Parkour heißt eine Trendsportart, die die TG Münden neuerdings anbietet

Die Stadt als Spielplatz

Nur fliegen ist schöner: Mit einem gewaltigen Hechtsprung überwindet Alexander Blume unter den Augen der übrigen Parkour-Teilnehmer einen großen Kasten. Foto: Schröter

Hann. Münden. Mittwochabend, 18 Uhr: Beim Blick in die Königshofsporthalle sollte man meinen, dass hier gerade Kunstturner trainieren. Stufenbarren, Kletterwand, große Kästen, kleine Kästen, Sprungbretter und Matten bilden – im Kreis aufgestellt – einen großen Zirkel. Was die 17 Jungen im Alter von zwölf bis 16 Jahren damit allerdings anstellen, hat mit Kunstturnen im klassischen Sinn nicht allzu viel gemeinsam. Sie rennen, springen und fliegen über die Hindernisse. Wie sie das tun, bleibt ihnen selbst überlassen. Ihrer Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Nur elegant und locker muss es aussehen. Und Spaß machen.

Parkour heißt der Sport, der weltweit immer mehr Anhänger findet und der seit Kurzem auch von der TG Münden angeboten wird. Bereits Ende der 80er Jahre vom Franzosen David Belle entwickelt, wurde Parkour vor allem durch die Veröffentlichung von Filmen und Internetsequenzen immer bekannter. Diese zeigen Sportler, die auf Großstadtdächern unterwegs sind, von Haus zu Haus springen und im Großstadt-Dschungel scheinbar spielerisch leicht alle Arten von Hindernissen überwinden. Dabei wird ein Ziel auf dem kürzesten oder effizientesten Weg erreicht, fernab von Wegen und Straßen. „Parkour ist kein Sport, sondern eine Lebenseinstellung“, sagt Maximilian Scheffler, einer von drei Jugendlichen, die den Sport jetzt in die Dreiflüssestadt brachten.

Hauptinitiator war Jan Wärncke. „Ich hatte zusammen mit Maximilian und später mit Adrian Wegener in Göttingen beim ASC am Parkour teilgenommen, aber das war uns einfach zu viel Fahrerei“, erzählt der 16-Jährige. Als bei der Jubiläums-Sportshow der TG Münden im August eine Parkour-Gruppe ihr Können demonstrierte, sei er kurz entschlossen auf einen Verantwortlichen zugegangen und habe gefragt, ob der Verein nicht eine solche Sparte gründen könnte. „Horst Schendel erklärte sich bereit, die Aufsicht zu übernehmen, und wir haben angefangen, in der Schule und bei Freunden Werbung dafür zu machen“, sagt Jan Wärncke.

Und dann ging alles ganz schnell. Innerhalb kürzester Zeit fanden sich so viele Interessenten, dass bereits im November (damals noch im TG-Heim) die erste Trainingseinheit stattfand. Anfang des Jahres fand man mit der Königshofhalle ein neues Zuhause, dass allen Anforderungen entspricht. „Der Reiz am Parkour liegt darin, den eigenen Körper dazu zu bringen Dinge zu machen, die nicht normal sind“, sagt Maximilian Scheffler. Seitdem er den Sport betreibe, sehe er die Stadt plötzlich mit ganz anderen Augen. „Das ist für mich jetzt ein einziger Spielplatz“, so der 16-Jährige. Dass Parkour auch gefährlich sein könne, sei allen Teilnehmern bewusst. „Man muss seine Grenzen kennen und diese auch akzeptieren“, meint Jan Wärncke. „Bislang hatten wir das Glück, dass noch nie etwas passiert ist.“

„Wir vom Vorstand waren gleichermaßen erstaunt und erfreut über die Initiative der Jungs und die Sogwirkung, die daraus entstand“, sagt TG-Vorsitzender Thomas Scheffler. In seiner Funktion als Vorsitzender der Sparkasse überreichte er der Sparte einen Scheck über 500 Euro. Von dem Geld sollen professionelle Parkour-Trainer eingeladen werden, die den Jungs neue Tricks zeigen können.

Von Per Schröter

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