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Unglaubliches Tischtennisspiel: Zehn Matchbälle abgewehrt und noch gewonnen

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Von: Jörg Paulus

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Nach 1:10 noch 15:13: Jens Specht vom TSV Laisa hat im Tischtennis-Pokal gegen Bromskirchen II ein außergewöhnliches Spiel gewonnen.
1:10 zurückgelegen: Jens Specht vom TSV Laisa hat im Tischtennis-Pokal gegen Bromskirchen II neun Matchbälle in Serie abgewehrt, danach noch einen. © Paulus, Jörg

Was für ein Tischtennisspiel: Im Pokal zwischen Bromskirchen II und Laisa führten die Gastgeber im letzten Satz des letzten Einzels schon mit 10:1. Neun Matchbälle, um das Pokalduell mit 4:3 zu gewinnen. Doch dann wurde es unglaublich.

Bromskirchen/Laisa – „So was habe ich noch nicht erlebt!“ Jens Specht merkt man die Aufregung und die Begeisterung auch nach ein paar Tagen noch an. „Es war verrückt. Was für ein Spiel!“ Der 32-Jährige spricht von seinem Tischtennisspiel gegen Marco Weishaupt im Pokal-Viertelfinale der Kreisliga zwischen dem TSV Bromskirchen II und dem TSV Laisa. Der Bromskircher Weishaupt liegt im fünften und entscheidenden Satz bereits mit 10:1 vorne. Er hat neun Matchbälle. Und verliert noch.

Die ersten vier Sätze

Das Spiel ist ein echter Pokalkrimi. Die beiden spielen das letzte Einzel beim Gesamtstand von 3:3. Ihr Duell entscheidet also, welcher Verein das Pokalspiel gewinnt und ins Halbfinale einzieht. Und zunächst sieht es so aus, als würden sich die Gäste aus Laisa durchsetzen. Specht gewinnt die ersten beiden Sätze mit 11:6 und 11:7. „Ich kam gut mit ihm zurecht“, erzählt er. „Da war Jens klar besser“, gibt Weishaupt zu.

Der 50-jährige Bromskircher weiß, dass er etwas ändern muss: „Ich habe dann erstmal abgewartet und nicht zu früh Druck gemacht.“ Mit Erfolg: Weishaupt gewinnt den dritten Satz mit 11:8. „Er hat sich immer besser auf mich eingestellt“, sagt Specht. Auch der vierte Satz geht an Weishaupt, 11:6.

Der fünfte Satz

Es geht in den fünften Satz, den entscheidenden. Und was die Spieler, Mitspieler und Zuschauer da erleben, werden sie nie vergessen. Es sind etwa 25 Menschen in der Schützenhalle. Parallel zu dem Pokalspiel der Kreisliga spielt die Bromskircher Erste im Bezirkspokal gegen Sterzhausen (0:4). „Unser Spiel war das letzte an dem Abend, alle haben zugeguckt“, berichtet Weishaupt.

Marco Weishaupt
Marco Weishaupt © Jörg Paulus

Die Zuschauer sehen, wie Weishaupt im fünften Satz Punkt um Punkt davonzieht. „Da hatte ich ihn im Griff“, erzählt er. „Bei mir lief gar nichts mehr“, sagt Specht. Bei 5:0 für Weishaupt ist Seitenwechsel, und dann steht es schon 10:1. Neun Matchbälle für Weishaupt. „Das ging so schnell“, sagt Specht, der sich noch über die verspielte 2:0-Satzführung ärgert. „Beim 10:1 habe ich mir gesagt: Jetzt hältst nur noch den Ball im Spiel.“

Und Weishaupt? „Eigentlich hatte Jens im fünften Satz keine Chance mehr“, sagt er. Und bei 10:1 wird ihm der eine fehlende Punkt auch noch gelingen, ist er sich sicher. Durch einen eigenen Siegschlag, einen Fehler des Gegners oder zur Not einen Kantenball oder Netzroller.

