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Stark, wenn die Kräfte schwinden: Rafael Nadal hat Sportgeschichte geschrieben und gezeigt, warum ihn viele lieben

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Von: Maximilian Bülau

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Rafael Nadal.
Das war der Erste: Rafael Nadal 2005 nach seinem Sieg bei den French Open. © Imago

Wer weiß, vielleicht war es ja das letzte Mal, dass Rafael Nadal seine Tennistasche in der Rod-Laver-Arena in Melbourne zusammenpackte. Vielleicht war es das letzte Mal, dass er Unmengen an Schweiß auf dem blauen Hartplatz verteilte.

Gefühlt – eine Statistik wird dazu tatsächlich auch heute noch nicht erhoben – hat er noch nie so viel Flüssigkeit bei einem Match verloren. Doch es war notwendig. Hätte der 35 Jahre alte Spanier nur etwas weniger gegeben als alles, was er aus seinem geschundenen Körper herausholen konnte, der Traum vom 21. Grand-Slam-Erfolg wäre an diesem europäischen Vormittag und dieser australischen Nacht zerschellt, wie der Wunsch eines Ungeimpften, Australien zu entdecken.

Ein solcher Impfstatus trug vielleicht dazu bei, dass Nadal überhaupt die Chance auf diesen geschichtsträchtigen Moment bekam. Zwar ist der Serbe Novak Djokovic nur ein Jahr jünger als der Spanier Nadal. Doch körperlich ist Djokovic noch deutlich besser in Form als seine ewigen Kontrahenten Nadal und Roger Federer (Schweiz), alle drei hatten vor diesen Australian Open 20 Grand-Slam-Siege gefeiert. Federer war in Melbourne nicht dabei, befindet sich im Aufbautraining. Rückkehr? Ungewiss. So wie die Nadals nach Melbourne. Ein halbes Jahr hatte er wegen einer schwerwiegenden Fußverletzung pausiert, ein Karriereende stand im Raum. Doch ebenso wie Federer 2017 – damals meldete sich der Schweizer nach halbjähriger Verletzungspause mit dem Titel in Australien zurück – gelang dem Mallorquiner ein traumhaftes Comeback, an das er selbst nicht zu träumen gewagt hat. Djokovic konnte dem Trubel nur staunend zuschauen – als Ungeimpfter wurde er vor dem Turnier aus Australien ausgewiesen. Seine Chance, sich selbst zum Rekord-Champion aufzuschwingen war somit wegen einer Spritze verpufft.

Vielleicht benötigt Nadal in den kommenden Tagen auch die eine oder andere Spritze. In dieser wird sich dann allerdings kein Impfstoff befinden. Nein, Nadal benötigt nun sicher das eine oder andere medizinische Mittel, den einen oder anderen Tag, damit sich sein Körper von den Qualen Melbournes erholt. Fünf Stunden und 24 Minuten hatte er sich mit dem Russen Daniil Medwedew einen unerbittlichen Kampf geliefert. Es war das zweitlängste Endspiel, das Statistiker in der Grand-Slam-Geschichte verzeichnen konnten. Eine unfassbare Dramaturgie.

Es schien, als würde Medwedew zum zweiten Mal hintereinander einem der großen Drei auf dem Weg zum Rekord-Titel im Weg stehen. Bei den US Open 2021 hatte Medwedew in drei Sätzen das Endspiel gegen Djokovic gewonnen. Nun führte er mit 2:0-Sätzen gegen Nadal. Diese Topspieler, die ja eigentlich schon alles erlebt haben, sie werden im Moment, in dem der größte Triumph ihrer Karriere bevorsteht, doch noch nervös.

Im Gegensatz zu Djokovic bekam sich Nadal in den Griff. Er war körperlich am Ende – und wäre lieber vom Platz getragen worden, als sich geschlagen zu geben. Es sind auch diese Qualitäten, sein unermüdliches Defensivspiel, die Peitschenschläge aus dem linken Arm, die seinen Körper in den Jahren so in Mitleidenschaft gezogen haben. Es sind aber auch genau diese Qualitäten, die Nadal zu einem Liebling der Fans gemacht haben. Zu einem, der bewundert wird für seine Mentalität. Wer, wenn nicht Nadal, könnte einen solchen Rückstand in einem Grand-Slam-Endspiel noch drehen? Eben, keiner. Aber Nadal. Und doch ist er nun der Erste, dem das in Australien gelang. Weil er stark ist, wenn die Kräfte schwinden. (Maximilian Bülau)

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