Fußballkreis Frankenberg

Kreisfußballwart Jürgen Schicke will Zusammenarbeit mit Waldeck in den kommenden Jahren verstärken

Die Corona-Pandemie bestimmte bislang seine Amtszeit: Frankenbergs Kreisfußballwart Jürgen Schicke.
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Die Corona-Pandemie bestimmte bislang seine Amtszeit: Frankenbergs Kreisfußballwart Jürgen Schicke.

Seit etwas mehr als einem Jahr ist Jürgen Schicke Fußballwart des Kreises Frankenberg. Im Interview spricht er sich mit Blick auf die nächsten Jahre für eine engere Zusammenarbeit mit Waldeck aus.

Frankenberg – Im Scherz wurde Jürgen Schicke schon einmal gesagt: „Unter deinem Vorgänger war alles besser. Der hat seine Saisons immerhin zu Ende gespielt.“ Ernst gemeint ist das natürlich nicht, aber es verdeutlicht, was die Arbeit des Frankenberger Kreisfußballausschusses (KFA) bestimmte: die Corona-Pandemie. Andere Themenfelder dagegen rückten in den Hintergrund, auch wenn sie nicht minder wichtig sind für die Zukunft.

Wir haben uns mit Jürgen Schicke zum Interview getroffen und sprachen mit ihm über Zukunft und Probleme des Frankenberger Kreises. Dabei positioniert sich der Schreufaer in einem Punkt so deutlich wie kaum ein Funktionär vor ihm. „Der Fußballkreis Frankenberg gehört zum Sportkreis Waldeck-Frankenberg und politisch zum Landkreis Waldeck-Frankenberg.“ Eine Zusammenarbeit mit dem Kreis Waldeck soll in den nächsten Jahren verstärkt werden.

Wie erleichtert sind Sie, dass in den drei Frankenberger Kreisklassen die Hinrunde bis auf wenige Ausnahmen zu Ende gespielt wurde?

Ich bin sehr zufrieden. Wir hatten keinerlei Corona-Absagen oder es mussten deswegen Spiele verlegt werden. Die Vereine waren sehr engagiert und bemüht, die Vorrunde zu Ende zu spielen. Ein großes Lob an die Vereine.

Auffällig war in der bisherigen Runde, dass es kaum witterungsbedingte Absagen gab. Das wäre bestimmt etwas, was man für die Zeit nach Corona gerne mitnehmen würde, oder?

Das wäre auch bei einer normalen Runde eigentlich eine Selbstverständlichkeit für den Spielbetrieb.

Corona hat geschadet

Haben die vielen Corona-Pausen dem Leistungsstand geschadet?

Ja. Das ist klar zu erkennen, egal in welcher Klasse, von der Hessenliga bis zur untersten Klasse. Die Qualität hat durch den Trainingsrückstand abgenommen. Die Pausen waren zu groß, um seine Fertigkeiten zu behalten oder sich zu verbessern.

Die A-Liga ist spannend wie seit Jahren nicht mehr. Wie gut ist das für den Fußball?

Das ist schön und so soll es sein. Man sieht, dass die Mannschaften von der Stärke im oberen Bereich zusammengerückt sind.

Die Spitzenvereine des Kreises sorgen für Aufsehen. Der FC Ederbergland ist in der Verbandsliga Zweiter, in der Kreisoberliga haben zwei Frankenberger Vereine die Meisterrunde erreicht.

Als Kreisfußballwart bin ich stolz, dass der FCE in der Verbandsliga oben mitspielt. Und in der KOL ist es klasse, wie sich unsere Mannschaften verkauft haben.

Das Spielsystem in der Kreisoberliga steht ein wenig in der Kritik. Re/Ba und OE starten in der Meisterrunde wieder bei Null und können sich für die gute bisherige Runde nichts kaufen…

Es ging darum, dass diese Runden überhaupt spielen konnten. Deswegen hat man sich auf das Spielsystem geeinigt. Aufgrund der widrigen Bedingungen können wir froh sein, dass es funktioniert hat. Ich traue den beiden Vereinen in der Meisterrunde alles zu.

