Was verändert sich? 

Die Sportwelt nach der Krise: 5 Thesen wie es weitergehen könnte 

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Fans des FC Bayern München

Die Welt verändert sich. Auch die des Sports. Corona verhindert Europameisterschaften und Olympische Spiele. Corona beendet Ligenbetrieb und Training.

Corona verändert die Art, wie wir Sport treiben. Wir haben uns Gedanken gemacht, für welche Veränderungen die Krise sorgen könnte und werfen einen Blick in die Zukunft, auf die Zeit danach – mit diesen Thesen:

These 1: Der Wert der Fans  ist gestiegen.Das gilt vor allem für den Fußball – aber längst nicht nur für ihn. Wenige Wochen vor der Krise hatte beispielsweise der FC Bayern seinen Anhängern nach den Vorfällen in Hoffenheim den Kampf angesagt. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge erklärte damals, dass er im Zweifel lieber auf die Stimmung im Stadion verzichten würde. Dann kamen die Geisterspiele – und mit ihnen sehr schnell die Erkenntnis, dass Fußball ohne seine Fans seiner Faszination beraubt wird. Gerade auch die verrufenen Ultra-Gruppen bewiesen soziales Engagement, starteten Hilfsaktionen nicht nur für ihre Vereine, sondern auch für Mitbürger in Not, unterstützten Pflegekräfte mit Plakataktionen. In vielen Sportarten wurde sehr schnell deutlich, dass die Klubs ohne Zuschauer finanzielle Probleme bekommen. Die Fans wurden also auf allen Ebenen vermisst. Nach dem Ende der Krise werden sie deshalb umworben, gehört und ernstgenommen.

These 2: Es geht in vielen Sportarten fairer zu. Die Sorge um die eigene Gesundheit, die Erkenntnis, wie angreifbar unsere Körper sind, hat zu einem veränderten Verhalten auf Fußballplätzen, in Handball-Hallen, auf Eishockey-Flächen geführt. Natürlich treiben die Mannschaften keinen körperlosen Sport. Doch der Respekt für den Gegner ist enorm gewachsen. Ein Foulspiel gilt nicht mehr als toleriertes Mittel. Die Verbände haben ihr Regelwerk verändert. Oberstes Augenmerk. Schutz der Spieler. Von den Zuschauern wird das unterstützt. Bei brutalen Fouls gibt es nun Pfiffe auch für Akteure der eigenen Mannschaft.

These 3: Großereignisse sind kleiner

geworden. Auch nach der Krise finden Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften statt. Doch die Zeit des ausufernden Gigantismus ist vorbei. Schon vor Corona wurde es schwerer, Austragungsorte für Sommer- oder Winterspiele zu finden. Nun möchte niemand mehr die ganze Welt zu Gast haben. Das IOC hat notgedrungen das Programm entzerrt. Wettbewerbe werden ausgelagert, das Olympische Dorf gesplittet. Im Fußball sind die zuletzt immer mehr gewachsen Endrunden-Felder verkleinert worden auf 16 Teilnehmer.

These 4: Das Gefälle im Sport ist noch

größer geworden. Die Krise hat dem Sport viele Opfer abgerungen. Das gilt innerhalb des Sports, wo es natürlich vor allem die finanzschwächeren Klubs waren, die nicht überleben konnten. Gerade in der zweiten und dritten Liga mehrten sich Insolvenzen. Aber auch in der ersten Liga müssen viele Klubs den Gürtel wesentlich enger schnallen.

Die Sponsoren konzentrieren sich noch mehr auf die großen Klubs, national wie international. Die Gründung einer europäischen Spitzenliga ist bereits beschlossene Sache.

Große Verlierer im Kampf um die Kohle sind vor allem auch andere Sportarten, die im Schatten des Fußballs immer schwerer bestehen können. Viele kleinere Sponsoren konnten ihre Unterstützung nicht aufrechterhalten.

Die Folge: Erste Ligen in Sportarten wie Tischtennis oder Volleyball sind regelrecht zusammengeschrumpft. Erste Hoffnungsschimmer aber gibt es: Weil immer mehr Menschen vor allem ihr lokales Umfeld stärken, wenden sich erste Unternehmen den Vereinen und Sportlern vor Ort zu.

These 5: Das Sporttreiben ist individueller

und virtueller. Schon während der Corona-Krise hat sich das Sporttreiben individualisiert. Das wirkt sich nun immer stärker aus. Mannschaftssportarten haben es schwerer, Sportler für sich zu begeistern. Stattdessen erleben die Individualsportarten einen regelrechten Boom. Die Menschen fahren Rad, sie laufen und schwimmen, absolvieren ihr Fitnesstraining allein oder in Kleingruppen. Weil das Bedürfnis nach Besinnung, Achtsamkeit, Ruhe gestiegen ist, profitieren auch meditative Angebote wie Yoga, Tai Chi und Qigong.

Der Wunsch nach Austausch, Gemeinschaft und Wettbewerb wird häufig virtuell erfüllt. Viele Vereine haben ihr Online-Angebot massiv ausgebaut, allerdings auch kostenpflichtig gemacht. Das Fitnesstraining findet vor dem Bildschirm statt, das Gruppenerlebnis ist virtuell. Auch Wettbewerbe von Wohnzimmer zu Wohnzimmer haben Hochkonjunktur.

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