Tennis spielen in Tunesien

Hersfelder Benedikt Henning sammelt Weltranglistenpunkte

Tennistalent aus Bad Hersfeld: Weil in Deutschland die meisten Turniere abgesagt wurden, verbrachte Benedikt Henning drei Wochen in Tunesien. Durch einen Halbfinaleinzug sammelte er dort seine ersten Weltranglistenpunkte.
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Tennistalent aus Bad Hersfeld: Weil in Deutschland die meisten Turniere abgesagt wurden, verbrachte Benedikt Henning drei Wochen in Tunesien. Durch einen Halbfinaleinzug sammelte er dort seine ersten Weltranglistenpunkte.

Auch die Tennisszene ist nicht von der Coronakrise verschont geblieben. Nachdem im Frühjahr die Plätze geschlossen wurden, war an professionelle Turniere gar nicht zu denken.

Bad Hersfeld - Sogar das legendäre Londoner Rasenturnier Wimbledon musste erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg abgesagt werden. Das Aushängeschild des Bad Hersfelder Tennissports, Benedikt Henning, hat sich trotz aller Umstände dafür entschieden, es seit diesem Jahr als Profitennisspieler zu versuchen. Der 23-Jährige, der vergangenes Jahr sein Studium der Psychologie in den USA beendet hat, wollte eigentlich im Jahr 2020 richtig durchstarten und in der Weltrangliste nach oben klettern. Doch auch ihm machte das Virus einen Strich durch die Rechnung.

„Ich lebe und arbeite normalerweise in Charleston, South Carolina, das ist unweit von Florida entfernt, normalerweise sind hier das ganze Jahr Turniere der ITF- Tour (dritthöchste Turnierserie im Tennis)“, erklärt die Nummer 98 der deutschen Tennisrangliste.

Weil das Coronavirus die Vereinigten Staaten und vor allem Florida schwer getroffen hat, wurden sämtliche Turniere abgesagt. Als wäre das nicht schon genug gewesen, wurde auch das Visum des Hersfelder Tennisspielers nicht verlängert und so musste er im Sommer nach Deutschland zurückkehren. Hier bot sich Henning das gleiche Bild wie in den USA, so gut wie alle Turniere wurden abgesagt und ihm blieb nur das Training auf der heimischen Anlage des TC Blau-Weiß Bad Hersfeld.

„Natürlich ist es nicht optimal, wenn man überhaupt keine Wettkampfpraxis hat. Ich habe aber versucht, die Zeit zu nutzen, um vor allem körperlich topfit zu werden“, erzählt Henning.

Als die Stars der Szene wie Rafael Nadal, Novak Djokovic oder Dominic Thiem Ende August wieder in New York oder Paris aufschlagen durften, gewannen auch die unteren Kategorien langsam an Fahrt. So reiste der Hersfelder im September drei Wochen nach Tunesien, um dort ein ITF-Turnier zu spielen. Nachdem Henning in der letzten Qualifikationsrunde gegen den Amerikaner Alexander Kotzen unterlegen war, rutschte er als Lucky Loser doch noch ins Hauptfeld.

Dort angekommen nutzte der Hersfelder direkt seine Chance und setzte sich in der ersten Runde gegen den Esten Daniil Glinka in zwei Sätzen durch. In der zweiten Runde traf Henning dann auf den Argentinier Matias Descotte, welcher im vergangenen Jahr noch auf Platz 285 der Weltrangliste geführt wurde. In einem umkämpften Match schaffte es der Hersfelder, nach verlorenem ersten Satz das Ruder noch herumzureißen. Er schlug den Argentinier mit 5:7, 6:3, 6:3. Mit diesen zwei Siegen hatte Henning seine ersten Weltranglistenpunkte in der Tasche.

„Mein großes Ziel war es, bei diesem Turnier die ersten Punkte zu sammeln. Wenn man erst einmal in der Weltrangliste geführt ist, ist es auch einfacher, in die Felder bei höher dotierten Turnieren zu kommen“, erklärt das Tennis-Ass. Im Viertelfinale des Turniers in Tunesien besiegte Henning dann auch den irischen Daviscup-Spieler Simon Carr und stand somit wider allen Erwartungen im Halbfinale des Turniers. Dort wartete mit dem Russen Alexander Shevchenko eines der vielversprechendsten Talente des russischen Tennissports. Shevchenko wird vom Österreicher Günter Bresnik trainiert, welcher in der Vergangenheit unter anderem mit Boris Becker oder dem aktuellen US-Open-Sieger Dominic Thiem zusammenarbeitete.

Der Hersfelder, der zu diesem Zeitpunkt bereits drei Spiele mehr in den Beinen hatte als sein russischer Kontrahent, musste sich in diesem Match mit 2:6 und 3:6 geschlagen geben.

Alles in allem war Henning aber mehr als zufrieden. Durch die drei gewonnen Matches sicherte er sich auch vier Weltranglistenpunkte.

Momentan befindet sich Henning in der Warteschleife. Er würde gerne wieder in die USA einreisen und hofft, dass er noch vor dem Ende des Jahres fliegen kann. In den USA warten auf den Hersfelder nicht nur Tennisturniere, sondern auch angenehmere Temperaturen. In seinem Wohnort Charleston sind es momentan knapp über 20 Grad.

Von Niklas Hampe

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