Die Gesundheit steht im Vordergrund, der Sport tritt in den Hintergrund

Umfrage: Heimische Fußballer finden die Verlegung der Europameisterschaft richtig

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Tschüss, Europameisterschaft: EM-Maskottchen Skillzy vor dem Schriftzug „Munich Europe“, der bis zum Ende des Turniers auf dem Dach der kleinen Olympiahalle aufgebaut bleiben sollte. Fotos:

Frankenberg - Die Europameisterschaft ist verlegt: Das finden Fußballer aus Waldeck-Frankenberg genau richtig. 

Ist Fußball nicht gerade die unwichtigste Nebensache der Welt? Stimmt schon, und viele, deren Denken sonst oft um den Ball kreist, beschäftigen sich in Zeiten der Corona-Krise mit anderen, durchaus existenziellen Themen. Doch es kommen andere Zeiten, und dann wird das Spiel wieder gebraucht. Vor diesem Hintergrund haben wir eine Umfrage unter Fußballern gestartet, wie sie zur Verschiebung des eigentlich im Sommer geplanten Großturniers EM ins Jahr 2021 stehen und was das möglicherweise mit ihrer eigenen Saison macht. Übrigens: EM-Tickets besitzt keiner der von uns Befragten.

Diese Stimmen haben wir gesammelt:

Thomas Mertens (Geschäftsführer der Fußballsparte des TuSpo Mengeringhausen): Angesichts der ganzen Entwicklung und da keiner weiß, ob in dieser Saison überhaupt noch mal Fußball gespielt werden kann, ist die Absage der EM aus meiner Sicht alternativlos. Die Verschiebung ins nächste Jahr und nicht in den kommenden Winter halte ich auch für absolut richtig. Man gewinnt damit acht Wochen Zeit, um die Saison in der Bundesliga zu Ende zu bringen. Ich würde die Absage losgelöst von der Fortsetzung der Saison in unseren Breitengraden betrachten, auch wenn es immer hieß, wir müssten bis zu einer EM/WM fertig sein. Unsere Saison wird nur schwerlich wie geplant bis zum 30. Mai zu Ende gespielt werden können. Eine Verlängerung wird nötig sein, gegebenenfalls mit Einschränkungen oder Veränderungen bei Auf- und Abstiegsregelung.

Karl-Reinhard Grosche (Obmann der SG Goddelsheim/Münden): Es gab ja wohl keine andere Lösung, als die EM abzusagen. Es verschafft auch der Bundesliga Luft, ihre Saison zu beenden. Ob es deshalb eine größere Chance gibt, die Saison der Amateure zu verlängern, da denke ich, das wird schwierig. Niemand weiß ja, wie lange die Welle mit dem Virus noch rollt, sie ist noch nicht abgeebbt. Ich denke aber, die ganze Fußballfamilie in unseren Klassen würde schon gerne sehen, dass die Saison zu Ende gespielt wird.

Sebastian Wack (Torwart und Co-Trainer SG Oberes Edertal): Ich finde die Entscheidung, die EM zu verschieben absolut richtig. Und ich denke, dass das auch nur Vorteile hat. Einerseits sehen wir ja, was aktuell los ist. Da gibt es sicher andere Probleme, die wir lösen müssen, bevor wir uns um eine EM kümmern sollten. Für unseren Lokalsport oder für die Bundesliga gibt es so noch einmal Spielraum nach hinten. Eventuell kann man mit der Saison dann bis in den Juni reingehen. Jedoch muss man dann klipp und klar gucken, ob es auch Sinn macht. Denn gerade im Amateurbereich sind da von den Spielern bereits gewisse Sachen im Privatbereich geplant. Dennoch gibt die EM-Verschiebung Alternativen, die Saison vielleicht nach hinten auszuweiten. Ob das so kommt, muss man sehen. Im Moment weiß keiner, wo die Reise hingeht.

Andrei Moldovan (Spieler und Co-Trainer der SG Bunstruth/Haina):In so einer Situation spielen Fußball und Mannschaftssport keine Rolle. Was soll ich sagen, ich finde die Entscheidung sehr richtig und voll in Ordnung. Schade ist die Absage allen Fußballs für unsere Amateurmannschaften. Aber was für die Nationalspieler bei der EM gilt, gilt ebenso für die Amateure bei uns auf Kreisebene: Die Gesundheit geht vor. Ich glaube nicht mehr daran, dass die Amateure ihre unterbrochene Saison noch zu Ende spielen können. Mal schauen, wie es weitergeht. Bis dahin bleibt uns zuhause das Kuscheln mit der Frau (lacht).

Patrick Michel (Spielführer des VfR Volkmarsen): Die EM abzusagen war grundsätzlich eine richtige Entscheidung, ebenso sie um ein Jahr zu verschieben. Da hängt mehr dran, nämlich der ganze Profi-, aber auch der Amateurfußball. Wir gewinnen wegen der EM-Verschiebung Zeit. Wenn es keine Verlängerung der Saison gibt, dann machen wir kein Spiel mehr. Ich glaube auch, dass wir im Amateursport gerade in den schönsten Monaten Juni oder Juli, wo sonst immer spielfrei oder Vorbereitung ist, Fußball spielen könnten. Es weiß aber niemand, wie sich das alles mit dem Virus entwickelt.

Simon Bohland (Spieler SG Geismar/Ellershausen): Die Verschiebung finde ich mit Blick auf die aktuelle Lage richtig und verständlich. Das Gesundheitliche gehört momentan absolut in den Vordergrund; und der Sport tritt in den Hintergrund. Ich persönlich hatte nicht vor, mir ein Spiel vor Ort anzuschauen. Aber für Fans, selbst wenn die schon Karten erworben hatten, das wird ja trotz der Verschiebung alles seine Gültigkeit behalten. Rein theoretisch könnte der Amateurfußball durch die EM-Verlegung jetzt noch Zeit gewinnen, um vielleicht die Saison doch noch zu Ende zu spielen. Aber es bleibt schwierig zu beurteilen, wie die Lage hier in vier Wochen aussieht. Von der jetzigen Situation her vermute ich aber, dass es mit dem zu Ende spielen der Kreisliga-Saison auch nichts mehr gibt.

Lukas Peintner (Spieler SG Vöhl/Basdorf/Werbetal): Ich denke, es ist eine vernünftige Entscheidung, die Europameisterschaft in den Sommer 2021 zu verlegen. Im Winter hätten die Nationalspieler eine viel zu kurze Pause zwischen der EM und den laufenden Wettbewerben gehabt. Vor allem für Europas Top-Ligen ist dieser Entschluss sinnvoll. Die Saisons können dann noch zu Ende gespielt werden, was für den Profifußball sicherlich wichtig ist. Aber das gilt auch für den Amateursport. Ich habe Bock in diesem Sommer weiter Fußball zu spielen und hoffe, dass es möglich ist, noch alle Saisonspiele auszutragen.

Von Gerhard Menkel, Hans Dreier und Silas Klöcker 

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