1. Startseite
  2. Sport
  3. Regionalsport
  4. Tennis

Jan-Lennard Struff: Der sympathische Deutsche

Erstellt:

Von: Maximilian Bülau

Kommentare

Jan-Lennard Struff.
Hatte den Spanier Carlos Alcaraz am Rand der Niederlage: Jan-Lennard Struff. © Sebastien Bozon/afp

Beim Blick auf die Tennis-Weltrangliste ist Jan-Lennard Struff derzeit nur die Nummer acht aus deutscher Sicht. Klar, Alexander Zverev steht als Zweiter des Weltrankings weit vor ihm.

Aber auch Oscar Otte, der in diesem Jahr auf Rasen so begeistert, liegt weit voraus. Ebenso Daniel Altmaier, Peter Gojowczyk, Yannick Hanfmann, Dominik Koepfer und Mats Moraing.

Bis zu Platz 155 muss man durchhalten, um den Namen Jan-Lennard Struff zu finden. Den Namen dieses 32-Jährigen, den auf der Tour alle nur Struffi nennen. Den Namen eines Spielers, der erst mit über 30 seine besten Leistungen zeigte. Den Namen des Spielers, der von vielen Kollgen geschätzt wird. Der Warsteiner ist sympathisch, macht Spaß. Am Montagabend wurde er unter großem Applaus vom zweitgrößten Court des Grand-Slam-Turniers in Wimbledon verabschiedet.

Struff hatte gerade vier Stunden und zehn Minuten das Publikum begeistert. Sein Gegner, das spanische Wunderkind Carlos Alcaraz (19), das in diesem Jahr bereits vier Turniere auf der ATP-Tour gewonnen hat, brachte Struffi an den Rand einer Niederlage. Über die längstmögliche Distanz knallten sich beide die Bälle um die Ohren. 1:0 und 2:1 hatte der Deutsche nach Sätzen bereits vorn gelegen. Beim Stand von 4:4 im letzten Durchgang kassierte Struff das Break, Alcaraz nutzte bei eigenem Aufschlag schließlich den zweiten Matchball zum Sieg.

Im vergangenen Jahr waren sich der Deutsche und der Spanier in der dritten Runde der French Open begegnet. Damals hatte Struff auf Sand – seinem Lieblingsbelag, aber auch dem von Alcaraz – in drei Sätzen gewonnen. Es ist der bislang letzte Erfolg des Deutschen bei einem Grand Slam.

Doch seitdem hat sich vor allem beim Spanier viel getan, ein gewaltiger Entwicklungssprung eingesetzt. Struff dagegen verpasste in diesem Jahr die French Open verletzt. Weil er sich Mitte März beim Masters in Miami einen Zeh gebrochen hatte, kurz vor seinem 32. Geburtstag, musste der Deutsche eine Verletzungspause einlegen. Erst Anfang Juni stieg er wieder ein, gewann bis zum Turnier in London aber lediglich in Stuttgart ein Match gegen den US-Amerikaner Marcos Giron. Die Erwartungen waren also gering – und wieder einmal überraschte Struff in solch einer Situation.

Vor vier Jahren ging der Stern Struff in Wimbledon so richtig auf. Mit damals bereits 28 Jahren kam er bis ins Achtelfinale – ein Ziel, das er sich gesetzt hatte. Denn im Achtelfinale wartete das Duell mit Roger Federer. Aus diesem Traum zog Struff die Kraft die ersten beiden Matches gegen Leonardo Mayer und Ivo Karlovic jeweils nach 0:2-Satzrückstand noch zu gewinnen. Und auch wenn er gegen den Maestro aus der Schweiz anschließend scheiterte, zog Struff aus dieser Erfahrung die Motivation für den folgenden Aufwärtstrend im Tennis-Zirkus. Ende 2018 lag er auf Rang 21 der Weltrangliste, seine bis heute beste Platzierung. Auch danach hielt er sich lange unter den besten 40 Spielern.

Das Match gegen Alcaraz nun war definitiv das beste des Jahres für Struff. Zwar gewann er drei seiner fünf Einzeltitel auf Sand, die anderen beiden auf Hartplatz, dennoch sagte er vor drei Jahren mal in einem Interview, sein größter Wunsch sei es, einmal in Wimbledon zu siegen. Mehr ginge einfach nicht. Wahrscheinlich weiß Struff selbst, dass dieser Wunsch ein Traum bleiben wird. Und doch könnte sich Geschichte nun wiederholen, Struff könnte Kraft aus dem starken Auftritt auf Londons heiligem Rasen ziehen.

Der sympathische Deutsche wird er ohnehin bleiben. Das liegt an seinen oft mitreißenden Matches, durch die er sich den Ruf eines Mentalitätsmonsters erarbeitet hat. Struff gilt aber auch als sehr bodenständig, ehrgeizig und ehrlich. Eigenschaften, die Kollegen wie Fans am bekennenden Dortmund-Fan schätzen. Wenn er nicht Tennis spielt, dann hält er sich auch heute noch zumeist in seiner Heimat Warstein auf, wo er mit seiner Partnerin und seinem Sohn lebt. Gut möglich also, dass Struffi Wimbledon nun erst mal wieder gegen Westfalen eintauscht. (Maximilian Bülau)

Auch interessant

Kommentare