69  000 Austritte: Landessportbund meldet besorgniserregende Entwicklung

Sportkreis Hersfeld-Rotenburg kommt noch gut weg

Verschlossene Türen: Das Aqua Fit in Bad Hersfeld im Lockdown.
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Verschlossene Türen: Neben Sporthallen und Sportplätzen sind im Lockdown auch Schwimmbäder, wie hier das Aqua Fit in Bad Hersfeld, dicht (gewesen).

Sinkende Mitgliederzahlen in hessischen Sportvereinen – kein Trend, den das Land nicht kennt. Aber die Bestandserhebung zu Jahresbeginn 2021 ist besorgniserregend: Nachdem im vergangenen Jahr fast 69 000 Menschen aus einem Verein ausgetreten sind, zählt der Landesportbund Hessen (lsbh) so wenige Mitglieder wie seit elf Jahren nicht mehr (2,07 Millionen).

Hersfeld-Rotenburg - Insgesamt bedeutet die Entwicklung für die 7600 Vereine ein Minus von 3,2 Prozent, wie der lsbh kürzlich vermeldete – ein umgekehrter Trend im Vergleich zu 2019. Vor einem Jahr freute sich der Dachverband noch über einen Anstieg von 1,2 % und den bis dato höchsten Mitgliederstand.

Aus dieser Perspektive fast ein wenig erstaunlich: Gut 40 Prozent der im lsbh organisierten Vereine sind zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 1. Januar 2021 zahlenmäßig nicht geschrumpft.

Den Hauptgrund an dem signifikanten Mitgliederschwund haben die Verantwortlichen schnell ausgemacht: Corona und die Folgen des lang anhalten Lockdowns. „Das jahrelange Mitgliederwachstum des organisierten Sports in Hessen wurde durch die Corona-Pandemie gestoppt. Angesichts der anhaltenden Einschränkungen befürchten wir, dass sich diese Entwicklung bis Ende 2021 sogar noch verschärfen wird“, bewertet lsbh-Präsident Dr. Rolf Müller die vorläufigen Zahlen, an denen noch kleinere statistische Bereinigungen vorgenommen werden müssen.

Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist ein Mitgliederrückgang zu verzeichnen, der sich mit 2,6 % allerdings unter dem hessenweiten Durchschnitt (3,2 %) befindet. Insgesamt waren bei der Bestandserhebung 2020 etwa 51 500 Hersfeld-Rotenburger Mitglied in einem der knapp 300 Sportvereine. Bei der aktuellen Erhebung 2021 sind es 50 150. Das macht ein Minus von etwa 1350 Mitgliedern – oder eben 2,6 %. Nach Recherchen unserer Zeitung sind die Landkreise Werra-Meißner (minus 0,7 %), Fulda-Hünfeld und Waldeck-Frankenberg mit einem Minus von je 1,3 % die Sportkreise, die bislang am besten durch die Corona-Krise gekommen sind.

„Die Zahlen sind zwar rückläufig, aber glücklicherweise nicht dramatisch“, sagt Christian Grunwald, der Vorsitzende des Sportkreises Hersfeld-Rotenburg und bedankt sich bei dieser Gelegenheit bei den Sportlern für ihre Vereinstreue in schwierigen Zeiten. „Das zeigt die Solidarität bei uns im ländlichen Raum, wo der Sport nicht nur einen gesundheitsfördernden Aspekt hat, sondern auch für soziale Strukturen steht.“ Grunwald begrüßt, dass es nach dem Stufenplan der Bund-Länder-Konferenz nun auch eine Perspektive für den Sport gebe. „Der Sport wurde zuletzt etwas stiefmütterlich behandelt und meiner Meinung nach nicht differenziert genug“, findet der 43-Jährige. In der Halle sei es nach wie vor schwer, „aber draußen geht doch was“, meint der Lispenhäuser.

Christian Grunwald, Vorsitzender des Sportkreises Hersfeld-Rotenburg

Ein genauer Blick zeigt zwei Entwicklungen, die der Dachverband als besorgniserregend bewertet. So entfallen fast 63 Prozent aller Mitgliederverluste auf Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Der Rückgang der Zahlen innerhalb dieser Altersgruppe beläuft sich auf 6,9 Prozent und ist damit fast viermal so hoch wie bei den Erwachsenen.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg beträgt der Rückgang bei den Nachwuchssportlern 5,4 %. „Junge Sportler brauchen Perspektiven und Ziele. Die Jüngsten vielleicht noch nicht, aber ab der Pubertät wird’s dann kribbelig. Wir müssen diese Zielgruppe weiterhin für den Sport begeistern und sie in Bewegung halten“, stellt Grunwald klar. Die Zahlen der Erhebung untermauerten, warum es besonders wichtig sei, Kinder- und Jugendsport bei einer Öffnung des Vereinssports bevorzugt zu behandeln.

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