Impfen hilft

Glauben Sie, dass es im Frühjahr weitergeht?

Ich glaube, dass es weitergeht. Die Zahlen werden wieder runtergehen. Wir in Hessen und auch bei uns im Landkreis sind auch nicht so extrem, was das Impfen angeht. Impfen hilft und ein Großteil der Vereine ist gut durchgeimpft. Allerdings gibt es ja immer noch die Gefahr von neuen Virusvarianten.

Der Fußball war kein Pandemietreiber, oder?

Auslöser ist der Fußball nicht. Auslöser sind Urlaubsreisen, Partys feiern, dort wo Leute zusammen kommen.

Wie viele Corona-Spielzeiten kann der Fußball noch verkraften?

Bislang sind wir ganz gut durch die Pandemie gekommen. Es gibt auch Studien, die zeigen, dass die Spieler geblieben sind. Im Jugendbereich kann es allerdings Probleme geben. Da fallen Spieler weg durch die Pausen. Das ist auch jetzt im Winter wieder das Problem, weil wir keine Hallenspiele haben.

Auch die Jugendarbeit bereitet Sorgen. Im oberen Jugendbereich ist die Zahl der Mannschaften erschreckend, oder?

Ja. Aber das ist ebenfalls ein bundesweiter Trend, dass in der A- und B-Jugend nicht mehr so viel ankommt. Die unteren Jahrgänge sind noch gut bestückt, aber ab der C-Jugend selektiert sich das.

Andere Interessen als Fußball

Warum verliert der Fußball so viele junge Spieler?

Es gibt andere Interessen als den Fußball. Schule, Computer, die Freundin – es gibt so viele Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen. Das Problem ist auch nicht neu. Wir haben nur jetzt nicht mehr die Vielzahl an Jugendspielern und dann merken wir das oben deutlicher, wenn welche herausfallen.

Was kann dagegen getan werden?

Wir sind ja schon dabei, im Jugendbereich neues anzubieten. Bei den Bambini gibt es die neue Spielform Funino, bei der alle Kinder zum Spielen kommen sollen und es eben nicht so ist, dass ein, zwei starke Spieler den Ball bekommen und anderen stehen auf dem Feld und gucken zu. Wir müssen die Vereine von den neuen Ideen überzeugen. Dafür benötigen wir aber viele lizensierte Trainer, um das umzusetzen.

Im höherklassigen Jugendbereich ist der Kreis gut aufgestellt. Der FCE stellt drei Verbandsligateams und eine Gruppenligamannschaft - muss sich aber auch immer wieder dem Vorwurf stellen, im Jugendbereich Spieler abzuwerben…

Der FC Ederbergland hat es geschafft, eine gute Jugendausbildung mit lizensierten Trainern zu schaffen. Sie setzen das gut um, wie übrigens auch andere Vereine im Kreis. Man darf nicht vergessen, dass auch oft die Initiative von den Eltern ausgeht, die meinen, dass ihr Kind dort spielen soll, obwohl vielleicht die Voraussetzungen fehlen. Die Eltern müssten mehr ins Boot genommen werden. Sie müssen beraten werden, wie man die Entwicklung eines Kindes positiv beeinflussen kann. Spielen, spielen, spielen ist das Motto, egal in welcher Klasse.

Im Jugendbereich konzentriert sich vieles mittlerweile auf teils große Spielgemeinschaften. Ist das die Zukunft?

Den Vereinen bleibt ja nichts anderes übrig. Es gibt nicht mehr so viele Spieler.

Trend schon länger da

Im Seniorenbereich wird es auch nicht einfacher. Die Zahl der Vereine geht zurück, 21 Vereine und Spielgemeinschaften schicken noch Teams in den Spielbetrieb. Vor zehn Jahren waren es noch sechs mehr. Ängstigt Sie diese Zahl?

