Als der Becker-Boom begann: Blick auf den Kreis-Hersfeld-Rotenburg

Im Hechtsprung zum Sieg: Boris Becker löst mit seinen Erfolgen in Wimbledon einen Tennis-Boom aus.

Hersfeld-Rotenburg. Eine deutsche Sport-Legende wird am heutigen Mittwoch 50 Jahre alt. Denn nicht weniger als das ist Boris Becker, mit dessen Sensationssieg in Wimbledon vor 32 Jahren Deutschland den Tennissport entdeckte.

Was aber hat sich durch ihre Erfolge im Tennis in unserer Region verändert? Hielt der Boom an? Wir haben nachgefragt.

Einer, der den Becker-Boom von Anfang an miterlebte, ist der 72-jährige Karl Pflieger, in Friedewald, Schenklengsfeld und Eitra im Tennis aktiv und im Übrigen auch begeisterter Tischtennisspieler. „Beckers Sieg hat einen riesigen Boom ausgelöst, der auch die Dörfer erfasste“, erinnert sich Pflieger. „Jeder wollte plötzlich Tennis spielen - und ich hab’ gedacht: Das kann ich auch!“

So wurden Plätze angelegt und in Friedewald sogar ein Klubhaus gebaut. Pflieger erinnert sich an seine eigene Spielweise: „Ich habe Tennis gespielt wie Schach: Immer dorthin den Ball platziert, wo der Gegner nicht war und ich punkten konnte.“ Damit fuhr Pflieger gut. Zehn Jahre lang verlor er kein einziges Match, sagt er.

Der Boom indes ließ nach. „Wer Tennis spielen will, der muss auch trainieren, sich anstrengen. Das wollen viele eben nicht. Und die Plätze müssen auch bereitet und gepflegt werden. Das macht viel Arbeit.“ Denkt er an den aktuellen Zustand vieler Anlagen in der Region, wird Karl Pfleger traurig. „Viele Plätze sind verwaist, auf manchen wuchert das Gras - da könnte man Ziegen drauf weiden lassen“, bedauert er. Karl Pflieger hat seine aktive Laufbahn aus gesundheitlichen Gründen beendet, erzählt er.

Auch Burghard Hauptmann, langjähriger Sportwart und derzeit Pressewart des TV Ronshausen, erinnert sich an Beckers Triumph („am 7. Juli 1985 um 17.26 Uhr!“). „Tennis steckte hier zu Lande noch in den Kinderschuhen, erhielt aber durch die Erfolge Beckers und Steffi Grafs einen Riesen-Zuwachs an Mitgliedern.“ Dabei wurde viel improvisiert: Beim TV Ronshausen diente ein alter Bus als Umkleidekabine, der TSV Bebra nutzte zu diesem Zweck zwei ausrangierte Triebwagen der Bahn. Hauptmanns Sohn Tim, aber auch Ullrich Bechtel und Katrin Meiss waren Tennis-Aushängeschilder der Region.

Mit Boris Beckers erstem Sieg in Wimbledon begann auch in Kalkobes die Tennis-Euphorie. Knapp ein Jahr zuvor erst war die Abteilung gegründet worden. Bernd Becker weiß es noch genau. „Den ersten Wimbledon-Sieg haben wir im Klubhaus verfolgt. Es war sensationell, wie Becker da gekämpft hat“, sagt der (Nach)-Namensvetter von Boris und schmuzelt. „Ich war 38, hatte zuvor Handball gespielt - Mannschaftssport. Und in diesem Alter war meine erste Sportkarriere eigentlich beendet. Also musste eine zweite her - ein Individualsport.“

So wie Bernd Becker erging es vielen anderen. „Die meisten sind vom Fußball zu uns herübergekommen“, erzählt er. Spiele von Becker hat er selbst nicht persönlich verfolgt, aber dafür Begegnungen von Michael Stich oder auch Roger Federer. „Mit Boris und seinen Statements konnte ich mich nie groß identifizieren.“ Obwohl der Becker-Boom überall schon abgeflaut ist, hält die Begeisterung für den Sport mit der gelben Filzkugel bei Becker weiter an. Er spielt heute noch in der Herren 60. Und ist mit der Kalkobeser Mannschaft sogar Zweiter der Hessenliga geworden. „Punktgleich mit dem Ersten“, sagt er. Und schmunzelt.

Von Hartmut Wenzel und Rainer Henkel

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