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Schnellcheck zum deutschen Wimbledon-Viertelfinale: Die Königin der Aufholjagd

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Von: Maximilian Bülau

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Tajana Maria.
Steht im Wimbledon-Halbfinale: Tatjana Maria. © Adrian Dennis/afp

Es war das Duell Jung gegen Alt. Das Duell einer Nachwuchshoffnung gegen eine zweifache Mutter. Das Duell zweier deutscher Tennisspielerinnen, die beim Grand Slam in Wimbledon bislang so überraschten.

Und die nun im Viertelfinale des Rasenklassikers direkt aufeinandertrafen. Erstmals seit 2012 und dem Dreisatz-Sieg von Angelique Kerber gegen Sabine Lisicki war das wieder der Fall. Wer dieses Mal die Kerber war und wer die Lisicki? Hier ist der Schnellcheck.

Mal zur Einschätzung: Für wen sprach denn vorab die Bilanz?

Für keinen. Denn es war das erste Duell der 22 Jahre alten Dortmunderin Niemeier gegen die 34 Jahre alte Bad Saulgauerin Maria. Kurios: Gegeneinander hatten sie bis dahin zwar noch nie gespielt, im selben Verein dagegen schon. Beide standen mal für den TC Bredeney aus Essen in der Bundesliga auf dem Platz. Ein Doppel bildeten sie aber nie. Und: Gut kennen würden sie sich auch nicht, sagen beide.

Rein ins Match: Wer dominierte?

Schauen wir zunächst auf Satz eins. Der begann für Niemeier optimal. Sie holte sich direkt ein Break, bestätigte dieses anschließend bei eigenem Aufschlag. Und auch als Maria das zweite Mal servierte, gab es eine Breakmöglichkeit für die 22-Jährige. Doch ihre zwölf Jahre ältere Kontrahentin wehrte dieses Mal ab. Es entwickelte sich ein enger Satz, in dem Niemeier immer etwas dominanter wirkte. Am Ende reichte ihr das eine Break gleich zu Beginn, um sich den ersten Durchgang zu sichern. 6:4.

Eine einseitige Angelegenheit für den Werkzeugkasten gegen die Wühlerin?

So bezeichnete Gerald Kleffmann die beiden Spielerinnen in der Dienstagausgabe der Süddeutschen Zeitung. Der Werkzeugkasten, das ist Jule Niemeier. Weil die Dortmunderin, die früher auch Fußball spielte, mit vielseitigen Möglichkeiten ausgestattet ist: Starker Aufschlag, gute Vorhand – auch den Slice beherrscht sie. Das ist wiederum der Paradeschlag von Maria, die damit einige Gegnerinnen zur Verzweiflung brachte. Die Schlaghärte fehlt ihr, dafür ist sie clever, spielt strategisch, wühlt. Und einseitig wurde dieses Match keinesfalls. Denn Maria ist nicht nur eine Wühlerin, sondern auch eine Comeback-Königin in Wimbledon. Mehrfach lag sie bereits weit zurück, stand teils kurz vor dem Aus, kam aber zurück.

So auch gegen Niemeier?

Richtig. Aber erst einmal gab es die Wiederholung aus Satz eins: Niemeier schnappte sich im ersten Spiel das Break. Doch an Aufgeben dachte ihre Gegnerin nicht, lag schnell 4:1, dann 5:2 vorn, breakte also Niemeier wiederum zweimal. Nach dem 6:2 stand fest: Es wird ein Krimi zwischen den Deutschen.

Wem wurde am Ende dann gratuliert?

Nach weit mehr als zwei Stunden und zig Breaks im dritten Satz führte ein Fehler von Niemeier tatsächlich zum Sieg von Maria. Einem so typischen für sie in diesem Jahr in Wimbledon. Zurückgelegen, fast abgeschrieben, nie aufgegeben, zurückgekommen. Was die beiden deutschen Spielerinnen in diesem dritten Satz ablieferten, das war allerdings großartig. Großartiges Tennis, teils unfassbare Ballwechsel, Drama, ein Hin und Her. Mit der Siegerin Maria – 4:6, 6:2, 7:5. Ab ins Halbfinale.

Wie war die Übertragung im Fernsehen?

Wimbledon ist das einzige Grand-Slam-Turnier, das bei Sky übertragen wird. Kommentator Marcel Meinert fand an diesem Nachmittag eigentlich alles super. „Super Serve-and-Volley! Super Niemeier! Super Maria! Super! Super! Super!“ Ist natürlich auch super, wenn zwei deutsche Frauen im Wimbledon-Viertelfinale stehen und eine sicher ins Halbfinale einzieht. Das findet am Donnerstag statt. Bislang sind Steffi Graf und Kerber die einzigen deutschen Wimbledon-Siegerinnen. (Maximilian Bülau)

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