Nein, weil es ja ein Trend ist, der sich schon länger andeutet. Trotz allem haben wir noch eine A-, B- und C-Klasse. Aber man muss schauen, wie es sich in den nächsten Jahren entwickelt. Eine Spielklassenreform wird im Verband angestoßen, die kann aber nur zeitgleich mit einer Gebietsreform kommen. Man sollte zunächst die Spielklassenreform ins Gespräch bringen und schauen, wie das heruntergebrochen werden kann.

Womit wir bei einem heiklen Thema sind: Wie lange kann Frankenberg noch eigenständig bleiben?

Die nächsten Jahre noch. Dann werden wir die Zusammenarbeit mit Waldeck verstärken, da stehen wir ja auch schon in Kontakt.

Der Fußballkreis ist einer der ganz wenigen Sport-Fachverbände, der noch nicht in den politischen Grenzen arbeitet…

Der Kreis Frankenberg gehört zum Sportkreis Waldeck-Frankenberg und politisch zum Landkreis Waldeck-Frankenberg. Mehr braucht man dazu eigentlich nicht zu sagen.

So eine klare Ansage hat man bislang von den Verantwortlichen nicht gehört. Aber wäre in dieser Frage nicht auch eine klare Positionierung und Führung seitens des KFA notwendig?

Sicher. Der KFA nimmt sich diesem Thema auch an. Meine Meinung habe ich gerade klar gesagt. Das wird auch beim Verband so gesehen. Hätten wir durch Corona nicht andere Sorgen gehabt, dann wären wir mit den Vereinen auch schon früher im Dialog gewesen. Vielleicht können im neuen Jahr diese Gespräche weitergehen.

Sie sind seit knapp 18 Monaten Kreisfußballwart. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Corona stand und steht leider im Mittelpunkt. Trotzdem hat es aber Spaß gemacht, mit den Vereinen zusammenzuarbeiten. Rückmeldungen und Kontakte zu den Vereinen sind gut. Durch Corona hat man derzeit auch einen intensiven Kontakt, auch weil die Vereine mehr informiert werden mussten.

Hätten Sie gerne mehr Energie in andere Themenfelder gesteckt?

Dezentrale Fort- und Ausbildungen waren eine Idee von mir. Wir hatten auch schon eine Trainerschulung, die auf großes Interesse gestoßen ist. Neue Schulungen sind in Planung, auch in Zusammenarbeit mit dem Kreis Waldeck. Dezentrale Lehrgänge sind etwas für die Zukunft.

Zusammenarbeit klappt gut

Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit im Fußballausschuss?

Wir sind sehr zufrieden. Es klappt alles sehr gut, die Kommunikation funktioniert. Die Leute passen zusammen, es macht Spaß.

Kommen wir zu den Problemen: Da haben wir den Bereich Schiedsrichter, wo es auch in Frankenberg immer mehr Probleme mit dem Nachwuchs gibt…

Ohne Schiedsrichter können wir unseren Sport nicht so ausüben, wie wir es möchten. Durch die Corona-Pause haben auch ältere Schiedsrichter aufgehört. Junge Schiedsrichter zu bekommen ist schwierig, auch weil das Stimmungsbild in Sachen Schiedsrichter nicht gut ist. Es ist oft grausam und traurig, wie Schiedsrichter tituliert und angeschrieen werden. Ich glaube, dass der Umgang miteinander schlimmer geworden ist.

Ist der Sport in diesem Punkt zu nachlässig? Man betont immer den fehlenden Respekt, aber was sollen Schiedsrichter machen, wenn sie vor Ort angegangen werden?

Emotionen gehören dazu, sich über eine Entscheidung aufzuregen ist durchaus normal. Beleidigungen sind aber nicht normal. Wenn es extrem wird, sollten Zuschauer auch vom Platz verwiesen werden. Auch die Vereine sind in der Pflicht, sich darum zu kümmern.

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