Interview: Tänzerin Binja Rassner nach schwerer Erkrankung wieder zurück auf dem Parkett

„Dachte, dass ich durchbreche“

Das Auge tanzt mit: Binja Rassner und ihr Partner Burkhard Wagener vom Kasseler Rot-Weiss-Klub demonstrieren heute Abend bei der Kasseler Sportgala ihr Können. Foto: privat/nh

Kassel. Heute Abend ehrt die Stadt Kassel ihre erfolgreichsten Sportlerinnen und Sportler – nach fünf Jahren Pause erstmals wieder in einem größeren und feierlichen Rahmen. Die Veranstaltung findet im Kongress-Palais statt. Wie in der Vergangenheit wird es etliche Showeinlagen geben. Mit von der Partie ist auch Dr. Binja Rassner, vom Kasseler Rot-Weiss-Klub. Die langjährige Tänzerin mit Bundesliga-Erfahrung tritt zusammen mit ihrem Partner Burkhard Wagener auf und präsentiert sich erstmals nach langer Krankheitspause wieder einem größeren Kasseler Publikum. Wir sprachen mit ihr über ihre Rückkehr aufs Parkett.

Heute Abend repräsentieren Sie den Kasseler Rot-Weiss-Klub als Tänzerin bei der Kasseler Sportler-Gala. Selbstverständlich ist das nicht, oder?

Binja Rassner: Nein, keinesfalls. Letztes Jahr im März begann alles mit einem Bandscheibenvorfall. Notoperation und eine Folgeoperation waren notwendig. Wegen eines abgebrochenen Knochens im Wirbelgelenk folgten eine dritte Operation und vierte Operation. Ausgeprägte Lähmungen im rechten Bein waren die Folge. Wegen beschädigter Nerven werden wohl Restschäden bleiben, aber ich bin glücklich, dass mir der Rollstuhl erspart geblieben ist. Auf alle Fälle bin ich davon ausgegangen, niemals wieder eine Tanzfläche betreten zu können.

Gab es Vorzeichen?

Rassner: Das fing schon an, als wir letztes Jahr mit der Formation noch in der ersten Bundesliga getanzt haben. Da hatte ich bereits Rückenschmerzen, aber als Leistungssportlerin habe ich das hingenommen und bin darüber hinweggegangen.

Dann wurden die Schmerzen aber immer schlimmer. Wie muss man sich das vorstellen?

Rassner: Teilweise konnte ich nur hocken. Ostern vergangenes Jahr dachte ich, dass ich durchbreche. Zwischen Juli und Februar musste ich Morphium nehmen. Es ist nicht einfach, dass nach so langer Zeit wieder abzusetzen wegen der Entzugserscheinungen.

Und jetzt? Wie halten Sie sich fit?

Rassner: Nach der vierten Operation war an so etwas gar nicht zu denken. Inzwischen kann ich sogar schon wieder ein klein wenig joggen.

Es gab nicht nur die gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Auch sportlich war der Abstieg aus der Bundesliga und die Trennung von Trainer Eugen Khod ein Einschnitt für Sie und den Rot-Weiss-Klub, oder?

Rassner: Auf alle Fälle. Unser altes B- ist unser heutiges A-Team in der Regionalliga. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga ist aber auf alle Fälle der Plan für unsere Formation.

Die Kosten für den Bundesliga-Auftritt waren hoch. Kann der Verein denn langfristig eine Rückkehr auf Bundesebene finanzieren?

Rassner: Die Formation hat einen Förderverein und die Mitglieder tragen einen Teil der Kosten selbst. Deshalb wären wir wohl finanziell in der Lage, wieder höherklassig anzutreten. Ich selbst werde allerdings nicht mehr in der Formation tanzen. Der Zeit- und Kraftaufwand ist zu hoch.

Am Samstag stehen Sie mit ihrem Partner Burkhard Wagener wieder auf dem Parkett. Sind Sie aufgeregt?

Rassner: Vor einem Jahr wäre eine Showtanz-Einlage tänzerisch und konditionell für mich kein Problem gewesen. Jetzt sieht das natürlich anders aus. Es bleibt eine gewisse Unsicherheit, weil ich nicht so austrainiert bin wie vor einem Jahr. Aber dafür sitze ich auch nicht im Rollstuhl. Und ich hoffe, dass das Kasseler Publikum mir kleine Schwächen nachsieht.

Was gibt es denn zu sehen?

Rassner: Burkhard wird das für die Zuschauer etwas moderieren, und wir zeigen für die Sparte Standard fünf Tänze, also Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slow Foxtrott und Quickstep. Mal sehen, wie das ankommt.

Von Martin Scholz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.