1. Startseite
  2. Sport
  3. Regionalsport
  4. Tennis

Matchball Becker: Der Deutsche ist als Experte zurück bei Eurosport

Erstellt:

Von: Maximilian Bülau

Kommentare

Matthias Stach (links) Boris Becker.
Wieder vereint: Eurosport-Moderator und -Kommentator Matthias Stach (links) und Experte Boris Becker. Screenshot: Eurosport © Eurosport

Irgendwie hatte Boris Becker seinen Matchball ja vergeben. Den Matchball im Leben. Ein Leben, das mehr als sieben Monate kein freies mehr war.

230 Tage in einem britischen Gefängnis. Einen Monat ist es her, dass er vorzeitig entlassen wurde. Dieses Leben gab dem 55-Jährigen eine zweite Chance. Einen zweiten Matchball.

Matchball Becker: So heißt – so hieß – die Gesprächsrunde mit dem ehemaligen Weltklasse-Tennisspieler und Kommentator sowie Moderator Matthias Stach während der Grand-Slam-Turniere in Melbourne, Paris und New York beim übertragenden Sender Eurosport. So heißt das Format nun wieder. Seit gestern ist Becker zurück im Einsatz. Nicht in Melbourne. Er begleitet die Australian Open, den ersten Grand Slam des Jahres, mit Stach aus München. Das liegt nicht daran, dass Becker wegen seiner Haftstrafe derzeit nicht nach England und somit vielleicht auch nicht ins zum Commonwealth zählende Australien reisen darf. Vielmehr hat der Sender wegen der Corona-Auflagen entschieden, aus der Nähe von München zu senden. Becker wird es entgegenkommen.

Dass der 55-Jährige wieder zu den Eurosport-Experten gehören wird, steht seit Anfang Januar fest. Gestern Morgen, etwa 20 Minuten vor neun war es, waren Becker und Doppelpartner Stach erstmals bei Matchball Becker wieder zu sehen. Vorausgegangen war eine Viertelstunde monotones Brummen. Eurosport hatte Tonprobleme. Doch pünktlich zur Schalte ins Studio lief alles wieder. Stach: „Wenn ich jetzt platt wäre, würde ich sagen, wir haben hier einen Comebecker. Boris, willkommen zurück. Was alle wissen wollen: Wie geht’s dir?“ Becker: „Mir geht’s gut. Ich bin wieder in Friede und Freiheit. Habe mich nur ein bisschen versteckt. Habe dich sogar ein bisschen vermisst, meinen Doppelpartner hier auf Eurosport. Mich freut es, dass ich jetzt wieder meiner großen Leidenschaft Tennis nachgehen kann.“

Da ist er wieder. Und Tennisfans wird das sicher freuen. Nichts gegen Mischa Zverev, den Bruder von Alexander Zverev, der heute sein Grand-Slam-Comeback nach langer Verletzungspause geben wird. Mischa Zverev vertrat den eingesperrten Becker. Aber Becker ist eben als Experte fast so gut wie als Spieler. Seit 2017 ist er für Eurosport tätig. 2018 gewann er den Deutschen Fernsehpreis.

Er hat sich verändert. Dünner ist er. Die Haare kurzgeschoren. Der Anzug sitzt aber wie eh und je. Wie der eines Onkels bei der Konfirmation des Neffen. Die Hose schlabbert, das Sakko zu weit. Die Füße stecken in weißen Turnschuhen. Das war auch schon vor dem Gefängnisaufenthalt so. Die Gelenke schmerzen von den vielen Stunden auf den Tenniscourts der Welt.

Anders als noch vor wenigen Wochen bei seinem Rückkehr-Interview, das der Sender Sat.1 ausstrahlte, wird Becker auf gewohntem Terrain nicht emotional. Er und Stach sprechen über das Wohnzimmer Melbourne. Es ist eines für den Serben Novak Djokovic, der schon neunmal in Australien gewann. Seit 2018 ist er ungeschlagen. Im vergangenen Jahr fehlte er wegen fehlender Corona-Impfung. „Rafael Nadal hat sein Wohnzimmer in Paris. Jemand anderes hatte es in London. Da will ich momentan aber nicht hin“, sagt Becker. Eine irgendwie gelungene Mischung. Das, was war, nicht totschweigen. Es aber auch nicht immer in den Mittelpunkt stellen. Es mit Humor nehmen.

„Wenn wir kommen, ist es dunkel. Und wenn wir gehen auch. Wir sind in den kommenden zwei Wochen auf Vitamin-D-Tabletten angewiesen“, sagt Stach noch. Denn jetzt endet der Tennistag bei den Australian Open wieder mit Matchball Becker. Wie auf dem Court kann sich das Momentum schnell ändern, überspringen. Ein vergebener Matchball bedeutet nicht die Niederlage. Die Großen stehen wieder auf. (Maximilian Bülau)

Auch interessant

Kommentare