Stimmungsbild von der Basis

Fußball: Diskussion um die weiße Karte

Sieht die Zukunft bald so aus: Auf unserer Fotomontage zeigt Schiedsrichter Markus Wingenbach die weiße Karte. Foto: nh

Waldeck-Frankenberg. Die Fußballszene denkt wieder stärker über die Einführung der Zeitstrafe auch im Seniorenbereich nach.

Nachdem Michel Platini, der Präsident der UEFA, den Vorschlag einbrachte, hat nun Herbert Fandel, Chef der deutschen Schiedsrichter, die Diskussion belebt.

Fandel kann sich die Einführung einer weißen Karte als Zeichen für eine zehnminütige Zwangspause gut vorstellen, auch wenn er sagt: „Es müsste aber genauer definiert werden, bei welchen Vergehen die weiße Karte eingesetzt werden kann.“ Bisher sieht Platinis Idee vor, die Zeitstrafe dann auszusprechen, wenn ein Spieler simuliert oder dem Schiedsrichter widerspricht.

Schon in den Jahren 1978 bis 1992 durften Unparteiische hierzulande bei Amateurspielen Zeitstrafen verhängen. Die Regel wurde aufgehoben, als die Gelb-Rote Karte aufkam. Jetzt also ein Zurück? Wir haben uns im heimischen Fußball umgehört und gefragt, was die Beteiligten von der Idee einer weißen Karte verbunden mit einer Zeitstrafe halten.

„Das richtige Mittel“

Grundsätzlich ist die Idee nicht schlecht - das ist die Meinung von Frankenbergs Schiedsrichter-Lehrwart Steffen Rabe zur diskutierten Einführung einer Zeitstrafe im Fußball. „Es gibt Situationen, wo es Sinn macht, Spieler für eine Zeit herauszunehmen, damit diese herunterfahren können.“ Dabei sieht er die Zeitstrafe als zusätzliche Bestrafung und nicht als Ersatz für die Gelb-Rote Karte. „Die ist ein Mittel, um die Summe der Vergehen zu be-strafen.“ Die Zeitstrafe könne bei Situationen im Grenzbereich angewendet werden. „Es gibt Fouls mit einem gewissen Härtegrad, wo Rot zu viel, aber Gelb zu wenig ist. Da wäre eine Zeitstrafe genau das richtige Mittel.“

Auch Waldecks Kreisschiedsrichterobmann Matthias Henkelmann ist für die Wiedereinführung Zeitstrafe. „Ich war damals dafür, dass die Zeitstrafe bleibt“, so der Ehringer. „Die Zeitstrafe ist ein wunderbares Mittel, um Schlimmeres zu verhindern. Ich verstehe nur nicht, warum die hohen Herren immer so lange brauchen, um das zu erkennen.“ Dabei plädiert er wie Rabe dafür, dass die Zeitstrafe nicht nur wie bisher diskutiert bei Unsportlichkeiten gegenüber Schiedsrichtern eingesetzt werden kann, sondern auch bei zu bestrafenden Fouls. „Mit der Zeitstrafe hätten wir dann drei Möglichkeiten, Vergehen zu ahnden.“

Keine Einwände

Rolf Hocke, der Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes sagt: „Wir würden die Einführung der weißen Karte durchaus begrüßen.“ Er verweist dabei vor allem auf die zustimmende Rückmeldung aus der Schiedsrichtergilde. Allerdings: Der Hessische Fußball-Verband kann die Zeitstrafe nicht einfach so einführen.

Zunächst müsste die Europäische Fußball-Union den nationalen Verbänden die Möglichkeit einer Zeitstrafe einräumen. Danach könnte der Deutsche Fußball-Bund dann per Vorstandsbeschluss die weiße Karte einführen - und zwar für alle Landesverbände. Bis wann das der Fall sein könnte: „Nicht vor der nächsten Saison“, sagt der Waberner Hocke.

Die Einführung einer Zeitstrafe im Fußball sieht Jörg Büchse positiv. Wir sprachen mit dem Trainer des Gruppenligisten TSV/FC Korbach über den Vorschlag einer weißen Karte.

Herr Büchse, die Einführung der Zeitstrafe wird derzeit diskutiert. Die Schiedsrichter sind dem Vorschlag gegenüber aufgeschlossen, was halten Sie als Trainer von der Idee?

Jörg Büchse: Ganz schlecht war die Zeitstrafe ja schon früher nicht. Ich finde das schon recht positiv. Da kann ein Spieler auch mal innerhalb von einigen Minuten draußen abkühlen und seine Sinne wieder sammeln. Auch ich als Trainer kann auf einen Spieler während einer Zeitstrafe einwirken und ihn beruhigen.

Ist eine weitere Form der Bestrafung überhaupt notwendig?

Büchse: Ich denke schon. Es ist für den Schiedsrichter von Vorteil, wenn man mehrere Möglichkeiten der Kommunikation und Bestrafung hat. Bislang hat der Schiedsrichter die Mittel der Ermahnung, dann der Verwarnung und schließlich des Feldverweises. Es ist von Vorteil, wenn nun vor der Roten oder Gelb-Roten Karte eine weitere Möglichkeit hinzukommt. So wird auch ein wenig der Druck vom Schiedsrichter genommen.

Wie groß sehen Sie den Vorteil, wenn eine Mannschaft zeitweise in Überzahl spielenkann? 

Büchse: Nicht groß. Innerhalb beispielsweise von fünf bis zehn Minuten, die eine Zeitstrafe dauern könnte, kann ich mir nicht vorstellen, dass das große Auswirkungen auf den Spielverlauf hat.

Von Florian Hagemann und Thorsten Spohr

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