Tipps vom Laufcoach

Mehr Genuss statt Muss: Wie man beim Laufen nicht ausbrennt und wieder mehr Spaß hat

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Den Sinn im Laufen suchen und finden: Anna Hughes erklärt, wie man auch in schwierigen Situationen nicht den Spaß am Laufen verliert.

Ein Szenario, das keine Seltenheit ist: Läufer brennen aus. Sie werden müde, gar depressiv und irgendwann geht nichts mehr. Was man tun kann, wenn der Spaß kein Antrieb mehr ist, erklärt unser Laufcoach Anna Hughes - aus eigener Erfahrung.

„Komm mit, wenigstens noch ein Stück. Du kannst jetzt hier nicht einfach aufgeben.“ Nichts zu machen. Der Läufer, den ich zusammen mit seinem Laufpartner an einem Verpflegungspunkt mitten in der Nacht während eines langen Rennens traf, war durch kein Wort zu ermuntern geschweige denn zu motivieren. Er war wütend auf sich, wie es schien, und grummelte in die Nacht hinein, dass dies nun schon der vierte Lauf in Folge sei, den er aufgab. Und dass er erst mal gehörig die Schnauze voll habe und die Laufschuhe erst mal in die Ecke schmeißen würde zu Hause.

Solche Szenarien sind leider keine Seltenheit. Läufer brennen aus, werden gar depressiv und irgendwann geht nichts mehr. So kann das Laufen auch zum permanenten Leistungsdruck werden, wenn nur das Ergebnis im Vordergrund steht und der Spaß längst kein Antrieb mehr ist. 

Erst kürzlich durchlebte ich dies selbst, wenn auch nicht im selben Ausmaß wie beim oben erwähnten Läufer. Ich spürte kaum noch echte Freude beim Laufen, musste mich oft zwingen, überhaupt raus zu gehen.

Warnsignale

An diesen sieben Zeichen erkennst du, dass du mehr Muss als Genuss mit dem Laufen verbindest:

  • Du machst dir selbst Druck, z.B. mit einer bestimmten Zeit
  • Du willst mithalten, z.B. in der Laufgruppe oder auf Social Media
  • Du definierst dich übers Laufen
  • Dir fällt es schwer, eine Einheit durchzuziehen
  • Dir fällt es schwer, dich aufzuraffen
  • Du setzt dir schwer erreichbare Ziele
  • Dein Training hat Priorität vor allem anderen

Nachdem ich mir dann eingestand, dass ich oft das Gefühl hatte, laufen zu müssen, ging ich auf Ursachenforschung und fand heraus, dass ich mir das Ganze selbst geschaffen hatte. 

Niemand sagte mir, dass ich laufen muss. Es war eine reine Einbildung, basierend auf der derzeit kursierenden FOMO (fear of missing out), der Angst also, etwas zu verpassen. Mithalten zu wollen, Leistung zu bringen - und das um jeden Preis.

Sich nicht unter Druck setzen lassen: Gar nicht so einfach im Getümmel von Wettkämpfen. 

Rückblickend eine wichtige Erfahrung, um eine neue Standortbestimmung zu machen. Das kannst du ganz einfach tun, indem du dir eine kleine Auszeit vom Laufen nimmst und überlegst, was dich am Anfang motiviert hat, mit dem Laufen zu beginnen. 

Als zweiten Schritt kannst du schauen, was passiert ist, dass Spaß und Genuss immer mehr auf der Strecke blieben. Was war los in deinem Leben, im Beruf, in Familie und Partnerschaft? Dies ermöglicht dir, den Auslöser zu erkennen.

Um den Kreis zu schließen und wieder in den Flow der Anfangszeiten zu kommen, lege drei Qualitäten fest, die das Laufen für dich bedeuten. Du wirst merken, dass darin der Schlüssel liegt, wieder in den Genuss zu kommen.

Diese Qualitäten - zum Beispiel: „beschwingt“, „locker“, „freudig“ - kannst du dir vor jedem Training bewusst ins Gedächtnis rufen, um deinen inneren Motivator anzukurbeln.

Viele weitere Beiträge von Anna zum Thema Laufen, Training und Motivation gibt es in unserem Spezial.

Laufen für den guten Zweck

Das Thema Genuss steht auch bei einer meiner persönlichen Coachees ganz oben. Je mehr sie versucht hat, an Ergebnisse aus alten Zeiten anzuknüpfen, umso weniger Freude kam auf. Dabei hatte sich in ihrem Leben Vieles geändert und sie stand ganz einfach an einem anderen Punkt. Innerhalb weniger Wochen gelang es ihr, mit einem einfach strukturierten und abwechslungsreichen Trainingsplan, wieder ins Genusslaufen zu kommen. Sie nimmt mittlerweile gern ihre Hunde mit auf Tour und läuft zwischendurch mit ihrer besten Freundin einen Genuss-Halbmarathon.

Es gibt noch andere Möglichkeiten, Laufen genussvoll zu gestalten. So bieten sich Läufe für einen guten Zweck hervorragend dafür an, in einer großen Gemeinschaft nicht um Bestzeiten zu laufen, sondern einen höheren Sinn zu verfolgen. Das Gefühl, etwas Gutes beizusteuern, kann dir auf die Beine helfen.

Auch bei Landschaftsläufen muss es nicht immer der anspruchsvolle Berglauf sein. Auf der Insel Sylt beispielsweise gibt es Läufe, die für Genussläufer bestens geeignet sind. In eine ähnliche Kategorie passen auch Vollmondläufe, die die Sinne schärfen und durch die Nacht ein besonderes Erlebnis bieten. 

Genussläufer unter sich: Laufen ist das eine, das Drumherum das andere.

Wie wäre denn die Idee, eine Genussläufer-Gruppe in deiner Gegend zu gründen und unter der Woche oder am Wochenende ausgedehnte Genussläufe mit anschließendem Kaffee und Kuchen zu organisieren? Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, Spaß und Genuss stehen im Vordergrund.

FACEBOOK-GRUPPE: GEMEINSAM LAUFEN

Auf Facebook haben wir eine Gruppe gegründet für alle, die einfach Lust am Laufen haben - und sich mit anderen darüber austauschen wollen: Laufen in Nordhessen - und dem Rest der Welt. Neben Anna Hughes ist dort auch Jens Nähler zu finden, Leiter unserer Online-Redaktion. Wollt ihr dabei sein? Wir freuen uns auf euch.

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