Interview mit dem Vorsitzenden des TSV Frankenberg

Klaus Hartmann über zweiten sportlichen Lockdown: Eine schmerzliche Situation

Hofft, dass spätestens im Januar der Sportbetrieb wieder anlaufen kann: Klaus Hartmann, Vorsitzender des TSV Frankenberg.
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Klaus Hartmann, Vorsitzender des TSV Frankenberg.

Frankenberg – Als eine „schmerzliche Situation“ bezeichnet Klaus Hartmann, Vorsitzender des TSV Frankenberg, den neuerlichen sportlichen Lockdown.

Im Juni haben wir uns das erste Mal mit Klaus Hartmann über die Folgen des sportlichen Stillstandes für den TSV Frankenberg unterhalten. Nun ruht der Sportbetrieb zum zweiten Mal in diesem Jahr. Grund genug, uns beim Vorsitzenden des größten Vereins im ehemaligen Sportkreis Frankenberg erneut zu melden und zu fragen, wie die Lage bei den „Hessen“ ist und wie Hartmann die Situation sieht. „Man wünscht sich, dass es bald wieder Richtung Normalität geht. Auch wenn das derzeit keiner wirklich garantieren kann’“, sagt Hartmann.

Herr Hartmann, wie hat man beim TSV Frankenberg die Nachricht vom zweiten sportlichen Lockdown in diesem Jahr verkraftet?

Das war schon eine schmerzliche Situation, wir hatten ja alle gehofft, dass man unter den Rahmenbedingungen seinem Sport wieder nachgehen kann. Dass jetzt wieder alles auf Null gefahren ist, ist enttäuschend. Es gibt zwar die Möglichkeit, wieder mit bis zu zwei Leuten zu trainieren, aber der Landkreis wird dafür ja mit Sicherheit keine Sporthalle öffnen. Wir hoffen, dass sich die Lage bald wieder beruhigt und wir im Dezember oder im Januar wieder Sport im „kontrollierten Normalbetrieb“ anbieten können.

Gibt es Gruppen, die derzeit trainieren?

Wir prüfen gerade, ob wir unser Vereinsheim nutzen können, um dort zum Beispiel zu zweit Tischtennis zu trainieren. Auch Billardtraining könnte es wieder unter den vorgegebenen Bedingungen geben. Aber das betrifft nur ganz wenige Teilbereiche.

Bei unserem ersten Gespräch im Sommer sagten Sie, dass Sie nicht zu pessimistisch sein und nicht alles nur negativ sehen wollten. Ist diese Einstellung so geblieben?

Wieso auch nicht? Wir müssen positiv nach vorn schauen und das umsetzen, was vertretbar und gesetzeskonform ist. Was anderes bleibt uns nicht übrig.

Die Infektionszahlen steigen weiter, es ist nicht ausgeschlossen, dass vielleicht auch im Dezember kein Sport stattfinden kann. Was würde das für den TSV Frankenberg bedeuten?

Wir hoffen, dass die Infektionszahlen bald wieder gebremst werden. Vor dem neuen Lockdown haben ja immer noch viele Menschen ihre Kontakte ausgeweitet – da darf man sich nicht wundern, dass die Zahlen erst einmal noch gestiegen sind. Wir sollten abwarten und schauen, wie sich die Pandemie weiter entwickelt. Viele Verbände haben ja schon bis Ende Dezember ihren Spielbetrieb gestoppt.

Die Vereine haben viel Energie in Hygienekonzepte gesteckt und damit im Sommer den Sportbetrieb wieder ins Laufen gebracht. Sind Sie enttäuscht, dass gerade der Sport nun ein Teilbereich ist, der nicht stattfinden kann?

Natürlich ist man enttäuscht. Auf der anderen Seite ist klar, dass man in der Pandemie dort ansetzen muss, wo eine Durchmischung von Personengruppen stattfindet. Das ist im Sport dort der Fall, wo viele Leute zusammenkommen. Irgendwo musste man wohl eine Grenze ziehen und jeder, der betroffen ist, wird das als ungerecht bezeichnen gegenüber anderen, die nicht betroffen sind.

Leichtathleten und Beachvolleyballer haben im Sommer mit viel Aufwand sogar einige Wettkämpfe veranstaltet. Wie wichtig war so etwas in diesen Zeiten?

Das war von der psychologischen Seite her sehr wichtig, dass man wieder in einen relativen Normalmodus hereinkommt, um zu sehen, wo stehe ich als Sportler und Sportlerin leistungsmäßig? Dafür braucht man ja eben Wettkämpfe.

Hat sich ein Teilnehmer der TSV-Sportstunden mit dem Corona-Virus infiziert?

Stand jetzt nein. Wenn so etwas passiert wäre, hätte ich sicherlich davon erfahren. Aber es ist ja auch sehr schwierig eindeutig nachzuweisen, wo man sich infiziert hat.

Sind die Hallensportarten besonders betroffen? Eine Sportart wie zum Beispiel Handball ist seit fast einem dreiviertel Jahr fast ohne jeden Wettkampf. Macht man sich da Sorgen um den Fortbestand?

Letztlich müssen wir auch da schauen, wann es weitergeht. Wichtig ist, dass irgendwann wieder Wettkämpfe ermöglicht werden, dann steigt automatisch wieder die Motivation für den Trainingsbetrieb.

Lief im Sommer der Sportbetrieb wieder komplett, oder gab es Gruppen, die aus Angst vor dem Virus noch nicht wieder gearbeitet haben?

Viele Sportangebote haben wieder stattgefunden. Unsere Reha-Gruppen haben ebenfalls wieder angefangen, auch wenn dort einige aus Vorsicht nicht teilgenommen haben. Allerdings: Einige Kindergruppen zum Beispiel beim Turnen oder Schwimmen konnten noch nicht wieder anfangen oder haben nur einen oder zwei Tage mit dem Übungsbetrieb begonnen, ebenso die Ballschule der Volleyballer. Das macht uns auch Sorge, weil aus diesen Gruppen ja der sportliche Nachwuchs für die Abteilungen kommt.

Halten die Mitglieder dem TSV bislang die Treue oder gab es vermehrt Kündigungen?

Kündigungen gibt es im Jahresverlauf immer wieder aus den verschiedensten Gründen. Aber dass es jetzt mehr gab, kann ich nicht erkennen. Ich glaube auch nicht, dass bis zum Jahresende noch eine größere Austrittswelle kommt. Die Vereinstreue wird sicherlich nicht durch die Corona-Pandemie geprägt.

Wie viele Lockdowns kann der Sport noch verkraften, ehe Vereine wie der TSV Frankenberg langfristig darunter leiden?

Wer kann so eine Frage schon abschließend bewerten? Letztlich müssen wir alle wohl das annehmen, was aus gesundheitlichen Gründen für die Gesellschaft gefordert ist. Das Leben ist oft leider kein Wunschkonzert. Dennoch glaube ich, dass wir im nächsten Jahr mit allen Verantwortlichen im Verein Kraft und Wege finden, bei abnehmender Corona-Pandemie einen Neustart des Trainings- und Wettkampfbetriebs zu realisieren. (von Thorsten Spohr)

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