Nach dem 10:1

Der nächste Punkt geht an Specht. 10:2. Kein Problem für Weishaupt. Er hat ja noch acht Matchbälle. 10:3, 10:4. Alles okay für den Bromskircher, noch sechs Matchbälle. „Ich hab mir gesagt: Den Punkt machst du noch.“ 10:5, 10:6. Noch vier Matchbälle. „Marco hat sich nicht mehr getraut, anzugreifen“, bemerkt Specht, ohne da schon an seinen eigenen Sieg zu glauben. Er gibt aber nicht auf. 10:7, 10:8. Zwei Matchbälle noch. „Ich habe nicht mehr ganz so überzeugend gespielt“, ärgert sich Weishaupt. Wieder Punkt für Specht. 10:9.

Marco Weishaupt hat noch einen Matchball. Er hat aber auch schon acht nicht genutzt. Daran denkt er jetzt mehr als an den immer noch nahen Sieg. „Vielleicht hätte ich vorher ein Time-Out nehmen sollen?“, fragt er sich.

Und dann macht Jens Specht seinen neunten Punkt in Folge. 10:10. Der Laisaer hat neun Matchbälle in Serie abgewehrt. Unglaublich!

In der Verlängerung

Noch ist das Spiel nicht entschieden. Wer gewinnen will, braucht zwei Punkte Vorsprung. Es bleibt spannend. Specht macht auch den nächsten Punkt zum 10:11 aus Bromskircher Sicht und hat nun selbst einen Matchball. Wahnsinn! Einige Minuten vorher liegt er noch 1:10 hinten. Erst jetzt gelingt Weishaupt wieder ein Punkt. 11:11. Dann wieder Specht. 11:12. Zweiter Matchball für den Laisaer. Auch den wehrt Weishaupt ab. 12:12.

„Man kann natürlich sagen, dass das meine Dummheit war. Aber Jens hat das super gemacht. Er hat gekämpft und nach dem 10:1 keine Fehler mehr gemacht.“

Marco Weishaupt

Es wird immer verrückter. Denn jetzt geht Weishaupt wieder in Führung. 13:12, sein zehnter Matchball. Jetzt muss es doch klappen. Aber wieder nicht. „Den Ball hab‘ ich zu überhastet abgeschlossen“, ärgert er sich. 13:13. Specht hat auch den zehnten Matchball abgewehrt und geht dann selbst wieder mit 13:14 in Führung.

Und dann kommt „der krönende Abschluss“, wie Weishaupt selbstironisch sagt: Der Bromskircher beendet das Spiel mit einem Fehlaufschlag. 13:15. Sieg für Jens Specht. Laisa gewinnt das Pokalspiel mit 4:3.

Jubelschreie

„Da musste ich erstmal laut schreien“, erzählt Specht. Die Anspannung muss raus. Auch seine Mitspieler Robert Paulus und Tobias Geil schreien ihre Freude heraus. Diesen Sieg hatten sie nicht mehr für möglich gehalten.

15:13 gewonnen: Jens Specht zeigt mit den beiden Zählgeräten seine unglaubliche Aufholjagd.
15:13 gewonnen: Jens Specht zeigt mit den beiden Zählgeräten seine unglaubliche Aufholjagd. © Jörg Paulus

Und die Bromskircher? „Nach der Euphorie beim 10:1 war es am Ende mucksmäuschenstill bei uns“, sagt Weishaupt. „Man kann natürlich sagen, dass das meine Dummheit war. Aber Jens hat das super gemacht. Er hat gekämpft und nach dem 10:1 keine Fehler mehr gemacht.“

Trost und Häme

Nach dem Spiel wird Weishaupt von seinen Mitspielern getröstet, in der Nacht kann er kaum schlafen. Noch immer denkt er an die zehn Matchbälle. „An den nächsten Tagen musste ich mir natürlich auch einige Häme anhören.“ Auch mit dem Anruf der HNA habe er gerechnet. „Nach so einem Spiel!“

Nach einigen Tagen und schlafreicheren Nächten sieht Weishaupt das Pokalspiel schon etwas entspannter. „Natürlich wollte ich das Spiel gegen Jens gewinnen, aber der Pokal war uns gar nicht so wichtig“, sagt er. Wichtiger ist den Bromskirchern der Klassenerhalt in der Kreisliga, in der sie nach der Vorrunde Vorletzter sind. Abstiegsplatz. Das Punktspiel gegen Laisa zwei Wochen vor dem Pokal gewinnt Bromskirchen mit 9:5. Auch da treffen Weishaupt und Specht aufeinander – im Doppel. Weishaupt siegt. Im fünften Satz mit 11:6.

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