„Will unter die Top Acht“

Hofgeismarer Siebenkämpferin Vanessa Grimm bei der U23-EM

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Nahm alle Hürden auf dem Weg nach Europa: Die Hofgeismarer Siebenkämpferin Vanessa Grimm, h ier bei der Deutschen Hochschulmeisterschaft, nimmt an den Europameisterschaften der U23 im schwedischen Gävle teil.

Ein Platz unter den ersten acht: das ist das Ziel für die Hofgeismarer Siebenkämpferin Vanessa Grimm bei der U23-EM in Schweden Mitte Juli. Wir haben mit ihr im Vorfeld gesprochen.

Ein Eis. Das war die Belohnung, die sich Vanessa Grimm (22) gönnte, als sie Anfang Juni die Qualifikation zur Europameisterschaft im Siebenkampf schaffte. Von 11. bis 14. Juli hofft die aus Hofgeismar stammende Sportlerin im schwedischen Gävle (200 Kilometer nördlich von Stockholm) auf hohe Temperaturen. „Dann bin ich besser“, sagt sie. 

Wir haben im Vorfeld der U23-EM mit ihr über die schönen und die Schattenseiten im Leben einer Leistungssportlerin gesprochen.

Vanessa Grimm – schon vom Namen her könnte die Grimm-Heimat Nordhessen keine bessere Botschafterin haben. Sind Sie schon einmal darauf angesprochen worden?

Manche bringen meinen Namen in Verbindung mit Nordhessen. Aber allzu oft ist es nicht der Fall.

Sie sind angehende Polizeikommissarin. War das Ihr Wunschberuf oder wählten sie die Laufbahn, weil er die Möglichkeit bietet, Sport und Beruf optimal zu verbinden?

Das war schon immer mein Traumberuf. Und dass ich ihn mit Sport verbinden kann, ist natürlich optimal. Jetzt, nach einigen Jahren im Polizeidienst, muss ich sagen: Es ist optimal. Der Beruf macht Spaß und bietet die Freiheit zum Training.

Sie haben sich vor etwa sechs Jahren dem Siebenkampf verschrieben. Auf welche Disziplin könnten Sie verzichten?

Auf keine. Die Vielseitigkeit macht doch die Schönheit und den Reiz des Siebenkampfes aus.

Das klingt sehr abgeklärt. Welche von den sieben schönen Disziplinen ist denn am wenigsten schön?

Naja, Die 800 Meter zum Schluss sind schon manchmal ganz schön hart. Aber auch das gehört dazu.

Gibt es eine Lieblingsdisziplin?

Das wechselt. Vor zwei Jahren hätte ich gesagt: 200 Meter und Hochsprung. Dieses Jahr gefällt mir der Weitsprung ganz gut.

Und was gefällt Ihnen an Ihrem Leben als Spitzensportlerin gut?

Man hat so viele Erlebnisse und lernt viele Menschen kennen. Natürlich sind auch die internationalen Wettkämpfe reizvoll. Vergangenes Jahr war ich bei einem Länderkampf in den USA dabei, dieses Jahr schon in Tallinn (Estland). Jetzt geht es nach Schweden. Das ist schon toll. Und man entwickelt sich auch als Person weiter.

Wenn es Sonnenseiten gibt, dann gibt es auch Schattenseiten.

Man muss auf einiges verzichten. Ich kann beispielsweise nicht am Wochenende ganz einfach mal mit Freunden bis spät in die Nacht hinein ausgehen. Alkohol ist ohnehin tabu, aber auch beim Essen muss man sich zurückhalten.

Also keine Schokolade, die Sie eigentlich gerne essen.

Genau. Das fällt darunter. Und ich kann nicht ganz so spontan leben wie andere in meinem Alter.

Weil sonst die Nada, die Anti-Doping-Agentur, Ärger macht?

Für die muss man immer erreichbar sein. Wenn ich beispielsweise zu meinen Eltern nach Hofgeismar fahre, muss ich das melden.

Wie oft werden Sie denn getestet?

Das ist verschieden. Ich würde sagen, so fünf- bis zehnmal im Jahr.

Die Kontrolleure kommen unangemeldet?

Natürlich. Meist morgens um 6 Uhr.

Da kommt aber Freude auf, wenn es so früh an der Haustür klingelt.

Das gehört dazu. Es dient der Chancengleichheit im Sport, und deshalb möchte ich mich darüber nicht beklagen.

Nicht beklagen können Sie sich auch über Ihre Leistungen. Mit 5929 Punkten haben Sie die EM-Qualifikationsnorm(5750) locker geschafft. Was rechnen Sie sich bei der EM aus?

Ich bin auf dem achten Platz der europäischen Bestenliste. Ein Platz unter den Top Acht ist auch mein Ziel. Und ich möchte in absehbarer Zeit die 6000-Punkte-Marke knacken und mich in der deutschen Spitze behaupten.

Nimmt man in den sieben Disziplinen ihre persönlichen Bestleistungen, dann sind sogar 6050 Punkte drin.

Beim letzten Wettkampf haben ich in drei Disziplinen die persönliche Bestleistung geschafft. Dass man auf den Tag genau in allen sieben topfit ist, ist unwahrscheinlich.

Sie haben ihre sportliche Laufbahn in Ihrer Heimatstadt Hofgeismar bei der LG Reinhardswald begonnen. Was bleibt vor allem als Erinnerung an die LGR?

Die Trainer haben es geschafft, mich für Leichtathletik zu begeistern. Auch wenn es um Leistung ging, so hat es doch immer Spaß gemacht. Das ist bis heute so geblieben.

Vanessa Grimm (22) kommt aus Hofgeismar, wo sie an der Albert-Schweitzer-Schule ihr Abitur machte. Schon im Vorschulalter kam sie zur Leichtathletik. Bei der LG Reinhardswald erkannte man ihr Talent. Ausgebildet in verschiedenen Disziplinen entschied sie sich mit 16 Allrounderin zu bleiben und Siebenkampf zu betreiben. Nach dem Abitur ging sie zur Polizei. 

Noch bis Anfang nächsten Jahres ist sie Polizeikommissar-Anwärterin, „dann kann man das Anwärterin streichen“, sagt sie. Sie startet für den Königsteiner LV und nimmt in Gävle (Schweden) erstmals an einer Europameisterschaft teil.

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