Handball Waldeck-Frankenberg

Schiedsrichtersoll und Strafen: HSG Bad Wildungen muss 2610 Euro zahlen

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Fehlen sie, gibt es für die Vereine die Rote Karte: Die Bestrafungen wegen der Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls sorgen bei den Klubs immer wieder für Unmut.

Auch im Handball bestraft der Verband Vereine, die das Schiedsrichtersoll nicht erfüllen, mit Geldstrafen und Punktabzügen. Wir haben uns die Lage bei den Waldeck-Frankenberger Klubs angeschaut.

Drei Punkte Abzug, dazu eine Geldstrafe in Höhe von 2600 Euro. Die Handballer der HSG Bad Wildungen hat es von allen Waldeck-Frankenberger Vereinen am schlimmsten in Sachen Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls getroffen. Kein Wunder, dass man im Lager der HSG mit der Situation höchst unzufrieden ist.

Neun Schiedsrichter muss die HSG für den Spielbetrieb stellen, aber nur sechs Unparteiische sind für die Südwaldecker aktiv. Drei zu wenig. Und das sind genau die drei Schiedsrichter, die die HSG für die Bundesligamannschaft der Vipers stellen muss. Für den Breitensport alleine hätte die HSG gerade genug Schiedsrichter.

Punktabzug und Bestrafungen treffen aber nicht das eine eigene Einheit bildende Bundesligateam als höchstklassigste Mannschaft, sondern die Basis, denn Punktabzüge gibt es im Profibereich nicht. Und es ist jenes Missverhältnis, das Wolfgang Ochs kritisiert. „Bestraft wird nur der Breitensport. Es werden die getreten, die sich ehrenamtlich engagieren“, sagt das geschäftsführende Vorstandsmitglied des VfL Bad Wildungen, neben dem TV Friedrichstein und dem TV Bergheim einer der Stammvereine der HSG. „Das ist demotivierend.“

Ochs weist zudem auf die Verhältnismäßigkeit der Bestrafungen hin. Da ist der Punktabzug von drei Zählern, der nun die Männer trifft, die in der Bezirksoberliga ohnehin mit null Zählern am Tabellenende stehen. „Unfug“, findet Ochs, der daran erinnert, dass vor wenigen Jahren schon die Frauen wegen eines Punktabzugs absteigen mussten. „Was hat die Nichterfüllung eines Schiedsrichtersolls mit sportlichen Leistungen zu tun?“, fragt sich der VfL-Funktionär.

Genau so schlimm sind für ihn aber auch die Geldstrafen. 2600 Euro sind für einen Breitensportverein viel Geld. „Das macht mehr als zehn Prozent unseres Gesamtbudgets aus“, stellt Ochs klar. Er fordert: „Die Geldstrafen müssen in Relation stehen. Bei 3,50 Euro Monatsbeitrag, für die man bei uns Sport treiben kann, stehen sie das nicht.“ Und auch eine weitere Sache sorgt bei Ochs für Kopfschütteln. Denn der Verband berechnet für die Ausstellung des Bescheides über 2600 Euro auch noch zehn Euro Gebühr. „Die machen den Kohl zwar auch nicht fett“, sagt Ochs, der nicht zu Unrecht hinzufügt: „Muss so etwas wirklich sein?“

Zudem fragt er sich: Wem kommt das Geld eigentlich zu Gute? „Sinnvoll und wünschenswert wäre es, eine gezielte Akquise und Ausbildung von Schiedsrichtern damit finanziell zumindest zu fördern“, wünscht sich Ochs.

Das Dilemma, in dem Vereine stecken, untermauert auch eine weitere, beispielhafte Zahl aus der Badestadt. Ein einziger Schiedsrichter ist bei der HSG dabei, der seit 2012 Spiele leitet. Bei den übrigen Unparteiischen gibt es jedoch eine hohe Fluktuation. Probleme, die viele Vereine haben. Zwar schickt die HSG immer wieder neue Anwärter zu Schiedsrichter-Lehrgängen, doch bleiben die eben nicht lange bei der Stange.

Dabei spielt auch eine Rolle, dass gerade viele junge Handballer nach dem Abitur die Region verlassen, somit immer wieder wegbrechen. „Das ist das Kernproblem der ländlichen Region“, weiß Ochs. Der VfL-Funktionär sagt eines klar. „Wir wollen auch nicht, dass Spiele ausfallen, weil es keine Schiedsrichter gibt.“ Bestrafungen verschließt er sich grundsätzlich nicht. Dennoch mahnt er: „Der Verband sollte Maß halten und die Vereine nicht über Gebühr belasten.”

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