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Andrea Petkovic kündigt Karriereende an: Ein letzter Tanz

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Von: Maximilian Bülau

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Andrea Petkovic.
Auch er hat sie bekannt gemacht: Andrea Petkovic zeigt ihren Petko-Dance. © Imago/GEPA pictures

Tennisschläger leicht über dem Kopf. Ein bisschen die Hüfte geschwungen. Leichte Tippelschritte. Den Hintern rhythmisch bewegt. Nur ein paar Sekunden. Vor, zurück, zur Seite.

Dann war das Schauspiel schon wieder vorbei. Die, die da auf den Tennis-Courts tanzte, das war die Darmstädterin Andrea Petkovic. Die mittlerweile 34-Jährige feierte so Siege.

Siege, die in den vergangenen Jahren seltener geworden sind. Ihr Markenzeichen hat sie schon längst abgelegt. Bald wird sie das auch mit ihrem Schläger machen. Petkovic wird ihre Karriere beenden. Nicht heute. Doch die US Open, das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres, das gestern begonnen hat, wird ihr letzter großer Auftritt sein. Vielleicht ist direkt danach Schluss. Vielleicht will sie noch mal ein, zwei Turniere in Europa spielen. Kleinere. Als Abschiedsveranstaltungen.

Gut möglich, dass ihr letzter Auftritt in ihrer Wahlheimat New York nicht von langer Dauer sein wird. In der ersten Runde trifft Petkovic heute (etwa 19 Uhr/Eurosport) auf die Schweizerin Belinda Bencic, Weltranglisten-13. Die Südhessin selbst wird nur noch auf Rang 104 geführt, ist damit hinter Angelique Kerber (50.) und Tatjana Maria (85.) derzeit allerdings immer noch die drittbeste Deutsche.

Das Ende der Goldenen Generation der deutschen Tennis-Damen ist nicht erst seit dieser Nachricht eingeläutet. Julia Görges hat bereits aufgehört. Kerber ist schwanger, nimmt sich eine Auszeit. Und Sabine Lisicki, die 2013 als erste Deutsche nach Steffi Graf in Wimbledon ein Finale eines Grand-Slam-Turniers erreicht hat, kehrte erst 2022 nach anderthalbjähriger Verletzungspause zurück auf die Tour. Etwas, das Petkovic zur Genüge kennt.

Verletzungen prägten die Karriere der Darmstädterin. Immer wieder war sie zum Zuschauen verdammt, kämpfte sich zurück. 2011 stand sie mal auf Rang neun der Weltrangliste, 2014 erreichte sie das Halbfinale der French Open und verlor im selben Jahr mit dem Fed-Cup-Team das Finale gegen Tschechien. Rückschläge haben sie geprägt.

Schon lange ist die 34-Jährige viel mehr als eine Tennisspielerin. Und wer nun die Nachricht liest, dass Petkovic ihre Karriere beendet, fragt sich vielleicht: Hat sie das nicht längst getan? Mit dem Gedanken hat sie schon häufiger gespielt, sich immer mal wieder von der Tour zurückgezogen. Sie moderiert die ZDF-Sportreportage, schreibt Kolumnen für Zeitungen, ist Autorin des Buches „Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“. Sie studierte nebenbei Politikwissenschaften, machte ein Praktikum in der Wiesbadener Staatskanzlei. Petkovic ist wohl eine von denen, über die Fans sagen: Die kann nicht nur Tennis spielen, die hat auch was im Kopf. Dafür spricht nicht nur ihr Abitur mit der Note 1,2 und das Überspringen der 11. Klasse.

Sieben Turniere gewann die 34-Jährige auf der WTA-Tour, das letzte völlig überraschend im vergangenen Jahr im rumänischen Cluj. Ein Erfolg, der sie noch einmal motivierte weiterzumachen. Nun aber ist Schluss. Schluss in ihrer zweiten Heimat, denn Petkovic lebt im New Yorker Stadtteil Brooklyn mit ihrem Partner, dem Musiker Jesse Kotansky.

Aufschlagen in Flushing Meadows, das wird Petkovics letzter Tanz. Dass sie in den kommenden Tagen noch einmal ihren Petko-Dance zeigen wird, ist aber unwahrscheinlich. Das Ritual ist nach einer verlorenen Wette gegen ihren Vater Zoran Petkovic, früherer Davis-Cup-Spieler für Jugoslawien und anfangs ihr Trainer, entstanden. 2010 war das. Doch bereits ein Jahr später hatte es sich wieder ausgetanzt, nachdem sich mehrere Spielerinnen durch die Einlage angegriffen gefühlt hatten. So sagte Maria Scharapowa mal nach einem Sieg: „Sie war wohl müde vom vielen Getanze.“ Es war nie Petkovics Absicht, dass ihre Bewegungen so rüberkommen. Müde ist sie nun aber doch. (Maximilian Bülau)

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