hessens zweithöchster Spielklasse beizuwohnen, gilt für den Einlass die 2 G-Regel.

Wollrode/Körle - Gerade mal zwei Kilometer Luftlinie trennen die nordhessischen Handball-Dörfer Wollrode und Körle voneinander. Über die räumliche Nähe hinaus gibt es eine Menge Gemeinsamkeiten. Beim Training in der Kreissporthalle geben sich die Spieler beider Vereine die Klinke in die Hand, die Heimspiele beider Teams werden dort ausgetragen und nicht nur die Aktiven kommen ins Schwitzen, wenn seitens der Vereinsverantwortlichen von einer Partie zur nächsten die blau-weißen Banner gegen die rot-weißen an den Hallenwänden ausgetauscht werden müssen.

Unterschiede

In der Jugendarbeit gehen der TSV und die MSG unterschiedliche Wege. Während Körle/Guxhagen seit 2011 mit der MT Melsungen kooperiert (als mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen), arbeitet Wollrode im Jugendbereich mit der TSG Dittershausen und dem Tuspo Waldbau zusammen. Auch im Seniorenbereich existiert seit 25 Jahren die Spielgemeinschaft der vormals eigenständigen Klubs Rot-Weiß Körle und TuSpo Guxhagen. Dagegen ist der TSV Wollrode nach wie vor stolz auf seine Eigenständigkeit. Und darauf, nach über 20 Jahren wieder in der Landesliga zu spielen.

Alte Duelle

Die Rivalität beider Vereine hat eine lange Tradition. Viele Ältere erinnern sich noch an Duelle, die hart umkämpft an der Grenze der sportlichen Fairness ausgetragen wurden - und nicht selten ein handgreifliches Nachspiel unter den Fans zur Folge hatten. Diese innige Feindschaft wurde seit Kriegsende bis weit in die 90er Jahre gepflegt. Mittlerweile ist das Klima zumindest auf Vorstandsebene deutlich entspannter.

„Gott sei Dank“, findet Meik Badenheuer, Vorsitzender TSV Wollrode. Und weist auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Erstellung eines Hygienekonzepts für die Guxhagener Halle hin: „Das wäre früher so nicht möglich gewesen.“ Das bestätigt Uwe Lohmann, ehemaliger Abteilungsleiter vom TSV RW Körle: „Egal wie das Derby ausging, in den letzten 15 Jahren haben wir anschließend immer mit den Wollröder Sportkameraden ein Bier getrunken.“

Obwohl diese oft die Nase vorn hatten. So auch im letzten Duell am 1. April 2017 mit 28:27. Die MSG schaffte am Ende der Saison den Aufstieg in die Landesliga, der direkte Vergleich ging an Wollrode. Weil das Team laut Lohmann „mit der richtigen Einstellung“ ins Derby gegangen war.

Auf mentale Stärke setzt Meik Badenheuer auch diesmal: „Körle/Guxhagen ist personell sicherlich besser aufgestellt als Wollrode. Wir haben nichts zu verlieren, deshalb gewinnen wir mit 26:25.“ In der Hoffnung, dass „in Derbys Dinge passieren, die sonst nie passieren.“ Etwa wie der heutige Körler Trainer Christian Schade als junger Spieler vor 20 Jahren im Spiel gegen Wollrode bei einem Rettungsversuch ein Eigentor fabrizierte: „Am Ende lagen wir dann mit diesem einen Tor vorn.“

Ausgangsposition

TSV-Trainer Fitozovic bremst indessen allzu hohe Erwartungen. Auch wegen personeller Probleme im ohnehin schon kleinen Kader. Neben Langzeitverletzten Jonas Herlitze fallen wohl auch Feldspieler Sören Kothe sowie Torhüter Marcell Botthof aus, bei Lukasz Kowalski hat er die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sollte dieser ebenfalls passen, ist Christoph Ludwig die einzige Option.

Trotzdem. „Wir sind Außenseiter, aber nicht chancenlos“, sagt Mensur Fitozovic. Das Wollröder Herzstück ist ein gut eingespielter 6:0-Abwehrverbund, aus dem heraus die Mannschaft jede Möglichkeit zum Tempogegenstoß nutzen will.

Für Uwe Lohmann wird es indes höchste Zeit, „dass wir endlich mal wieder gewinnen.“ Und dazu könnten sich die Körler nicht nur auf ihre spielerischen Qualitäten verlassen. Auch Trainer Schade weiß, „dass wir uns für eine Favoritenrolle nichts kaufen können.“

Also gilt es für sein Team den Kampf anzunehmen - und sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren: „Wir haben eine Menge spielerischer Optionen, um den Gegner unter Druck zu setzen.“ Die MSG kann dazu - im Gegensatz zum Rivalen - personell aus dem Vollen schöpfen, wobei insbesondere die „Neuen“ Nicolas Bachmann, Markus Rulff und Eugen Gisbrecht auf ihren Einsatz brennen. Zumal sie ihr Debüt in einem ganz speziellen, ja fast einzigartigen Rahmen, feiern können. (von Max Alter)

Meik Badenheuer, TSV-Vorsitzender

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