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Seine Sucht: das Biken - und dabei fährt Aaron Wilhelmi allen davon

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Von: Friederike Weiler

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Mountainbiker Aaron Wilhelmi aus Löhlbach, hier beim Bikemarathon in Willingen.
Konzentriert im Sattel: Aaron Wilhelmi, hier beim Bikemarathon in Willingen. © Alexander Rebs

Sein Herz schlägt für den Radsport. Aaron Wilhelmi aus Löhlbach nutzt jede freie Minute, um Arbeitskleidung gegen Fahrradtrikot zu tauschen. Doch wieso gerade das Rad? „Auf dem Dorf ist das Rad bis zum Führerschein Fortbewegungsmittel Nummer eins“, sagt der 25-Jährige und ergänzt: „Und mittlerweile ist es für mich der perfekte Ausgleich zur Arbeit. Ich schwinge mich aufs Rad, düse durch den Wald und kann dabei völlig abschalten.“

Löhlbach - Doch obwohl er während der Schulzeit in Oberurff auch der Triathlon-AG angehörte, hat er danach eine längere Rad-Pause eingelegt. „Während dem Fachabitur, der Ausbildung, der Meisterschule und der Zimmerer-Nationalmannschaft fehlte mir einfach die Zeit dafür. Trotzdem habe ich mir zum 18. Geburtstag ein Rennrad gekauft, zum Unverständnis meines Vaters. Damit bin ich auch nur 35 Kilometer gefahren – vom Radgeschäft bis nach Hause, danach hat’s dann eben sechs Jahre lang im Keller gehangen, das hatte mein Vater wohl vorher schon geahnt.“

Nach Meisterschule und Nationalmannschaft 2018 probierte es der Löhlbacher mit dem Laufen. „Aber das war auch nicht das Wahre, zumal ich von der Arbeit her schon zwei Bänderrisse im linken Fuß hatte, außerdem kamen dann noch Knieschmerzen hinzu. Und Börge Meier, ein Mitarbeiter von uns, hat schon immer an mir gebohrt, dass ich lieber wieder aufs Rad steigen sollte und das habe ich dann vor knapp zwei Jahren auch gemacht und dann nahm der Wahnsinn seinen Lauf.“

Egal, ob Renn- oder Mountainbike, trainiert wird mit beiden Sportgeräten. „Das Augenmerk liegt aber aktuell mehr auf dem Mountainbike, da kann ich meine Stärke besser ausspielen“, so der 25-Jährige, der ergänzt: „Beim Rennradrennen fahren die Sportler 80 Kilometer lang nur in deinem Windschatten, sprinten dann einmal am Ende und ziehen an dir vorbei. Beim Mountainbiken ist die ganze Sache erdiger: Wer am Berg nicht mitfahren kann, der fliegt eben raus.“

Doch von nichts kommt nichts: „Ich trainiere täglich und die Sommerzeit kommt mir natürlich extrem entgegen, weil ich abends nach der Arbeit noch länger fahren kann. In den Wintermonaten sieht’s leider anders aus, da bleibt mir nur die Rolle im Wintergarten, aber das ist schon recht öde.“ Zwischen zwölf bis 14 Stunden kommen so unter der Woche zusammen. „Und am Wochenende stehen die Rennen an.“

So kam Wilhelmi 2021 beispielsweise auf über 17 000 Kilometer mit dem Rad. „Das ist für mich der perfekte Ausgleich zur Arbeit. Ich sitze lange im Büro oder eben im Auto, um Termine wahrzunehmen. Da bin ich abends froh, wenn ich einfach aufs Rad steigen und für ein paar Stündchen meinen Kopf ausstellen kann, ohne an irgendetwas zu denken.“

Über den vergangenen Winter ist er außerdem viel Mountainbike mit Tobias Schmidtmann aus Römershausen gefahren. „Wir haben uns über ein Trainingsrennen kennengelernt, wohnen nah beieinander und fahren auf einem ähnlichen Level, das passt ganz gut und hilft beiden extrem weiter. Und alleine quälen ist schließlich nicht so schön wie zu zweit.“

Da lag es auch nahe, gemeinsam an Rennen teilzunehmen. „Das hat mir Tobi vorgeschlagen, weil er schon an vielen Marathons teilgenommen hat. Wettkampfluft zu schnuppern, ist natürlich auch noch einmal etwas ganz anderes. Und vier Stunden auf Anschlag fährt man ja auch im Training nicht.“

Nach dem Kellerwald-Marathon im April in Gilserberg mit Rang sechs, dem dritten Platz in Sundern, Position sieben in Neheim sowie Rang zehn beim Bike-Festival in Willingen im Mai hat er direkt die Führung in der Gesamtwertung der Nutrixxion-Marathon-Trophy in der Eliteklasse über die Langstrecke übernommen, einer Serie aus sechs Marathons, von denen die besten vier Ergebnisse in die Wertung kommen.

„Im Kellerwald kannte ich noch niemanden, in Sundern dann schon ein paar Leute mehr. Und weil ich immer sofort versuche, mich an die Schnellsten dran zu hängen, bin ich in der Spitzengruppe mitgefahren und habe mich gewundert, wie gut es doch geht. Da wird die Brust dann schon breiter“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Es ist Wilhelmis erste Wettkampfsaison. „Wenn ich nach einem Rennen sage, dass ich erst seit gut 1,5 Jahren richtig Rad fahre, will das natürlich niemand hören“, lacht der 25-Jährige und fügt an: „Aber es ist wie bei allem: Große Ergebnisse erfordern großen Ehrgeiz, das ist mein Leitspruch, egal ob bei der Arbeit oder beim Sport. Wenn ich etwas mache, dann packe ich es auch richtig an und ziehe es durch. Die Willensstärke zählt. Aber das Radfahren liegt mir auch und ich kann mich auch gut quälen“, so der 25-Jährige.

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