Sehnsucht nach Wind, Wellen und Meer

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Nicht auf dem Wasser, dafür auf der Straße: Windsurfer Nick Spangenberg hat eines seiner Segel an ein Longboard montiert. 

Wie für viele Sportler ist es auch für Nick Spangenberg keine leichte Zeit. Für den Windsurfer aus Landwehrhagen bleibt aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nur das Training auf dem Trockenen.

Dagegen dürfen seine Kontrahenten und Surffreunde aus Dänemark und Norddeutschland weiter aufs Meer.

„Das ist schon gemein, wenn ich mir die Fotos und Videos anschaue, wie sie bei guten Bedingungen auf dem Wasser sind“, sagt der 17-Jährige, der zu vielen Surfern über Instagram Kontakt hält. Anders sei die Situation bei Freunden in Spanien, die aufgrund der Ausgangssperre nicht vor die Tür dürfen. Ein Surfer aus Griechenland berichtete ihm, dass dieser bei seiner Stadt anfragen muss, wenn er zum Joggen das Haus verlassen will. „Er bekommt dann eine SMS, wenn wenig auf der Straße los ist, und er raus darf“, erklärt der Landwehrhäger.

Spangenberg, der von den HNA-Lesern zum besten Talent in der Region 2019 gewählt wurde, hält sich beispielsweise über eine Challenge mit einem Surffreund aus Hamburg fit. Er bekommt über Instagram bestimmte Aufgaben gestellt, wie vier Stunden am Stück Sport treiben oder zehn Kilometer in einer bestimmten Zeit Joggen. Und er hat sein Longboard wieder herausgeholt. Auf dieses Skateboard hat er eines seiner Segel montiert und fährt damit durch die Straßen von Landwehrhagen. „Das hilft mir schon sehr, um das Segelgefühl zu behalten“, sagt Spangenberg. Ein paar Tricks macht er mit dem Longboard, aber natürlich nicht die großen Sprünge wie auf dem Meer.

Jeden Abend absolviert er zu Hause zudem Kraft- und Stabilisierungsübungen. Aber nicht allein, sondern über einen Live-Chat mit einem Kumpel zusammen. Genauso gehört zu seiner täglichen Routine das Lernen für die Schule, das derzeit ausschließlich zu Hause abläuft. Schließlich will der 17-Jährige, der auf das Kasseler Goethe-Gymnasium geht, im kommenden Jahr sein Abitur machen.

Wenn wir uns alle an die Regeln halten, dann dürfen wir alle auch wieder schneller aufs Wasser.“

Nick Spangenberg Surfer aus Landwehrhagen

Auf dem Wasser kann Spangenberg derzeit nicht trainieren. „Auch der Singliser See bei Borken oder der Edersee sind ja gesperrt“, sagt der Windsurfer, der dafür Verständnis hat. „Natürlich kribbelt es. Aber es kennen mich jetzt schon ein paar Surfer, und da muss man ein Vorbild sein“, sagt der 17-Jährige. „Wenn wir uns alle an die Regeln halten und die soziale Distanz bewahren, dann dürfen wir alle wieder schneller aufs Wasser.“

Eigentlich wollte Spangenberg jetzt auf Gran Canaria sein. Ein drei-wöchiges Trainingslager zur Vorbereitung auf die Saison war geplant. Aber natürlich fiel dieses aus. Der mögliche Ersatzplan, für diesen Zeitraum nach Dänemark zu fahren, wurde schnell wieder verworfen, als sich die Corona-Krise in Deutschland zu spitzte.

Auch die zahlreichen Wettkämpfe, an denen der Landwehrhäger in diesem Sommer teilnehmen wollte, drohen bald abgesagt zu werden. Dazu zählen unter anderem die Weltcups auf den Kanarischen Inseln Gran Canaria sowie Teneriffa, dem Summer-Opening auf Sylt – und natürlich die Slalom-WM am Gardasee.

Nach seiner erfolgreichen vergangenen Saison, in der er Vize-Europameister und Dänischer Meister wurde, steht jetzt eigentlich sein erstes Jahr in der Altersklasse U21 an. Aber ob es in diesem Sommer überhaupt Wettkämpfe geben wird, ist wie so vieles derzeit offen.

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