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Energiekrise im Sport: Tennis nicht zum Halbjahressport werden lassen

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Training bei Luftüberdruck: Auf der Tennisanlage in Wilhelmshöhe wird Platz drei im Winter zur Halle. Die bis etwa 2,50 Meter Höhe reichende grüne Plane dient dazu, dass die Spieler die gelben Bälle besser sehen können.
Training bei Luftüberdruck: Auf der Tennisanlage in Wilhelmshöhe wird Platz drei im Winter zur Halle. Die bis etwa 2,50 Meter Höhe reichende grüne Plane dient dazu, dass die Spieler die gelben Bälle besser sehen können. © Privat/nh

Die Energiekrise hat Auswirkungen auf alle Teile der Gesellschaft – auch auf den Sport. Wir fragen nach, welche Folgen das für die Vereine in Stadt und Kreis Kassel hat.

Kassel – Die eigentliche Tennissaison ist vorbei – zwischen Herbst und Frühjahr werden die Plätze geschlossen. Um den Tennis nicht zum Halbjahressport werden zu lassen, gibt es einige – rund um Kassel eher wenige – Hallen, die das Spielen auch im Winter ermöglichen.

So zum Beispiel in Kaufungen: Vier Granulatteppichplätze im beheizten Innenraum können sowohl von Privatpersonen als auch von Vereinen individuell gebucht werden. Auch beim KTC Bad Wilhelmshöhe gibt es eine Wintersaison: in der vereinseigenen sogenannten Traglufthalle – in dieser Form nahezu einzigartig in der Region.

Damit das Gebilde stabil steht, herrscht im Inneren ein leichter Luftüberdruck

Die Halle besteht aus einem Drahtgeflecht, das auf Platz drei am Boden verankert wird. Darüber liegen verschiedene Planen, die unter anderem vor Witterung schützen und zur Isolierung dienen. „Die Folien sind lichtdurchlässig. Tagsüber braucht man in der Halle also kein Licht“, sagt Vorstandsmitglied Kai Woelk. Ein Pluspunkt mit Blick auf den Energie-Aspekt.

Weißer Hügel: So sieht die Traglufthalle des KTC Wilhelmshöhe von außen aus.
Weißer Hügel: So sieht die Traglufthalle des KTC Wilhelmshöhe von außen aus. © Privat

Damit das Gebilde stabil steht, herrscht im Inneren ein leichter Luftüberdruck: „Der liegt nur knapp über dem Normalwert und ist nicht spürbar“, erklärt Woelk. „Es ist nicht so wie zum Beispiel im Flugzeug, dass man Druck auf den Ohren hat.“ Mit der Komplettsanierung der Halle vor vier Jahren konnte der Verein schon rund 40 Prozent Energie einsparen – durch die spätere Umrüstung auf LEDs und ein Messgerät, das den Luftdruck in der Halle nur dann erhöht, wenn es wirklich notwendig ist, noch einmal mehr.

Geheizt wird auf 12 Grad. Das war dank der milden Temperaturen bisher aber nicht nötig, sagt Woelk. Weil das Wetter noch teilweise sommerlich ist, kann in Wilhelmshöhe sogar auf den Außenplätzen noch gespielt werden – offiziell sind die Plätze aber geschlossen.

Für die Mitglieder ist das Training im Winter wichtig – vor allem für den Nachwuchs

Ob es richtig ist, die Halle trotz Energiekrise aufzubauen, darüber haben Vorstand und Mitglieder des Vereins lange diskutiert, sagt Michael Küppers, verantwortlich für Geschäftsstelle und Pressearbeit: „Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir es verantworten können, aufzubauen.“

Woelk mit Blick auf die finanzielle Belastung: „Notfalls müssen wir sie wieder abbauen.“ Mit „wir“ meint er 20 Mitglieder, die für die aufwendige Arbeit etwa einen Tag benötigen.

Für die rund 400 Mitglieder, davon mehr als 150 Kinder, ist das Training im Winter wichtig: „Wir wollen unsere Mitglieder, vor allem die Kinder, nicht verlieren“, sagt Woelk zum Engagement für die Jugend, auf das der Verein großen Wert legt. „Da sind einige Talente dabei, die es weit bringen können.“ Auch die Sicherung der Arbeitsplätze der zwei hauptberuflichen Trainer ist ein wichtiger Punkt.

Um die steigenden Kosten aufzufangen, müssen eventuell die Preise erhöht werden

Während die Traglufthalle aktuell nur KTC-Mitgliedern zur Verfügung steht, können sich in Kaufungen jegliche Spieler und Vereine einmieten. Dass die Halle momentan weniger gebucht wird als in den Vorjahren, liegt laut Hallenmanager Stefan Meyer zwar vermutlich auch an der Energiekrise, zum großen Teil aber wohl auch daran, dass auf einigen Plätzen noch draußen gespielt werden kann.

Dass die Energiekosten für die mit Gas beheizte Halle steigen, ist den Verantwortlichen bewusst – wie groß die Auswirkungen wirklich sein werden, kann man laut Meyer aber noch nicht sagen: „Wir müssen etwas zurücklegen. Die steigenden Kosten können wir nur über gute Auslastung ausgleichen. Eventuell müssen wir aber auch die Preise erhöhen.“ Aktuell kostet eine Einzelstunde je nach Tag und Uhrzeit zwischen 18 und 24 Euro.

Ob weitere Maßnahmen umgesetzt werden müssen – etwa die Temperaturen der bisher noch warmen Duschen und der 16 Grad warmen Halle anpassen – lässt sich laut Meyer erst im Februar oder März entscheiden, „wenn wirklich Winter ist“. (Lea-Sophie Mollus)

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