Leichtathletik

Steven Müller: Improvisation pur für den Olympia-Traum

Muss improvisieren: Sprinter Steven Müller, hier im Kasseler Auestadion.
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Muss improvisieren: Sprinter Steven Müller, hier im Kasseler Auestadion. Foto: ANDREAS FISCHER/ARCHIV

Heimtraining statt Homeoffice: Sprinter Steven Müller muss auf dem Weg nach Tokio improvisieren.

Sprünge durch das Treppenhaus statt Sprints auf der Tartanbahn im Auestadion, Krafttraining mit Wasser-Sixpacks zu Hause statt Gerätetraining im Trainingslager in Italien – improvisierend macht Kassels Super-Sprinter Steven Müller das Beste aus seiner Lage in der Corona-Krise. Der 29-Jährige sieht seinen Olympia-Traum nur um ein Jahr nach hinten verschoben.

Als das Internationale Olympische Komitee (IOC) am 24. März die Verlegung der Olympischen Spiele in Tokio verkündete, hat das zunächst natürlich „erst mal eine Reaktion der Enttäuschung“ bei Steven ausgelöst, wie es sein Trainer Otmar Velte ausdrückt. „Ich habe acht Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet“, erklärt Müller. „Und muss jetzt noch mal ein Jahr warten.“

Der 200-Meterlauf-Spezialist überwand diese kurze Phase der Enttäuschung aber schnell. „Ich habe jetzt noch ein Jahr mehr, um noch besser zu werden“, sagt der zweifache Deutsche Meister (Halle, Freiluft). Auch mit Blick auf sein Alter sieht der Berufspädagogik-Student der Uni Kassel nach der Olympia-Verschiebung auf 2021 kein Problem. „Es kommt auf das Trainingsalter an. Leistungsmäßiges Sprinttraining mache ich erst seit acht Jahren“, führt er aus. „Ich bin noch frisch.“

Die größte Einschränkung sieht Trainer Velte aktuell darin, dass alle Sportanlagen gesperrt sind. Auch für WM-Teilnehmer gibt es keine Ausnahme. Müller darf nicht auf die Bahn – zum Beispiel im Auestadion. Zusammen mit Velte, mit dem der Athlet der LG Friedberg-Fauerbach trotzdem weiterhin sieben bis acht Trainingseinheiten in der Woche durchzieht, weicht er zum Beispiel auf Waldwege am Rand von Kassel aus.

„Wir versuchen, unser Konzept aktuell so gut es geht durchzuziehen“, schildert Velte. Es brauche die Einheit von Körper und Geist, um durch diese schwere Phase zu kommen, so der 55-Jährige. „Wichtig ist, dass Steven sich jetzt nicht hängen lässt – und das macht er nicht. Vielmehr merke ich bei ihm eine Jetzt-erst-Recht-Reaktion.“ Aktuell stehen Tempoläufe, Krafteinheiten, Stabilisationsübungen und Sprünge im Fokus.

Schließlich steht aktuell auch (noch) der EM-Termin Ende August in Paris. Das Training führt der amtierende Meister über 200 Meter derzeit auch in seiner Wohnung durch. Ein Wasser-Sixpack nimmt der Sprinter zur Hand, um Übungen wie Kniebeugen und Sit-ups zu erschweren. Improvisation an allen Orten statt 14 Tage Trainingslager zu Ostern in Südtirol. Das musste schon vor Wochen abgesagt werden.

Stattdessen wird auch das Treppenhaus zur Trainingsstätte für Sprungübungen. Die fünf Etagen in dem Mietshaus, in dem er wohnt, läuft Steven Müller hoch und runter, nimmt auch mal zwei oder drei Stufen auf einmal und macht Wechselsprünge. Die Nachbarn hätten sich noch nicht beschwert, sagt er. „Ich stampfe aber auch nicht wie ein Elefant durch das Treppenhaus“, scherzt Steven Müller. „Für Sprinter ist es ja wichtig, dass sie leichtfüßig unterwegs sind.“

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