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Fußballtrainer Markus Pflanz: Taktik unterm Tannenbaum

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Taktische Anweisungen: Markus Pflanz, Co-Trainer des belgischen Fußball-Erstligisten St.Truiden.
Taktische Anweisungen: Markus Pflanz, Co-Trainer des belgischen Fußball-Erstligisten St.Truiden. © privat

Weihnachten, Geburtstag und Silvester fernab der Heimat – und allein in Belgien: Fußballtrainer Markus Pflanz, der heute 47 Jahre alt wird, arbeitet seit zweieinhalb Jahren als Co-Trainer in Belgiens erster Liga.

Sint-Truiden – Weihnachten ist ausgefallen. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren konnte Markus Pflanz nicht bei Ehefrau Nicole und Sohn Johannes zuhause im osthessischen Langenschwarz sein. Am 21. Dezember stand für seinen Klub VV St.Truiden ein Pokalspiel gegen Club Brügge an (4:1) – am 27. Dezember begann bereits die Rückrunde mit der Partie gegen Zulte Waregem (2:0).

Für Pflanz ist das nichts Neues. Er klingt am Telefon gelassen, wenn er sagt: „Das ist zwar schade, aber nicht zu ändern. Der Job geht vor. Es wird wohl noch ein bisschen dauern, bis ich wieder mal nach Hause fahren kann.“ Etwa 20 Tage hat die Mannschaft um den deutschen Cheftrainer Bernd Hollerbach und seinen Co zuletzt am Stück trainiert. Und so beschäftigte sich Pflanz an den Feiertagen mit dem Videostudium des nächsten Gegners und dem Matchplan für die Partie. Taktik unterm Tannenbaum sozusagen.

400 Kilometer sind es vom belgischen Städtchen St. Truiden bis nach Langenschwarz. Von Oostende, seiner vorherigen Station an der belgischen Küste, war der Weg noch weiter. Sogar sechs Stunden brauchte Pflanz da mit dem Auto. Ist der ehemalige Trainer von Aulatal und Eiterfeld dann mal in der Heimat, stehen neben Familienzeit auch immer mal Besuche auf den Fußballplätzen der Region an. So habe er sich zuletzt Spiele in Hünfeld und Steinbach angeschaut. Und insbesondere der Kontakt zur SG Aulatal sei noch gut, berichtet Pflanz. Beim letzten Saisonspiel von Oostende war sogar ein Teil der Aulataler Mannschaft zu Besuch.

Rückblickend auf das Jahr 2022 sagt der A-Lizenz-Inhaber: „Jedes Jahr im Profifußball bringt mich weiter. Ich habe das Privileg, meinen Traum leben zu dürfen. Und ich lerne ständig dazu.“ Sportlich gesehen läuft es für St. Truiden eher durchwachsen. Die Vorrunde schloss das Team um den ehemaligen Dortmunder Superstar Shinji Kagawa, den Ex-Stuttgarter Wirbelwind Shinji Okazaki und Abwehr-Hüne Toni Leistner (Union Berlin, HSV) auf einem bescheidenen zehnten Platz ab.

Knapp 100 Spiele hat Pflanz mittlerweile als Co-Trainer auf dem Buckel. Und fünf Begegnungen als Cheftrainer, als es Alexander Blessin seinerzeit von Oostende aus nach Genua in die erste italienische Liga zog. Mit dem Schwaben Blessin hatte Pflanz die A-Lizenz gemacht. Und für ihn und den Job als Co-Trainer in Belgiens erster Liga im Sommer 2020 seinen Beruf als Steuerfachmann aufgegeben. Bereut hat er das bislang nicht.

Für Pflanz soll es im Fußball noch weiter nach oben gehen. So hat er seine Unterlagen für die UEFA-Pro-Lizenz, also die Lizenz zum Fußballlehrer, in Belgien eingereicht. „Die Zulassungskriterien sind etwas gemäßigter und praxisnaher als in Deutschland“, sagt Pflanz. Hierzulande setze man eher auf Theoretiker und studierte Sportwissenschaftler, denn auf Praktiker, die Erfahrung als Trainer oder aber Profifußballer mitbringen würden. „In Deutschland werden Profi-Trainer von Amateuren, sprich Theoretikern, ausgebildet. Das kann nicht funktionieren“, bemängelt der 47-Jährige. Als ehemaliger Junioren-Stützpunkttrainer in der Region waren ihm die Trainingsinhalte, die vom DFB vorgegeben wurden, schon damals ein Dorn im Auge. „Da ging es entweder um das Passspiel oder aber ums Dribbeln. Das beides zum Fußball gehört, spielte keine Rolle. Und das Verteidigen war irgendwie überhaupt kein Thema. Fußball fand nur mit dem Ball statt“ kritisiert er.

Eine Geschichte, die am Silvestertag erscheint, braucht natürlich auch zwingend einen Ausblick. Also, was wünscht sich Markus Pflanz für das kommende Jahr? Zunächst einmal Schweigen am anderen der Leitung. Es folgt ein lang gezogenes „puuuh“. Schließlich sagt Pflanz: „Mehr Zeit mit der Familie wäre schön, auch wenn das nicht einfach umzusetzen ist. Der Profifußball ist schnelllebig. Da kannst du eigentlich kaum etwas planen.“ Weihnachten, Geburtstag und Silvester können da schon mal ausfallen.
(Sascha Herrmann)

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