Nicolas Kiefer unterstützt den Vertrieb von Mund- und Nasenschutzmasken 

Nicolas Kiefer: „Beim Nähen wäre ich ein Handicap“

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Er unterstützt den Vertrieb der in Kassel gefertigten Masken: Nicolas Kiefer mit einem behelfsmäßigen Mund- und Nasenschutz.

In Zeiten von Corona unterstützt er als einer der ersten Sportler den Vertrieb von Schutzmasken. Darüber und die Lage im Tennis spricht Nicolas Kiefer.

Nicolas Kiefer war einer der erfolgreichsten deutschen Tennisprofis. In Zeiten von Corona unterstützt die ehemalige Nummer vier der Welt nun ein besonderes Projekt: den Vertrieb von Behelfs-Mund- und Nasenschutzmasken, die von seinem Geschäftspartner Holger Gartz (Kama) in Kassel gefertigt werden. Ein Gespräch über Nähen und Tennis.

Greifen Sie lieber zur Nähmaschine oder zum Tennisschläger? 

Keine Frage, zum Tennisschläger. 

Können Sie denn nähen? 

Ich muss gestehen, ich bin froh, wenn meine Mutter mir da aushilft. Auch wenn ich in der Schule Textiles Gestalten als Unterrichtsfach hatte – Stricken, Häkeln, Nähen, das ist nicht meins.

Es hätte ja sein können, dass Sie in Kassel an der Nähmaschine aushelfen müssen?

Da wäre ich wohl eher ein Handicap. Mich aber freut es sehr für Holger Gartz und sein ganzes Team. Er kann arbeiten wie zu normalen Zeiten. Ich unterstütze ihn gern. Wir vertreiben die den Behelfs Mund- und Nasenschutze auch über meinen Onlineshop (www.kiwi-onlineshop.de ), weil die Reichweite größer ist.

Wie ist die Idee entstanden?

Holger und mich verbindet neben Mode eine Leidenschaft: das Golfen. So haben wir uns kennengelernt und anfangs viel im Bereich Freizeit- und Tenniskleidung gemacht. Das nächste Projekt wäre eine Golfkollektion – aber da die Saison momentan noch auf Eis liegt, schieben wir das Thema. 

Tragen Sie selbst auch Mundschutz?

Klar, einen, der in Kassel gefertigt ist.

In Kiwi-Grün? Kiwi war ja zu aktiven Zeiten Ihr Spitzname.

Nein, da habe ich tatsächlich zu spät dran gedacht. Meiner ist ganz einfach – schlicht und weiß.

Wie hat Corona Ihr Leben sonst noch verändert?

Man ist extrem eingeschränkt. Eigentlich wäre ich jetzt in Thailand, als Markenbotschafter der Robinson Clubs wäre dort gerade ein bei ein Tennis-Event gewesen, in vier Wochen in der Türkei. Man fährt runter und muss aufpassen, nicht zu faul zu werden. Also versuche ich, die Routinen beizubehalten und mich nicht hängen zu lassen. Tennis geht nicht, Golf nicht – also gehe ich ein bisschen laufen, mache Freeletics. Denn zuhause hat man auch irgendwann auch mal alles von A nach B geräumt. Und ich bin zum begeisterten Marathonläufer geworden und wollte die sechs Großen laufen: Berlin habe ich geschafft, Tokio ist abgesagt, Boston verschoben. Fehlen noch Chicago, London und New York. Das wird ein hartes Jahr 2021.

Corona stellt gerade auch die Tenniswelt auf den Kopf. Vorläufiger Höhepunkt: die Absage von Wimbledon am Mittwoch.

