Nach 2:0-Satzführung

Alexander Zverev verliert dramatisches Finale bei den US Open: „Jetzt bringst du mich zum Weinen“

Alexander Zverev
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Der Unterlegene: Alexander Zverev blieben nur die Tränen.

Tennisspieler sind allein. Allein auf dem Platz. Sie sitzen allein auf der Bank während der Pausen. Sie haben keinen, der ihnen helfen kann.

Kassel – Und auch deswegen ist Tennis eben nicht nur ein Sport, bei dem es um die Fitness und das Talent geht. Sondern auch um den Kopf.

Für Alexander Zverev war das Finale der US Open in New York eine Reise in den Himmel, in die Hölle, wieder hoch und noch einmal runter. Unten auf dem Boden war er schließlich angekommen. Unten auf dem Boden lag der Österreicher Dominic Thiem. Nach etwas mehr als vier Stunden, fünf Sätzen und einem Drama, das seinesgleichen sucht. Der 27 Jahre alte Thiem gewann 2:6, 4:6, 6:4, 6:3, 7:6 (8:6). Er holte im vierten Anlauf seinen ersten Grand-Slam-Titel. Bei den French Open hatte er zweimal gegen Rafael Nadal verloren, bei den Australian Open gegen Novak Djokovic. Nach dem entscheidenden Ball legte er sich dann auf den Hartplatz im fast menschenleeren Arthur Ashe Stadium. Mehr als 20 000 Menschen passen sonst rein. So allein, wie sich Thiem am Anfang des Matches gefühlt haben mochte, so allein war nun Zverev.

Es sprach einiges dafür, dass der 23 Jahre alte Deutsche Thiem die nächste Niederlage in einem Grand-Slam-Finale zuführen würde. Als Außenseiter gestartet, machte Zverev viel, fast alles richtig. Und der Österreicher stand völlig neben sich. Er machte einen leichten Fehler nach dem anderen. Und der Hamburger nutzte das. Nach einer halben Stunde hatte er den ersten Satz gewonnen.

Im zweiten hatte Zverev Satzbälle beim Stand von 5:1 und 5:2. Er gewann ihn mit 6:4. Doch bereits da kam erstmals das Gefühl auf, Thiem könnte nun im Match angekommen sein. Eurosport-Kommentator Matthias Stach hatte recht, als er sagte, dieses Finale sei noch lange nicht entschieden.

Zverev holte ein frühes Break im dritten Satz. Er lag im fünften 5:3 vorn, schlug zum Matchgewinn auf. Dann führte Thiem 6:5. Der Deutsche breakte wiederum zum 6:6 und dem ersten Tiebreak in einem fünften Satz der Finalgeschichte der US Open. 2:0 für Zverev. 5:3 und 6:4 für Thiem. Dann 6:6. Und zwei Punkte später war es vorbei. Das Drama von vier Stunden verdichtete sich noch einmal auf wenige Minuten.

Ex-Tennisspielerin Rennae Stubbs aus Australien twitterte anschließend: „oh Sash, NOW youre really making me cry!!“ Jetzt bringst du mich wirklich zum Weinen. Zverev hätte diesen Sieg verdient. Doch auf dem Platz sind Tennisspieler allein. Und in den entscheidenden Momenten hilft dir niemand. (Maximilian Bülau)

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