Lieblingssport im Coronakorsett

Tennis: Frankenberger Herren 65 in die Saison gestartet

Dr. Wolfgang Grebe von den Herren 65 des TC BW Frankenberg, mit Tennisschläger in der Hand beim Ballwechsel
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Dr. Wolfgang Grebe von den Herren 65 gewann sein Spiel gegen Giuseppe Esposito von SGT Baunatal mit 6:0 und 6:1.

Die Herren 65 des TC Blau-Weiß Frankenberg sind in die Medenrunde gestartet. Es war der erste sportliche Wettkampf im Landkreis Waldeck-Frankenberg seit dem Beginn der Corona-Pandemie. Unser Redakteur Hans Dreier schaute beim Auftakt vorbei.

Von weitem betrachtet ist an diesem Mittwochmorgen auf der schön im Grünen an der Eder gelegenen Tennisanlage des TC Blau-Weiß Frankenberg alles wie immer: Auf vier Plätzen spielen sich die Herren 65 zum ersten Medenspiel der wegen Corona verspätet begonnenen Saison mit ihren Gegnern von der SGT Baunatal ein. Gleich wird das Gruppenligaspiel beginnen.

Erst bei näherem Hinsehen wird sichtbar, welche Einschränkungen die Tennisspieler akzeptieren müssen, um ihrem Sport im Pandemiejahr 2020 dennoch nachzugehen. „Klubhaus geschlossen“ verkündet ein Schild an der Tür zum Vereinsheim der Blau-Weißen. Dort und auf der überdachten Terrasse davor wäre normalerweise Kaffee serviert worden. Nun aber dürfen Getränke nicht einmal verkauft werden. Jetzt steht eine Kiste Mineralwasser für die Gäste bereit.

Immerhin: Geöffnet sind die Toiletten und Umkleiden. Aber mit Einschränkungen. „Duschen und Umkleiden – je Damen und Herren gleichzeitig nur drei Personen !!!“ ist dort zu lesen. Die drei Ausrufezeichen unterstreichen das Anliegen.

Auf der Rasenfläche zwischen Klubhaus und den Plätzen haben sich Gästespieler und Gastgeber in einem Kreis versammelt. Der Blau-Weiß-Vorsitzende Dr. Gerd Freytag begrüßt an diesem Morgen die Baunataler. „Ich bin kein gelernter Mannschaftsführer“, sagt der 69-Jährige schmunzelnd in die Runde und gibt bekannt, welches Pärchen auf welchem Platz spielen wird – ansonsten die Aufgabe des eigentlichen Teamkapitäns Gerd Welter, der den Auftakt aus privaten Gründen absagen musste.

Für die Gäste sind die Damen-Umkleiden reserviert, auf dem Weg und in der Umkleide besteht Maskenpflicht. Für Desinfektions- und Waschmittel ist gesorgt. Freytag erklärt noch einmal den Weg dorthin und fügt hinzu: „Wir wollen trotz aller Einschränkungen den Spaß am Spielen behalten.“ Genauso sehen das die Herren beider Teams, die ja aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören.

Gerd Freytag, seit 2008 Vorsitzender in Frankenberg, wird erst später im Doppel ins Spielgeschehen eingreifen. „Zuschauer sind nicht erlaubt“, schildert der Vorsitzende eine weitere Coronafolge und findet, dass „Geisterspiele im Tennis eigentlich hirnig sind“.

Keine Gastronomie

Wegfallen muss unter Corona-Bedingungen nicht nur der Handshake, sondern auch das Essen mit den Gästen nach Spielschluss. „Das wäre nur erlaubt, wenn wir Gastronomie im Klubhaus hätten, wenn also der Wirt für die Einhaltung der abstands- und Hygieneregeln verantwortlich ist.“

Die Abstandsregeln gelten auch auf und neben den Plätzen. So sind die Spielerbänke mit Mindestabstand von zwei Metern aufgestellt worden.

Platzwart Hans Sielaff, seit 1964 zu den Blau-Weißen gehörend, liefert derweil die ersten Zwischenergebnisse, und die klingen vielversprechend: „Hans Schilling hat den ersten Satz mit 6:2 gewonnen. Und auch Dr. Grebe hat den ersten Satz für Frankenberg geholt.“ Auf den Plätzen wird im Grunde gespielt wie vor Corona; nur die Begleitumstände sind andere.

Positiv gestimmt für den Tennissport bleibt trotz Corona Gerd Freytag: „Wir werden das schon schaffen“, sagt der Vorsitzende, viel schlimmer treffe es da die kleineren Vereine im Umkreis. Zwar müsse das beliebte traditionsreiche Vater-Sohn-Turnier in diesem Jahr auch ausfallen, denn „das können wir nicht leisten. Aber zu Freundschaftsspielen können wir einladen“, sagt Freytag.

Auf den Plätzen hat sich das Blatt inzwischen gewendet. Wilfried Geitz verlässt den Court. „Wilfried, hast Du geschwitzt?“, fragt Freitag seinen Vereinskollegen. „Ja, der Kontrahent war zu stark, ein übermächtiger Gegner“, antwortet er.

Dass Frankenberg letztlich durch die zwei Niederlagen in den Doppeln den Saisonauftakt mit 2:4 gegen Baunatal verliert, nehmen die Blau-Weißen sportlich. Zufrieden sind sie wie die Gäste, dass überhaupt gespielt werden durfte – dann eben ohne Handshake und gemeinsame dritte Halbzeit. „Dazu liebe ich den Tennissport zu sehr“, nimmt auch der Baunataler Mannschaftsführer Giuseppe Esposito das Corona-Korsett für seinen Lieblingssport in Kauf.

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