Ja, unglaublich. Aber es ist anders als bei den French Open, die einfach eigenmächtig über die Köpfe aller hinweg auf Ende September verlegt worden sind. Wimbledon ist als einziges Grand-Slam-Turnier gegen eine Pandemie versichert und kann sich eine Absage quasi leisten. Es steht außer Frage, dass Gesundheit und Sicherheit vorgehen. Aber es ist schon ein wenig traurig, dass es nun gar keine sportlichen Highlights mehr gibt. Denn die EM und die Olympischen Spiele sind ja bereits verschoben. Das ist schon extrem. Als Sportler trainierst du auf den einen Tag hin und dann wird alles über den Haufen geworfen, viele müssen ihr ganzes Leben umstrukturieren.

Welche Erinnerungen haben Sie an Olympische Spiele?

Es sind absolute Highlights. Ich war dreimal dabei, in Sydney, Athen und Peking. In Athen habe ich mit Rainer Schüttler Silber im Doppel gewonnen. Das war mein größter Erfolg. Die Medaille hat immer noch einen Ehrenplatz.

Blicken wir auf die Turniere: Die Männer-Tour ATP und die Frauen-Tour WTA wollen erst einmal bis zum 13. Juli pausieren.

Von März bis Juli wird dann kein Turnier stattgefunden haben. Das gab es noch nie. Für die Topspieler ist das okay, sie haben schon ein paar Turniere gewonnen. Schwerer dürfte es für die Newcomer sein, die auf dem aufstrebenden Ast sind.

Warum?

Weil sie keine Einnahmen haben. Und beim Tennis ist man für seinen kompletten Stab selbst verantwortlich. Und nicht jeder hat das Glück und die Möglichkeit, auf einem eigenen Tennisplatz zu trainieren.

Werden wir 2020 überhaupt noch einmal Turniere sehen?

Noch ist die Saison ja nicht komplett abgesagt. Da hängt auch so viel dran. Eine Möglichkeit wäre, im November und Dezember durchzuspielen, dann, wenn eigentlich Winterpause wäre. Aber derzeit sind ja auch die US Open fraglich, die eigentlich Ende August in New York beginnen sollen. Und es gibt noch etwas zu bedenken.

Was?

Bei einem Turnier sind nicht nur Spieler, sondern auch Zuschauer aus aller Welt zu Gast. Und derzeit gibt es überall auf der Welt Ein- und Ausreiseverbote. Die müssten alle gleichzeitig aufgehoben werden, damit für jeden Spieler dieselbe Chance besteht, an Turnieren teilzunehmen.

Im Fußball sind Geisterspiele wohl die Zukunft. Wäre das auch im Tennis denkbar?

Selbst wenn – beim Tennis gibt es zwar keinen direkten Körperkontakt. Aber der Ball landet in den Händen der Spieler, bei den Ballkindern, beim Schiedsrichter. Auch so könnte das Virus transportiert werden.

Was wünschen Sie dem Tennis?

Dass es so schnell wie möglich normal weitergeht. Ich hoffe, wir sehen 2020 noch Tennisspiele. Darauf bin ich selbst heiß. Mit den Herren-40 des SSC Berlin sind wir 2019 Deutscher Meister geworden. Ich trainiere dort im Verein auch den Nachwuchs von der U10 - U18 Kinder. Wir haben eine tolle Jugendarbeit. Sie sind mit so viel Spaß und Leidenschaft bei der Sache, auch für sie hoffe ich, es geht bald weiter. Aber erst einmal haben andere Themen Priorität. gehen andere Dinge vor. Und die Gesamtsituation ist eine große Herausforderung und Chance für die Gesellschaft.

Holger Gartz’ Firma Kama Textil Management hat die Produktion auf behelfsmäßige Mundund Nasenschutze umgestellt. Gefertigt wird in Handarbeit, das Produkt ist wiederverwendbar. Die Masken sind aus einem besonderen und strapazierfähigen Stoff hergestellt. Bevorzugt behandelt und beliefert werden Kommunen und Sozialstationen. „Uns ist nicht nur das Signal wichtig: Made in Germany, sondern ´auch die Maxime Qualität vor Quantität. So erklärt sich der Stückpreis von 34,90 Euro“, erklärt Nicolas Kiefer.

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