„Uns wird die Zeit gestohlen“

SVA-Spieler Jan Gonnermann über fußballfreie Monate

Jan Gonnermann
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Schmerzlich vermisster Anblick: Unser Archivbild zeigt Jan Gonnermann (rechts) von Adler Weidenhausen im Zweikampf mit Eschweges Jan Kaufmann. Gonnermann hofft, dass Fußball bald wieder möglich ist.

Selbst die eingefleischtesten Fans des Fußball-Verbandsligisten SV Adler Weidenhausen müssen ein wenig nachdenken, werden Sie nach dem letzten Treffer ihrer Adlerträger auf dem heimischen Chattenloh gefragt.

Weidenhausen ‒ Es war am 17. Oktober des vergangenen Jahres, als Jan Gerbig in Minute 63 das 4:1 per Strafstoß zum späteren 4:2-Erfolg gegen den OSC Vellmar erzielte.

Eine Woche später stoppte die Corona-Pandemie den frischgebackenen Tabellenführer – dass dieser Zustand bis heute andauern und im Saisonabbruch enden würde, konnte niemand ahnen. Wir haben über diese Situation mit dem zweiten Vorsitzenden der Adler, Jan Gonnermann, gesprochen.

Platz eins für die Verbandsligaelf, Platz vier in der Gruppenliga bei Abbruch – sind die Adler die großen Verlierer der Pandemie?
Egal, welches Team auf welchem Platz gestanden hat: Uns war schon vor Saisonbeginn klar, dass wir in eine Serie mit vielen Unwägbarkeiten starten werden. Natürlich haben wir gehofft, am Ende eine sportliche Entscheidung der Saison zu haben. Aber am wichtigsten ist die Gesundheit aller und von daher war die Entscheidung bitter, aber letztendlich alternativlos. Statt der Annullierung der Serie hätte ich mir jedoch gewünscht, dass wir in ein paar Monaten einfach die Serie 20/21 fortgesetzt hätten – unter Berücksichtigung der bisherigen Ergebnisse. Dann wären die sportlichen Erfolge bis zum Abbruch nicht ganz umsonst gewesen.
Was macht die Mannschaft sportlich eigentlich seit Ende Oktober?
Wir überbrücken die Zeit, wie die meisten anderen Vereine, indem wir versuchen, zumindest „virtuell“ zweimal in der Woche seit Januar gemeinsam zu trainieren. Aber das ist alles natürlich kein Ersatz für richtiges Training. Vor allem die soziale Komponente kannst du kaum auffangen. Unsere Spieler kommen aus vielen verschiedenen Orten, sodass du dich auch nicht mal schnell abends auf ein Bier zu zweit treffen kannst. Es spricht allerdings für unseren guten Teamgeist, dass es uns dennoch gelingt, die Kommunikation zwischen allen aufrechtzuerhalten.
Gibt es schon personelle Entscheidungen zu vermelden?
Nachdem die Saison ja für uns nicht gut begonnen hatte und wir bereits einen Trainerwechsel vorgenommen hatten, sind wir nicht zuletzt dank des sportlichen Erfolges in ruhiges Fahrwasser gekommen. „Leo“ bleibt der Trainer der ersten Mannschaft und wird in Zukunft von Martin Schäfer unterstützt. Beim Gruppenligateam werden Alex Henke und Robin Komorowski weiterhin in der Verantwortung bleiben. Ihre Trainingspläne haben beide Gespanne schon in der Tasche. Sobald das Signal auf Grün steht, können wir loslegen.
Habt ihr Abgänge zu verzeichnen?
Ich gehe zum heutigen Zeitpunkt von maximal zwei Spielern aus beiden Kadern aus. Aber das ist ganz normal. Natürlich können berufliche oder private Veränderungen immer noch kurzfristig Auswirkungen haben. Ich habe mit allen Spielern gesprochen und alle Leistungsträger werden auch in der nächsten Saison das Adlertrikot tragen. Auch ein mögliches Karriereende zieht keiner der Akteure in Betracht, ich auch nicht. Denn sind wir mal ehrlich: So unvollendet will keiner seine Karriere beenden.
Und wie sieht es mit Neuzugängen aus?
Mit potenziellen Neuzugängen sind wir ebenfalls in Gesprächen und ich bin optimistisch, dass es uns gelingen wird, auch hier rechtzeitig Vollzug zu melden. Bange machen gilt ohnehin nicht, wir haben ja bis zum Abbruch gesehen, zu welchen Leistungen beide Mannschaften fähig sind.
Was gibt es sonst Neues vom Chattenloh?
Uns nervt alle, dass wir aktuell keine Zeitschiene und ein festes Ziel vor Augen haben. Wir wollen gerne, aber wir können noch nicht starten. Schön ist es, dass unsere Sponsoren uns die Treue halten und ihre Verbundenheit zeigen. Das ist nicht überall so. Auch die fehlenden Einnahmen aus den Heimspielen lassen sich verschmerzen, da wir so gut wie keine Ausgaben haben. Am schlimmsten ist aber, dass wir nicht jünger werden und uns gefühlt die Zeit für die Ausübung unseres Sports gestohlen wird. Das tut jedem Sportler weh.
Wie sieht also der Blick in die Zukunft aus?
Wir freuen uns einfach nur noch darauf, wenn wir endlich wieder alle – Spieler, Fans, Betreuer – gemeinsam auf dem Chattenloh Fußball erleben können. Denn eins ist auch klar: Fußball ohne Zuschauer geht vielleicht in der Bundesliga, aber nicht bei uns im Amateurbereich.
Ein Wort zum SV Reichensachsen, wo dein Ex-Trainer Rafal Klajnszmit demnächst das Sagen haben wird?
Konkurrenz belebt das Geschäft und es ist doch schön, wenn neben unserer zweiten Mannschaft ein weiterer heimischer Verein dort guten Fußball zeigt. Es dürfte spannend werden, die Entwicklung dort zu beobachten. (Stefan Konklowksy)

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