Aktion Junges Ehrenamt

Chris Mvemba ist als Übungsleiter so vielseitig wie als Sportler

Beobachter mit Abstand: Chris Mvemba im Leichtatlethik-Training beim TV Friedrichstein mit Madita Syring, Charlotte Mogk und Marlene Schaumburg.
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Beobachter mit Abstand: Chris Mvemba im Leichtatlethik-Training beim TV Friedrichstein mit Madita Syring, Charlotte Mogk und Marlene Schaumburg.

„Da müssen Jüngere ran.“ Hat mancher altgediente Ehrenamtler zum Ausstand gesagt. Und trotz Nachwuchsmangel gibt es sie: Junge Menschen im Ehrenamt. Was treibt sie an? Wir stellen sie vor.

Bad Wildungen – Der Sport gilt als starker Motor der Integration. Er bringt Menschen über alle Unterschiede hinweg zusammen. Für Chris Mvemba war und ist er noch mehr. Der Sport hat nicht nur den Boxer, Fußballer, Leichtathleten Mvemba gemacht, nicht nur den Trainer und Übungsleiter, sondern auch den Studenten und angehenden Lehrer Mvemba. Das muss man erklären.

Der Bad Wildunger, mit bereits 28 Jahren der älteste in unserer Ehrenamts-Serie, wusste nach dem Abi am Gustav-Stresemann-Gymnasium nicht so recht, wie weiter. Er leistete ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Deutschen Roten Kreuz, blieb dort um Geld zu verdienen. Perspektive? Ungewiss.

Irgendwann hätten ihn die Kollegen ermuntert, er solle doch auf Lehramt studieren. Er könne doch so gut mit Kindern umgehen. So erzählt es Mvemba. Er hat den Rat angenommen. Seit Oktober 2019 studiert er in Kassel und will Grundschullehrer werden.

Ein Händchen für Kinder

Dass er ein Händchen für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen hat, hatte Mvemba früh gezeigt. Im VfL Bad Wildungen assistierte er schon als Heranwachsender beim Basketball-Training. Im TV Friedrichstein trainiert er derzeit die Leichtathleten ab der Altersklasse U12, Trainer ist er außerdem im „Fight Club 21“, wo er Boxen und „Mixed Martial Arts“ (MMA) selbst betreibt und unterweist.

Seine Motivation? „Ich fördere gerne Kinder und Jugendliche und möchte sie unterstützen, das Beste aus sich rauszuholen, egal in welchem Bereich“, sagt er. Das, womit er sich am besten auskenne, sei nun mal der Sport.

Kann man so sagen: Chris Mvemba war besonders vielseitig und zum Beispiel Hessenmeister im Boxen, Nordhessenmeister im Hochsprung und spielte Fußball bis zur Kreisoberliga. Heute sieht Mvemba sein breit gefächertes Sporttreiben auch kritisch. Dass er sich nicht auf eine Sportart konzentriert und so viel investiert habe, „dass auch genug zurückkommt“, sei ein Fehler gewesen, sagt er. „Da möchte ich gerne ansetzen, dass die jungen Athleten nicht die gleichen Fehler machen wie ich.“

Muss man sich Mvemba als strengen Trainer vorstellen? „Ich würde mich eher als konsequent bezeichnen.“ Individuell gute Beziehungen zu den Kindern seien wichtig, um erfolgreich zusammenzuarbeiten. „Aber ich finde auch, dass eine gewisse Disziplin dazugehört. Ich benutze gern den Sport, um die Kinder auf das Leben vorzubereiten.“

Besonderen Ehrgeiz investiert er derzeit in sein Amt als Basketballtrainer. Beim VfL ist er für die weibliche Jugend zuständig. „Wir bauen da etwas Gutes auf, es sieht ziemlich vielversprechend aus.“

Unter der Woche ist Mvemba jeden Tag für den Sport unterwegs. Er gebe durch sein Engagement viel zurück, schreibt Jutta Mogk, Abteilungsleiterin Leichtathletik beim TVF. Sie schreibt auch, er habe einen schweren Start gehabt und sich über den Sport „gut in die Gesellschaft integriert“.

Rassismus-Erfahrungen

Doch die anderen Sportler waren nicht immer anständig zu ihm. Mvemba, dessen Familie einst aus dem Kongo nach Europa kam, ist schwarz, und auf die Frage nach Rassismus-Erfahrungen erzählt er etwa, wie Gegenspieler beim Fußball ihn mit dem N-Wort beleidigten. Mvemba spricht dabei aber von Ignoranz. „Ich würde tatsächlich sagen, dass sie nicht Rassisten waren.“ Es sei eher darum gegangen, ihn aus dem Spiel zu bringen. „Sie meinten deshalb, sie müssen mich verletzen.“

Mvemba fühlt sich insgesamt sehr gut integriert. Einmal in den Vereinen, in denen er das Miteinander mit anderen Übungsleitern schätzt. Aber auch in der Grundschule Edertal, wo er zeitweilig einen Lehrauftrag hatte und bis heute Aufgaben übernimmt.

„Da war ich eher der, der mit Vorurteilen reingegangen ist. Ja, ein Dunkelhäutiger: Was werden die Kinder denken, was die Eltern? Aber im Gegenteil, ich bin super aufgenommen worden.“ Auch und gerade in der Leichtathletik habe er nicht das Gefühl, „dass ich anders behandelt werde wegen meiner Herkunft und Hautfarbe. Diese Erfahrung habe ich persönlich nicht gemacht.“

Hintergrund der Aktion

Oft werden von Vereinen und Verbänden vor allem ältere Mitglieder der Sportfamilie für ihre Verdienste geehrt. Doch es gibt auch zahlreiche junge Menschen, die sich in den Sportvereinen ehrenamtlich engagieren. Sie will der Sportkreis Waldeck-Frankenberg zu seinem 75. Geburtstag in diesem Jahr besonders in den Mittelpunkt stellen. 13 junge, engagierte Sportlerinnen und Sportler wurden ausgesucht und werden von der Frankenberger Allgemeinen und der Waldeckischen Landeszeitung in den kommenden Wochen vorgestellt. Die Ehrung soll beim Sportkreistag am 8. Juli in der Korbacher Kreissporthalle erfolgen. 

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