Fußball-Regionalliga

Stadtallendorfs Trainer Sicaja: Lieber in Kassel als in Koblenz

Das war im August 2019: Trainer Dragan Sicaja (rechts) ist mit Eintracht Stadtallendorf im Kasseler Auestadion zu Gast und spricht mit einem Mitarbeiter.
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Das war im August 2019: Trainer Dragan Sicaja (rechts) ist mit Eintracht Stadtallendorf im Kasseler Auestadion zu Gast.

Er zählt zu den bekanntesten Fußball-Trainern in Nordhessen: Dragan Sicaja (53) aus Schwalmstadt ist jetzt nach 2017 zum zweiten Mal mit dem TSV Eintracht Stadtallendorf in die Regionalliga aufgestiegen.

Der frühere Stratege des SC Neukirchen, der seit der Spielzeit 2009/2010 in Stadtallendorf tätig ist und dort seinen Vertrag nun um ein weiteres Jahr verlängert hat, macht sich intensive Gedanken über die Entwicklung des Fußballs. Wir haben mit ihm gesprochen.

Dragan Sicaja über…

. den Trainerjob in Stadtallendorf: Ich bin nicht der Typ, der gern wechselt. Dabei hat mich die Zeit als Spieler in Neukirchen sehr geprägt. Mir ist es sehr wichtig, dass mir Menschen den nötigen Respekt entgegenbringen und ich das erforderliche Vertrauen spüre. Das tut es in Stadtallendorf. Über die Jahre hat sich eine vertrauensvolle Beziehung entwickelt wie in einer Ehe zwischen Mann und Frau. Vielleicht hätte ich woanders einiges mehr verdienen können, aber mir geht es in erster Linie nicht ums Geld.

. einen Aufstieg in Corona-Zeiten: Anfangs waren alle mit der Situation überfordert. Zunächst habe ich noch gedacht, dass wir in drei Wochen wieder trainieren werden. Doch kurz danach habe ich den Fußball unter diesen Umständen gar nicht mehr vermisst. Da wir nach 22 Spieltagen Erster waren, hatten wir den Aufstieg auch verdient. Wenn der Tabellenletzte belohnt wird, darf der Erstplatzierte nicht bestraft werden. Eine richtige Feier war natürlich nicht möglich. Als unser Aufstieg feststand, haben wir das Team zusammengeholt. Wie eine Party auf dem Rasen konnte es sich aber verständlicherweise nicht anfühlen.

. den Mitaufsteiger KSV Hessen Kassel: Darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich habe Trainer Tobias Damm, der wie Sebastian Schmeer und Ingmar Merle früher bei mir gespielt hat, direkt gratuliert. Kassel ist für uns ein Nachbar. Spiele gegen den KSV haben einen ganz besonderen Charme. Die Löwen sind zwar in der Regionalliga auch ein Konkurrent, aber ich fahre lieber nach Kassel als nach Koblenz.

. mögliche Veränderungen im Fußball durch die Pandemie: Die Vereine sollten sich die Frage stellen, ob in der Regionalliga Profitum wirklich geeignet ist. Ich habe jetzt etwas Interessantes über eine Liga in Schweden gelesen. Dort müssen die Spieler neben dem Training noch einen Job haben und ein paar Stunden jeden Tag arbeiten. Das Modell finde ich gut. Es ist sozial verträglich für die Spieler, und die Vereine werden so entlastet – Stichwort Insolvenzgefahr. In diesem Zusammenhang fällt mir ein Satz meines früheren Neukirchener Trainers Zeljko Buvac ein: Schon bevor er erfolgreich mit Jürgen Klopp in Mainz, Dortmund und Liverpool gearbeitet hat, hatte er ein gutes Gespür für Trainingssteuerung und zu uns gesagt: Wer acht Stunden am Tag arbeitet, von dem kann ich nicht erwarten, dass er am Abend auch noch ein riesiges Trainingspensum abspult.

.   die nächste Regionalligasaison: Natürlich freuen sich meine Spieler auf Duelle gegen Kassel, Offenbach, Steinbach und Gießen – auch wenn noch niemand sagen, ob wir mit oder ohne Zuschauer unsere Partien austragen werden. Eine Liga mit voraussichtlich 22 Teams wird aber auch eine sportliche Herausforderung. Das bedeutet sehr viele Spiele. Es wird an die Substanz gehen. Die daraus resultierenden Englischen Wochen haben aber auch etwas Gutes, denn du brauchst nicht nur 13, 14, sondern sogar 18 Stammspieler. Du hast also weniger unzufriedene Akteure, weil alle Beteiligten regelmäßig zum Einsatz kommen werden. Ich fände es auch gut, wenn die Regelung mit den fünf Einwechselungen aus dem Profibereich übernommen wird.

ZUR PERSON

Dragan Sicaja (53) ist seit der Saison 2009/10 Trainer beim TSV Eintracht Stadtallendorf. Zuvor war er Spieler und Trainer beim 1. FC Schwalmstadt. Der Kroate trug in den 90er-Jahren das Trikot des damaligen Fußball-Regionalligisten SC Neukirchen und gehörte als Mittelfeldstratege zu den Führungspersönlichkeiten in der Mannschaft. Sicaja arbeitet in Schwalmstadt als Industriekaufmann bei Horn und Bauer. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. 

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