Frauenfußball

Jennifer Cramer: Verletzt und auf Vereinssuche 

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Das Bild wird es wohl nicht mehr geben: Jennifer Cramer im Trikot von Turbine Potsdam. Der Fußball-Bundesligist hat Cramers Vertrag im Sommer nicht verlängert. 

Birkenbringhausen. Lange Zeit ging es für Jennifer Cramer steil bergauf. Die Fußballerin lief für Turbine Potsdam auf  und war Stammspielerin der deutschen Nationalmannschaft, mit der sie 2013 Europameister wurde. Doch in den letzten drei Jahren folgte Rückschlag auf Rückschlag.

„Das kann man so sagen“, antwortet die 25-Jährige auf die Frage, ob die letzten Jahre einfach zum Vergessen gewesen seien. 2015 – nach der Weltmeisterschaft – musste Jennifer Cramer das erste Mal unter das Messer, ein freier Gelenkkörper wurde im Sprunggelenk entfernt. Kaum genesen, folgte der nächste Schock: Im März 2017 wurde ein Knorpelschaden im gleichen Sprunggelenk diagnostiziert. Wieder eine OP, wieder Reha, wieder eine lange Pause. 

Und als wäre das noch nicht genug, folgte im Frühsommer dieses Jahres eine Operation, diesmal wegen eines Knorpelschadens am Knie. „Wenn ich was habe, dann richtig. Immer so richtig langwierige Sachen“, kommentiert die Fußballerin aus Birkenbringhausen bei Frankenberg diese schwarze Serie.

Und es sollte noch schlimmer kommen: Denn im Sommer setzte sie ihr alter Verein, Turbine Potsdam, vor die Tür. Sicher, ihr Vertrag lief nach dem Ende der Spielzeit 2017/18 aus, doch Cramer weiß: „Man lässt keine Spielerin fallen, die gerade verletzt ist. Das tut man im Sport einfach nicht.“ Turbine tat es aber. Und das tut Cramer spürbar weh. Zumal sie lange Zeit eine Potsdamerin war. 

Sie lief zehn Jahre für Potsdam auf

Für den Verein im Speckgürtel von Berlin lief sie zehn Jahre lang auf, wurde mehrfach Deutscher Meister, stand mehrfach im Pokalfinale, war als Stammkraft im Nationalteam ein Aushängeschild des Vereins. Und dann wurde sie einfach still und heimlich am Saisonende abserviert. Das schmerzte und schmerzt immer noch.

Warum Potsdam diese Entscheidung fällte, weiß sie selber nicht so richtig. 2016 kam es bei Turbine zum Trainerwechsel. Während der langjährige Coach Bernd Schröder zuvor stets auf Jennifer Cramer baute, tat dies sein Nachfolger Matthias Rudolph plötzlich nicht. „Nach dem Wechsel wurde ich einfach nicht mehr berücksichtigt“, sagt Cramer und fügt an: „Ich hatte bei ihm keine Chance mehr.“ Eine Begründung hatte sie dafür lange Zeit vermisst. Erst später erfuhr sie, dass Rudolph seiner verletzten Spielerin wohl nicht mehr zutraute, in der Bundesliga spielen zu können.

Und genau das ist es, was Jennifer Cramer derzeit antreibt, was ihr Kraft bei der Reha gibt. „Das will ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich weiß, dass ich es kann und das wurde mir auch durch anderen bestätigt.“ Nur wie und wo - das ist bei Cramer nicht ganz so einfach. Die 25-Jährige absolviert gerade ihr Studium bei der Brandenburger Polizei, ist beruflich also gebunden. Höherklassige Vereine gibt es aber außer Turbine Potsdam in der Region nicht. „Es gab Anfragen von anderen Vereinen, die ich aber wegen der Polizei nicht wahrnehmen konnte“, berichtet Cramer.

Cramer möchte wieder angreifen

Ihre Ausbildung läuft noch bis Oktober – viel weiter vorher dürfte sie aufgrund ihrer Knieverletzung ohnehin nicht spielen können. „Erstmal muss ich wieder fit werden.“ Dann aber will sie noch einmal angreifen, schauen, dass sie einen neuen Verein findet. Nach Möglichkeit erstklassig - ob in der Bundesliga oder im Ausland.

Turbine bot ihr zwar an, in der Reserve zu spielen. Cramer stellt aber klar: „Das wäre eine Option für den Wiedereinstieg, aber nicht mein Anspruch auf Dauer.“

Nun heißt es aber Kraft tanken in der Heimat. Weihnachten und den Jahreswechsel will sie in Birkenbringhausen verbringen. „Meine Familie hat immer hinter mir gestanden, das hilft in so einer Situation“, sagt Cramer.

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