Reiner Möbus vom RFV Gemünden über die Auswirkungen der Pandemie

Reiter weiter im Wartestand: „Die Lage ist gefühlt katastrophal“

Die Löhlbacherin Sophia Beucke springt beim Reitturnier un Gemünden über ein Hinderniss
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Weiter in der Warteschleife: Die Reiter müssen weiter auf Wettkämpfe verzichten. Auch das Turnier in Gemünden – unser Archivbild aus dem Jahr 2018 zeigt die Löhlbacherin Sophia Beucke – musste erneut abgesagt werden.

Die Reitvereine sind von Corona besonders betroffen. Auch in diesem Jahr sind Turniere noch nicht möglich. Über die Auswirkungen der Pandemie für den Reitsport sprachen wir mit Reiner Möbus, dem Vorsitzenden des RFV Gemünden.

Gemünden – Anfang Mai beginnt die grüne Saison – die Zeit der Reitsportturniere im Freien. Für den Altkreis Frankenberg gab immer der RFV Gemünden mit seinen beiden Turnierwochenenden den Startschuss, doch bereits zum zweiten Mal konnte das Turnier in der Wohrastadt aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. „Die Lage ist gefühlt katastrophal“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Reiner Möbus. Denn beim RFV steht wie bei so vielen Klubs das komplette Vereinsleben weitgehend still: keine Turniere, kaum Lehrgänge, deutlich weniger Reitstunden, keine geselligen Treffen, Vorstandssitzungen seit Monaten nur über das Internet. „Die sozialen Kontakte fehlen massiv“, sagt der Vorsitzende des Vereins, der hinzufügt: „Das hält aber einen Verein zusammen.“

Reitvereine haben darüber hinaus noch ganz andere Sorgen, denn sie trifft der sportliche Stillstand auch finanziell hart. Reithallen, Stallungen, Außenanlagen – all das muss unterhalten werden. Der RFV Gemünden hat darüber hinaus drei eigene Pferde im Stall stehen. „Die müssen verpflegt und regelmäßig bewegt sowie ausgebildet werden. Auch Hufschmied und Tierarzt müssen regelmäßig kommen“, verdeutlicht Möbus. Alles in allem müsse sein Verein pro Monat eine vierstellige Summe für den kompletten Betrieb aufwenden.

Weggebrochen sind dagegen fast komplett die Einnahmen. Durch den Wegfall der drei Turniere – neben dem Dressur- und Springturnier konnte auch das Jugendturnier im Oktober nicht ausgetragen werden – fehlt Geld durch Essens- und Getränkeverkauf. Dazu veranstaltet der RFV mehrere Lehrgänge pro Jahr, Reitabzeichen, auch Osterfeuer sowie eine Nikolausveranstaltung tragen in normalen Jahren zu den Einnahmen bei. „Im vergangenen Jahr haben wir gerade einmal zwei Lehrgänge ausrichten können“, sagt Möbus, der immerhin 2020 vom Land Hessen eine Corona-Beihilfe bekommen konnte.

Ob es in diesem Jahr auch eine Unterstützung gibt, weiß er nicht. Gebrauchen könnten sie diese beim RFV gut, zumal der Verein aufgrund von zurückliegenden Investitionen noch auf zugesagtes Fördergeld vom Landessportbund, dem Land Hessen und dem Landkreis wartet.

Brach liegt zu einem großen Teil auch die Jugendarbeit. Nur eingeschränkt sei ein Betrieb möglich, selbst im Freien, was Reiner Möbus überhaupt nicht nachvollziehen kann. Dennoch versucht der Verein alles, um das Training zu ermöglichen. „Das allerdings kostet nur, weil eine Reitlehrerin weniger Kinder betreuen kann“, sagt der Vorsitzende. „Aber das müssen wir machen. Wenn wir als Verein langfristig überleben wollen, geht das nur über eine gute Jugendarbeit.“

Und sportlich? Möbus hofft, dass zumindest das Jugendturnier im Herbst stattfinden kann. Dass es noch Wettkämpfe für Erwachsene gibt, glaubt er nicht. Für ihn lohnt sich die Ausrichtung eines Turniers nur, wenn Zuschauer auf die Anlage dürfen. „Sonst produzierst du nur Kosten“, sagt Möbus, der aber auch weiß, „dass die Reiter natürlich heiß sind, sich sportlich zu messen“.

Wie es weitergeht? Die Zeit sei schon existenzgefährdend, der RFV werde aber auch das durchstehen – da ist sich der Vorsitzende sicher, auch wegen des Engagements vieler Mitglieder, die dem Verein weiter die Treue halten. „Dafür werden wir schon sorgen“, sagt der 60-Jährige. „Ich kann mir aber vorstellen, dass es auch Vereine gibt, die am Ende auf der Strecke bleiben werden.“ (Von Thorsten Spohr)

Von Thorsten Spohr

Reiner Möbus, Vorsitzender des RFV Gemünden

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