Weinreich: "Waldeck ist kein Schrecken für uns"

Immer weniger Teams: Diskussion um Zukunft des Fußballkreises Frankenberg

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Mit wem würde der Fußballkreis Frankenberg lieber zusammenarbeiten? Fußballwart Friedhelm Weinreich tendiert Richtung Waldeck.

Frankenberg. Wie geht es mit dem Fußballkreis Frankenberg weiter? Das Thema ist wieder auf die Tagesordnung gekommen. In einem Interview in der Oberhessischen Presse hat der Marburger Kreisfußballwart Peter Schmidt einen Zusammenschluss Frankenbergs mit dem Kreis Waldeck angeregt.

Zwar ist sein Frankenberger Kollege Friedhelm Weinreich vom Vorstoß Schmidts nicht gerade begeistert, bei der Winter-Vereinsvertretersitzung Mitte Januar soll es aber erste Diskussionen geben, inwieweit eine Zusammenarbeit im Bereich der C-Ligen möglich wäre.

Zwei statt drei Verbandsligen, sechs statt acht Gruppenligen, weniger Kreisoberligen, um die Spielklassengrößen nach unten insgesamt zu stärken – dies brachte Schmidt Ende des Jahres ins Gespräch. Und: „Der Fußballkreis Frankenberg müsse sich in einen eigenen Kreis Waldeck-Frankenberg zurückziehen“, sagt er in dem Interview. Vorschläge, von denen Weinreich ein wenig überrumpelt wurde. „Offiziell wurden diese Dinge in der Region nicht erörtert“, sagt der Rechtsanwalt und wehrt sich gegen Schmidts Aussage, der Kreis Frankenberg sei gegen den Vorschlag. „Wogegen sollen wir sein? Das wäre ja die Frage. Das habe ich bislang noch nicht gehört. Bislang waren das von ihm immer Floskelgeschichten, aber nichts Konkretes“, kritisiert der Sehlener.

Der stimmt Schmidt allerdings in einem Punkt zu: Für Weinreich ist eine Zusammenarbeit mit Waldeck einfacher vorstellbar als mit den benachbarten Kreisen im Marburger Raum. „Waldeck ist kein Schrecken für uns“, sagt der Frankenberger Fußballfunktionär. „Ich stelle mir persönlich die Zusammenarbeit sogar einfacher vor.“ Für ihn ist der Vorstoß von Schmidt eine Einzelmeinung, Weinreich will vor allem die Vereine mit ins Boot holen. „Man muss erst die Vereine befragen und untereinander reden. Erst dann können wir konkret an die Hausaufgaben gehen, wie es zukünftig aussehen soll.“

Einen ersten Schritt dazu soll es auf der Winter-Vereinsvertretersitzung geben. In ihren Sitzungen wollen beide Kreise – Waldeck und Frankenberg – ausloten, in wieweit eine Zusammenarbeit im Bereich der C-Ligen denkbar und gewünscht ist. Weinreich weiß: „Es ist eine Frage, wie das aussehen kann“, und fügt hinzu: „Der Teufel steckt im Detail.“

Denn einfach ist eine Zusammenarbeit nicht unbedingt, da beide Fußballkreise in verschiedenen Regionen beheimatet sind: Waldeck in Kassel und Frankenberg in Gießen/Marburg. Wohin steigt ein Meister beispielsweise auf, wäre eine der Fragen, die zu klären sind. „Die Einzelheiten müssen akribisch unter die Lupe genommen werden“, ist Weinreich klar. Zudem müsse auch mit dem hessischen Verband abgeklärt werden, in wieweit eine Zusammenarbeit überhaupt möglich ist.

Grundsätzlich will Weinreich die weiterführenden Gespräche erst in Angriff nehmen, wenn die Vereine mitziehen. Vor einigen Jahren scheiterte noch eine Idee, eine gemeinsame A-Liga aus den Kreisen Frankenberg und Biedenkopf zu bilden, am Widerstand der Frankenberger Vereine. Schon damals war bei einigen Vereinsvertretern allerdings das zu hören, was auch Weinreichs Meinung ist: „Wenn es eine Zusammenarbeit geben soll, dann eher Richtung Waldeck als Richtung Marburg.“

Dabei legt Weinreich Wert darauf, dass es – wenn überhaupt – vorerst nur eine Zusammenarbeit geben soll und keine Fusion der beiden Kreise. „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir als eigenständiger Fußballkreis noch gut eigenständig arbeiten.“

Das sagt Waldecks Kreisfußballwart

Peter Bauschmann möchte sich zum Thema einer Zusammenarbeit der Fußballkreise Waldeck und Frankenberg nicht im Detail äußern. „Wir werden bei der Vereinsvertretersitzung darüber sprechen“, sagt der Waldecker Kreisfußballwart auf Anfrage unserer Zeitung. Die Sitzung ist auf den 23. Januar terminiert. Eines stellt Bauschmann aber klar: „Wenn der Kreis Frankenberg sagt, wir können nicht mehr alleine, dann verschließen wir uns dem grundsätzlich nicht.“

Hintergrund

Die Zahl der Mannschaften hat im Fußballkreis Frankenberg in den vergangenen Jahren stetig abgenommen. 47 Teams wurden im August 2018 in den Spielbetrieb geschickt, die in drei Klassen spielen. In der Saison 1999/2000 waren es noch 57. Die A-Liga spielt aktuell mit 16 Vereinen, die B-Liga mit 15 und die C-Liga mit 12, dazu kommen vier Mannschaften, die höherklassig unterwegs sind. Dramatischer ist die Zahl im Jugendbereich: In den vergangenen zwölf Jahren verlor der Kreis Frankenberg 29 Mannschaften, ist gerade in den älteren Klassen alleine nicht mehr überlebensfähig. Kreisfußballwart Friedhelm Weinreich fürchtet, dass sich das auch im Seniorenbereich niederschlagen wird. „Es wird da in den nächsten zehn Jahren ebenfalls zu einem Schwund an Mannschaften kommen.“

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